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Xiaomi Watch S1 Active im Test: Wenn sich beim Joggen der Schlafmodus meldet

Eine günstige Sportuhr mit gutem GPS-Modul – das wäre was! Leider hat die Watch S1 Active von Xiaomi zu viele Schwächen, um Spaß zu machen.
/ Peter Steinlechner
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Xiaomi Watch S1 Active im Einsatz (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)
Xiaomi Watch S1 Active im Einsatz Bild: Peter Steinlechner/Golem.de

Pünktlich um 8 Uhr meldet sich die Smartwatch an unserem Handgelenk mit Klingeln und Vibration. "Hallo – Hab einen schönen Tag" , ist auf dem Display zu lesen. Unten sind zwei Tastflächen eingeblendet. Mit Touch auf "X" können wir den Schlafmodus beenden, mit dem Drücken von "zZ" können wir weiterschnarchen.

Wie schön! Es gibt nur ein kleines Problem: Wir drehen gerade unsere morgendliche Joggingrunde – und unser Hund Charly wäre gar nicht begeistert, wenn wir uns wegen der Xiaomi Watch S1 Active auf die nächste Parkbank betten würden.

Zugegeben: Die Sache mit dem Schlafmodus beim Sport ist kein großes Ärgernis. Allerdings zeigt sich daran exemplarisch, dass viele Details bei dem Wearable noch nicht ganz ausgereift sind. Von anderen Sportuhren mit Schlafmodus wurden wir noch nie beim Laufen gestört.

Bei der S1 Active gibt es noch mehr kleine und große Ärgernisse, die Xiaomi einfach hätte vermeiden können. Uns nervt es etwa, dass wir beim Abdecken des Uhrglases mit der anderen Hand nicht wie bei anderen Wearables das Display abschalten und auf dem Haupt-Zifferblatt landen.

Stattdessen befinden wir uns beim Reaktivieren der Beleuchtung im gleichen Menü oder Untermenü wie vorher und müssen dann umständlich wieder zurückwischen. Wir könnten noch ein paar solcher Problemchen nennen, die in der Summe dann eben ganz schön nerven.

Die Xiaomi hat einen Durchmesser von rund 46 Millimetern und eine Höhe von 11 Millimetern – das ist ungewöhnlich dünn für ein derartiges Wearable. Das AMOLED-Display ist 1,43 Zoll groß und löst mit 466 x 466 Pixeln bei einer Bildrate von 60 Hz auf, es wird von einem Kunststoffglas geschützt.

Das Bildschirmchen ist ausreichend leuchtstark auch bei Sonnenbestrahlung. Grafiken und Schriften sind prima ablesbar – und es gibt einige sehr schöne Zifferblätter. Einen sehr guten Eindruck hat beim Laufen auch das GPS-Modul gemacht: Es unterstützt Dualband-Mehrsysteme (neben GPS also auch Glonass, Galileo, BDS und QZSS) und liefert sehr genaue Daten.

Auch unter etwas schwierigeren Bedingungen werden Kurven präzise mitgezeichnet, die Aufschaltung beim Sport erfolgt nach der erstmaligen Positionsbestimmung innerhalb weniger Augenblicke.

Das GPS war der Punkt, der uns ursprünglich besonders neugierig auf die S1 Active gemacht hat. Unsere Idee: eine Sportuhr mit sehr modernem Geotagging, mit der wir auf kostengünstige Art unsere Timeline im Sportlernetzwerk Strava füllen können.

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In der Begleitapp von Xiaomi können wir mit wenigen Klicks die Datenübertragung zu Strava einrichten. Das hat wie versprochen geklappt. Allerdings wurden dann die Daten nicht synchronisiert. Von mehreren Versuchen wurde gerade mal ein Test-Spaziergang übertragen.

Warum gerade der und alles andere nicht – unklar. Trotz intensiver Beschäftigung mit der Software von Xiaomi (kein WearOS) haben wir keine Möglichkeit gefunden, den Fehler zu korrigieren oder die Trainingsdaten manuell zu übertragen.

Ausreichend gute Herzfrequenzmessung

Die Herzfrequenzmessung ist nach unserem Eindruck nicht ganz so präzise wie die Erfassung der Positionsdaten. Beim Sport gab es Abweichungen von rund 5 Pulsschlägen pro Minute zu einem Referenzgerät – aber eben auch keine größeren Ausreißer nach oben oder unten. Wir würden uns zwar mehr Genauigkeit wünschen, im Großen und Ganzen reicht uns das für normale Trainings aber aus.

