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Xcom 2 im Test: Strategie wie vom anderen Stern

Die Menschheit schlägt zurück: In Xcom 2 kämpft der Spieler mit seiner Rebellenarmee gegen eine fiese Weltregierung aus Außerirdischen. Das rundenbasierte Strategiespiel für Windows-PC, OS X und Linux macht fast alles noch besser als der sehr gute Vorgänger.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Xcom 2 (Bild: 2K Games)
Artwork von Xcom 2 Bild: 2K Games

Wir haben selbst für die außerirdischen Machthaber gekämpft – nicht freiwillig natürlich, sondern wegen eines Chips in unserem Gehirn, den die Aliens uns eingepflanzt haben. Gleich am Anfang von Xcom 2 werden wir das Implantat zum Glück wieder los. So können wir als Commander an der Spitze des menschlichen Widerstands gegen die Monster vom fremden Stern antreten, um ihre Marionettenregierung zu stürzen und die Außerirdischen wieder zu verjagen.

Xcom 2 – Fazit
Xcom 2 – Fazit (01:22)

Damit wir als Rebellentrupp in der spannend erzählten Rahmenhandlung von Xcom 2 eine Chance gegen die schier übermächtigen Herrscher haben, müssen wir wie im Vorgänger in vergleichsweise kurzen Missionen antreten. So bekommen wir beispielsweise Kommunikationszentralen oder andere Schlüsselstellungen überall auf dem Planeten unter unsere Kontrolle.

Am grundsätzlichen Spielprinzip hat sich ebenso wie an der sehr guten Steuerung fast nichts geändert: Wir scheuchen einen Trupp aus vier, mit etwas Forschung später dann mit fünf Soldaten über die isometrisch dargestellten Einsatzgebiete. Erst sind wir mit allen unseren Kämpfern dran, dann macht die außerirdische, natürlich vom Computer gesteuerte Seite ihren Zug – falls es nicht vorher schon zu Scharmützeln kommt.

Dank neuer Zufallskarten fühlt sich das in Xcom 2 wesentlich abwechslungsreicher an als im Vorgänger. Wir kämpfen im schneebedeckten Sibirien zwischen kleinen Wäldern und halb zerfallenen Hütten, treten aber auch in modernen asiatischen Städten zwischen Bürogebäuden und Autobahnen an. Die Umgebungen sind offener als im ersten Teil.

Allerdings ist bei vielen Einsätzen klar ersichtlich, wohin wir uns bewegen müssen. Das heißt: Wir können zwar oft einen weiten Bogen schlagen und so Extras oder besonders viele Beförderungspunkte finden. Wenn wir uns direkt zum Ziel vorkämpfen, sind viele Missionen aber auch in 15 bis 30 Minuten lösbar – insbesondere dann, wenn das Programm uns ein Rundenlimit vorgibt, was recht oft der Fall ist. Neben den Zufallskarten gibt es auch Story-Einsätze, die meist etwas größer und mit zahlreichen Zwischensequenzen versehen sind. Den Spielstand können wir – außer im höchsten Schwierigkeitsgrad – jederzeit speichern.

Aktiver Angriff der Außerirdischen

Die Aliens agieren etwas offensiver als im Vorgänger, selbst auf dem niedrigsten der vier Schwierigkeitsgrade ergreifen sie auch mal die Initiative und stürmen uns forsch entgegen – was auch Vorteile hat, weil wir sie so in einigen Missionen besonders gut ins offene Messer laufen lassen können. Xcom 2 bietet wesentlich mehr unterschiedliche Aliens und damit Abwechslung: So bekommen wir es mit riesigen Gestaltwandlern zu tun, müssen uns vor den pfeilschnellen Echseneinheiten in Acht nehmen und uns teils besonders lange und heftige Kämpfe mit Berserkern liefern.

Zwischen den Missionen müssen wir uns um das Management unseres Hauptquartiers kümmern – was insgesamt mehr Zeit beansprucht als im Vorgänger. Beispielsweise können wir nun Ingenieuren bestimmte Tätigkeiten zuordnen, damit diese zusätzliche Räume für uns freischalten, etwa für eine Trainingskammer. Wie zuvor müssen wir uns um die Entwicklung von neuen Waffen- und Rüstungstechnologien kümmern und außerirdische Artefakte untersuchen – die uns dann auf die ein oder andere Art meist ebenfalls zu Vorteilen im Kampf verhelfen.

