Abo
  • Services:

Xfel: Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf

In Hamburg und Schleswig-Holstein entsteht derzeit eines der größten und leistungsfähigsten Aufnahmesysteme der Welt: Der European Xfel ist ein Röntgenlaser, der Atome und chemische Reaktionen abbilden kann.

Ein Bericht von veröffentlicht am
European Xfel: gigantisches Mikroskop und gigantische Kamera
European Xfel: gigantisches Mikroskop und gigantische Kamera (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Diese Kamera ist gigantisch: Mehrere Kilometer ist sie lang. Die Belichtungszeit bemisst sich in Femtosekunden, die Auflösung liegt im atomaren Bereich. Der abgelichtete Gegenstand wird zwar zerstört, aber das Aufnahmesystem ist schneller.

Inhalt:
  1. Xfel: Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf
  2. Die Aufnahme ist schneller als die Zerstörung der Probe
  3. 2017 geht es los

Der European Xfel - eine Abkürzung für X-Ray Free-Electron Laser (Röntgen-Freie-Elektronen-Laser) - ist eine Forschungsanlage, die zurzeit in Norddeutschland gebaut wird. Der Anfang der Anlage befindet sich in Hamburg, am Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy), das Ende in Schenefeld in Schleswig-Holstein. Golem.de hat die Experimentierhalle in Schenefeld besucht.

Der European Xfel ist eine Kamera und ein Mikroskop

Die Anlage erzeugt ultrakurze, hochenergetische Röntgenblitze, um Einzelbilder und Filme von Molekülen oder chemischen Reaktionen aufzunehmen. Damit sei die Anlage "ein gigantisches Mikroskop und eine gigantische Kamera", sagte European-Xfel-Sprecher Bernd Ebeling Golem.de. An der Anlage werde künftig Grundlagenforschung in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen betrieben: Physik und Astrophysik, Chemie, Nanotechnologie, Energieforschung, aber auch Biologie, Medizin oder Pharmazie.

Materialforscher etwa können die Eigenschaften neuer Materialien erforschen. Chemiker sollen schnell ablaufende Reaktionen Schritt für Schritt analysieren. Die Untersuchung von Prozessen in Solar- oder Brennstoffzellen könnte zu Verbesserungen führen.

Einzelne Moleküle werden abgebildet

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Hildesheim
  2. ivv GmbH, Hannover

Biologen und Mediziner sollen am European Xfel Proteine, Zellen oder molekulare Abläufe beobachten. Bisher müssen sie, um etwa Proteine untersuchen zu können, Kristalle aus den Proteinmolekülen züchten. Der Kristall wird dann mit einem Röntgenblitz angestrahlt. Am European Xfel können die Kristalle kleiner sein als bisher. Die Forscher hoffen, dass künftig auch ein einzelnes Molekül ausreicht. Die Untersuchung von Biomolekülen hilft Wissenschaftlern, Krankheitsverläufe zu verstehen und möglicherweise zu beeinflussen. Krankheiten wie Alzheimer werden durch Proteine ausgelöst, die sich unnormal verhalten.

  • Vorsicht Vakuum! Am European Xfel geht es voran. 2017 soll die Anlage in Betrieb gehen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • In der Experimentierhalle in Schenefeld ... (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... werden die wissenschaftlichen Instrumente stehen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Aus einem mehrere Kilometer langen Tunnel kommen Röntgenblitze mit Lasereigenschaften. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • In Instrumenten wie HED oder ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... MID treffen sie auf Proben. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Tunnel ist 3,4 km lang. Darin werden zunächst Elektronen bis fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • In Undulatoren werden sie dazu gebracht, Röntgenblitze zu emittieren. (Foto: Heiner Müller-Elsner/European Xfel)
  • An jedem Tunnelende hängen zwei Experimente. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Aber nur jeweils eines bekommt die Röntgenblitze. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Am European Xfel soll Grundlagenforschung in unterschiedlichen Disziplinen betrieben werden. (Foto: Heiner Müller-Elsner/European Xfel)
  • An dem Projekt sind elf europäische Länder beteiligt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
Vorsicht Vakuum! Am European Xfel geht es voran. 2017 soll die Anlage in Betrieb gehen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)


All diese Experimente werden in Schenefeld durchgeführt. Der Anfang der Anlage ist jedoch knapp dreieinhalb Kilometer entfernt: Am Desy werden dafür Elektronenpakete erzeugt. Diese werden in einen 1,7 Kilometer langen Linearbeschleuniger injiziert und bis fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Das übernehmen supraleitende Resonatoren, die mit flüssigem Helium auf minus 271 Grad gekühlt werden.