Die Xiaomi Watch S1 Active hat einen Akku mit einer Kapazität von 470 mAh verbaut. Der reicht im Alltag laut Hersteller rund 12 Tage. Hier wird es etwas kompliziert, unter anderem weil Xiaomi dafür bei der Pulsmessung ein Intervall von 10 Minuten zugrunde legt – bei fast allen anderen Herstellern wird wirklich kontinuierlich gemessen, also im Sekundentakt.

Xiaomi Watch S1 Active: Verfügbarkeit und Fazit

Wir können die Frequenz allerdings ändern, was sich dann sofort auf die Akkulaufzeit niederschlägt. Um die angegebenen zwölf Tage zu schaffen, sind noch weitere Energiesparmaßnahmen voreingestellt. Unter anderem ist die Messung der Sauerstoffsättigung deaktiviert, ebenso wie der Always-on-Modus beim Display.

Wenn wir die Uhr mit maximaler Leistungsaufnahme verwenden, schafft der Akku um die zwei bis drei Tage. Umgekehrt können wir die Laufzeit durch das Abschalten von weiteren Funktionen auf bis zu 24 Tage verlängern. Das Aufzeichnen von Trainingsdaten mit GPS schafft die Uhr laut Hersteller rund 30 Stunden lang.

Die S1 Active beherrscht die gängigen Standardfunktionen einer Smartwatch. Sie kann unter anderem Schritte aufzeichnen, den Kalorienverbrauch schätzen, das Abspielen von Musik auf dem Smartphone steuern und Benachrichtigungen anzeigen (aber nicht beantworten).

Es gibt eine Schlafanalyse, die bei uns extrem gut funktioniert hat und unsere Zeiten selbständig auf die Minute erfassen konnte. Kontaktloses Bezahlen ist für Kreditkarten von Mastercard möglich – jedenfalls theoretisch, wir haben beim Einrichten eine Fehlermeldung erhalten.

Laut Beschreibungen im Netz soll man auf der Uhr Karten abspeichern können und im Hauptmenü gibt es sogar einen entsprechenden Eintrag. Der verweist uns auf die App, wo wir allerdings keinerlei Kartenunterstützung finden können – noch so eine Merkwürdigkeit.

Die Bedienung der S1 Active erfolgt über zwei Tasten und Touch, was insgesamt Spaß macht. Besonders gefallen uns konfigurierbare Widgets, die Infos auf Kacheln anzeigen. Nicht so gut klappt die Aktivierung per Geste, was einfach oft nicht funktioniert.

Umgekehrt blitzt das Display immer wieder mal auf, wenn diese Funktion eigentlich deaktiviert ist. Das Aktivieren des Bildschirms per Antippen ist nach unserem Erkenntnisstand nicht möglich – wir vermissen das sehr.

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Die Xiaomi Watch S1 Active(öffnet im neuen Fenster) ist in mehreren Farbversionen für rund 180 Euro erhältlich. Alternativ gibt es das Wearable ohne den Zusatz Active in einem eher eleganten Design mit Lederband für rund 230 Euro. Soweit wir wissen, ist der einzige funktionale Unterschied der, dass die Active kein echtes kabelloses Laden erlaubt – der Puck hat zwei kleine Kontakte. Bei der teureren Version wird Qi unterstützt.

Für den Betrieb des Wearables ist eine relativ neue App namens Mi Fitness nötig (Android ab 6.0 und iOS ab 10), die ältere Apps des Herstellers ablöst.

Fazit

Es tut uns in der Seele weh, wenn so gute Hardware wie die Xiaomi Watch S1 Active durch eine mittelmäßige Software ausgebremst wird. Das Gehäuse der Uhr ist schön leicht und dünn, die Akkulaufzeit trotz der genannten Einschränkungen ganz ordentlich, der GPS-Chip liefert sehr gute Daten und das Display gefällt uns auch.

Die vielen kleinen und einige etwas größere Fehler mit der Software verderben uns aber nachhaltig den Spaß mit diesem Wearable. Die nicht sicher funktionsfähige Anbindung an Strava ist unser persönlich größtes Problem, es kommen aber weitere wie die schlechte Gestenaktivierung dazu.

Wir wünschen uns, dass Xiaomi hier rasch nachbessert. So richtig dran glauben tun wir aber nicht: Der Markt für derartige Wearables dreht zu schnell, als dass sich die Hersteller lange mit einzelnen Modellen beschäftigen könnten.

Autor Peter Steinlechner auf Strava(öffnet im neuen Fenster)


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