Außerdem müssen wir unsere Einsätze auf der Weltkarte planen. Dort nehmen wir Kontakt zu Widerstandsgruppen in aller Welt auf und versorgen die Siedlungen der Rebellen mit Vorräten. Falls es dort vor Ort zu Problemen oder Auseinandersetzungen mit Aliens kommt – was natürlich unvermeidlich ist – können wir uns entscheiden, mit einem kleinen Trupp vor Ort vorbeizuschauen.

Abschied von alten Freunden und das Fazit

Unsere in Klassen unterteilten Soldaten können wir stärker individualisieren als im Vorgänger – was allerdings wenig daran ändert, dass Verluste kaum zu vermeiden sind und wir uns auch von dem einen oder anderen Elitekrieger verabschieden müssen. Ähnlich wie im Vorgänger dürfen wir bei Beförderungen zwischen zwei zu verbessernden Fähigkeiten wählen. Immerhin haben die Designer es geschafft, die Qual der Wahl noch etwas schwieriger zu machen, indem sie fast durchgehend ähnlich sinnvolle Verbesserungen anbieten.

Xcom 2 – Trailer (Ankündigung)
Xcom 2 – Trailer (Ankündigung) (02:54)

Die Grafik hat Entwickler Firaxis Games gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. Das gilt sowohl für die Texturen, den Detailgrad und die Effekte als auch für die Animationen. Unsere Soldaten und die Aliens springen schick inszeniert durch Fensterscheiben und über Hindernisse, die Kampf- und Schusssequenzen verleihen dem Geschehen immer wieder eine besonders dramatische Note.

Kleiner Wermutstropfen: Die in Echtzeit auf Basis unserer Soldaten und der Umgebung berechnete – abstellbare – Actionkamera zeigt immer wieder deutlich sichtbare Clipping- und sonstige Darstellungsfehler. Dann feuert einer unserer Recken etwa durch geschlossene Türen oder nimmt einen Alien in einem eigentlich nicht möglichen Winkel unter Feuer. Auf das Spiel haben diese Bugs allerdings keinerlei Auswirkungen, und wirklich störend finden wir sie auch nicht.

Xcom 2 ist ab dem 5. Februar 2016 für Windows-PC, Linux und OS X erhältlich. Das Spiel kostet im Handel oder über Steam rund 50 Euro. Bei Steam ist in jedem Fall eine einmalige Aktivierung nötig, dann läuft das Spiel auch im Offlinemodus. Im Multiplayermodus können Spieler laut Hersteller mit Trupps aus Menschen und Aliens gegeneinander in Duellen antreten – ausprobieren konnten wir das mit unserer ansonsten fertigen, sehr stabil laufenden Version noch nicht.

Das Spiel ist vollständig und gut lokalisiert, die deutschen Sprecher wirken insgesamt passend ausgesucht. Xcom 2 erscheint mit einem SDK und Unterstützung für Steam Workshop, so dass die Community ohne allzu großen Aufwand eigene Mods programmieren kann; erste Erweiterungen werden laut Publisher 2K Games zeitgleich mit dem Hauptspiel erhältlich sein. Die USK hat dem Titel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Wenn das doch nur immer so wäre bei Fortsetzungen: Xcom 2 gefällt uns in allen Punkten besser als der Vorgänger. Die Grafik ist schöner und viel stimmiger – so schick haben rundenbasierte Gefechte noch nie ausgesehen. Vor allem aber bieten die Kämpfe dank neuer Monstertypen und der spürbar optimierten Gegner-KI mehr Spieltiefe. Außerdem gibt es durch die offeneren und viel abwechslungsreicheren Umgebungen wesentlich mehr Abwechslung.

Angesichts der herausragenden Qualität ist es gar nicht so einfach, überhaupt Kritikpunkte zu finden. Minimal genervt hat uns auf Dauer eigentlich nur das Abklappern von Aufgaben im Hauptquartier. Wenn es einen Schalter gäbe, der Forschung und Technikausbau automatisch erledigt und wir umstandslos gleich wieder in den Kampf ziehen könnten, hätten wir den zumindest ab und zu gedrückt.

Unterm Strich ist Xcom 2 aber ein tolles Spiel geworden, mit dem Strategiefans über Monate hinweg viel Spaß haben können und auf das ruhig auch Fans von anderen Genres einen Blick werfen sollten. Sehr viel besser kann Rundenstrategie derzeit vermutlich nicht sein.


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