Der Tunnel verzweigt sich

Die Elektronenpakete sausen dann in Richtung Experimentierhalle. Bis dahin verzweigt sich der Tunnel mehrfach. Dadurch können in der Halle mehrere Experimente mit Röntgenpulsen versorgt werden. Anschließend passieren die Elektronen die Undulatoren, die die Röntgenpulse erzeugen. Ein solcher Undulator ist gut 200 Meter lang und besteht aus Permanentmagneten, die abwechselnd polarisiert hintereinander angeordnet sind. Die Magnete zwingen die Elektronenpakete auf eine Slalombahn.

Das Undulieren, das Hin- und Herpendeln der Elektronen, führt dazu, dass sie Röntgenblitze mit Lasereigenschaften emittieren. Die Blitze werden zu den Experimenten geleitet. Insgesamt stehen drei Undulatoren zur Verfügung, von denen zwei baugleich sind. Alle drei können Röntgenstrahlung in verschiedenen Wellenlängen erzeugen. Die Wellenlänge hängt von der Stärke des Magnetfelds im Undulator ab - das Feld wird durch den Abstand der beiden Schienen über und unter dem Elektronenstrahl verändert. Die Elektronen werden schließlich in einem Absorber aufgefangen.

Zwei Experimente pro Röhre

In der Halle enden fünf Tunnel. Aus jedem kommen zwei Röhren mit einem Durchmesser von etwa 10 cm. Jede dieser Röhren versorgt ein wissenschaftliches Instrument mit den Laserpulsen. Allerdings nicht gleichzeitig: Wird an einem Instrument experimentiert, ist das andere nicht in Betrieb.

Experimentieren am European Xfel heißt, eine Probe mit solchen Röntgenblitzen zu beschießen.

Die Aufnahme ist schneller als die Zerstörung der Probe 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Samsung C27H711Q für 309€, MSI Optix MPG27C für 359€ und PlayStation Plus...
  2. (u. a. Adobe Photoshop Elements & Premiere Elements für 77,90€ und Corsair STRAFE RGB für 109...

neocron 25. Aug 2016

Als ob du in der Lage waerst dies zu beurteilen ... :D

Rhino Cracker 21. Aug 2016

Ich vermute mal, die Aufnahmedauer ist stark begrenzt und sie jagen es zuerst in direkt...

H75 20. Aug 2016

https://www.youtube.com/watch?v=1oXRVEaoeaE https://www.youtube.com/watch?v=aK1iFMsbKGo

VeggiBurger 19. Aug 2016

Blödsinn. Der Untersuchungsgegenstand ist das was du untersuchen willst. Eisenatome in...


Folgen Sie uns
       


Amazons Echo Show (2018) - Test

Wir haben den neuen Echo Show getestet. Der smarte Lautsprecher mit Display profitiert enorm von dem größeren Touchscreen - im Vergleich zum Vorgängermodell. Die Bereitstellung von Browsern erweitert den Funktionsumfang des smarten Displays.

Amazons Echo Show (2018) - Test Video aufrufen
Dark Rock Pro TR4 im Test: Be Quiet macht den Threadripper still
Dark Rock Pro TR4 im Test
Be Quiet macht den Threadripper still

Mit dem Dark Rock Pro TR4 hat Be Quiet einen tiefschwarzen CPU-Kühler für AMDs Threadripper im Angebot. Er überzeugt durch Leistung und den leisen Betrieb, bei Montage und Speicherkompatiblität liegt die Konkurrenz vorne. Die ist aber optisch teils deutlich weniger zurückhaltend.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Dark Rock Pro TR4 Be Quiets schwarzer Doppelturm kühlt 32 Threadripper-Kerne

Dell Ultrasharp 49 im Test: Pervers und luxuriös
Dell Ultrasharp 49 im Test
Pervers und luxuriös

Dell bringt mit dem Ultrasharp 49 zwei QHD-Monitore in einem, quasi einen Doppelmonitor. Es könnte sein, dass wir uns im Test ein kleines bisschen in ihn verliebt haben.
Ein Test von Michael Wieczorek

  1. Magicscroll Mobiles Gerät hat rollbares Display zum Herausziehen
  2. CJG50 Samsungs 32-Zoll-Gaming-Monitor kostet 430 Euro
  3. Agon AG322QC4 Aggressiv aussehender 31,5-Zoll-Monitor kommt für 600 Euro

Interview Alienware: Keiner baut dir einen besseren Gaming-PC als du selbst!
Interview Alienware
"Keiner baut dir einen besseren Gaming-PC als du selbst!"

Selbst bauen oder Komplettsystem kaufen, die Zukunft von Raytracing und was E-Sport-Profis über Hardware denken: Golem.de hat im Interview mit Frank Azor, dem Chef von Alienware, über PC-Gaming gesprochen.
Von Peter Steinlechner

  1. Dell Alienware M15 wird schlanker und läuft 17 Stunden
  2. Dell Intel Core i9 in neuen Alienware-Laptops ab Werk übertaktet

    •  /