Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Xbox, Playstation, Nvidia Ampere: Wo bleiben die HDMI-2.1-Monitore?

Trotz des Verkaufsstarts der Playstation 5 und Xbox Series X fehlt von HDMI-2.1-Displays jede Spur. Fündig werden wir erst im TV-Segment.
/ Oliver Nickel
86 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
HDMI 2.1 ist bei Monitoren noch immer nicht zu entdecken. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
HDMI 2.1 ist bei Monitoren noch immer nicht zu entdecken. Bild: Oliver Nickel/Golem.de

4K-Auflösungen und bis zu 120 Hz Bildfrequenz: Die Xbox Series X und Playstation 5 werden wohl in großen Teilen der Spielecommunity ein Verlangen nach solchen Werten auslösen, wenn sie diese neuen Konsolen ausprobiert haben. Möglich wird das nicht nur durch merklich leistungsfähigere Hardware, sondern auch durch den Einsatz von HDMI 2.1 als neuer Standardanschluss für Konsolen. Ein Blick auf Nvidias Ampere-Grafikkarten wie die Geforce RTX 3080 zeigt zudem, dass sich der Standard bei PCs durchsetzen könnte. Da bleibt allerdings eine Frage offen: Wo sind die HDMI-2.1-Monitore?

Golem.de hat einige Displayhersteller angefragt und Antworten erhalten. Kurz gesagt: Fans, die auf den neuen HDMI-Standard warten, müssen sich wohl noch bis mindestens Anfang 2021 gedulden. Und selbst dann wird die Auswahl eher klein sein. Damit verpassen eigentlich alle Monitorhersteller das Releasefenster für neue Konsolen und Grafikkarten. Eine Ausweichmöglichkeit sind allerdings Fernseher.

Hersteller vertrösten

"Die nächsten Gaming-Monitore (neueste Alienware-Generation) in unserem Launch-Plan haben noch kein HMDI 2.1", schreibt ein Dell-Pressesprecher in einer Stellungnahme an Golem.de. Ein Blick in das Sortiment des Herstellers bestätigt diese Aussage. Unter der Marke Alienware vertreibt Dell stattdessen Geräte, die sich per Displayport 1.4 an PCs anschließen lassen – ein Standard, der sich bei fast allen Bildschirmen etabliert hat.

Brad Bramy von HDMI LA über HDMI 2.1 und 8K60
Brad Bramy von HDMI LA über HDMI 2.1 und 8K60 (02:13)

Acer bestätigt, dass Bildschirme mit HDMI 2.1 derzeit noch nicht hergestellt werden. Das Unternehmen rechnet mit ersten Produkten für den Standard Anfang 2021. Stattdessen konzentriert das Entwicklerteam sich auch hier auf den etablierten Markt des PC-Gamings und den damit verbundenen Displayport 1.4.

HP bietet unter der Omen-Marke ebenfalls leistungsfähige Bildschirme an. Allerdings gibt es darunter nicht das, was wir suchen: "Aktuell sind im HP-Portfolio keine Monitore mit HDMI-2.1-Anschlüssen vorhanden", bestätigt uns das Unternehmen.

Der Hersteller Viewsonic gibt etwas mehr Informationen heraus. Das Unternehmen will ab dem ersten Quartal den XG320U verkaufen, einen der ersten Monitore mit HDMI 2.1. Das 32-Zoll-Gerät wurde bereits vor einigen Wochen vorgestellt. Andere Produkte wie der XG271QG und XG25 mit einer Bildfrequenz von 360 Hz werden weiter mit HDMI 2.0 ausgeliefert. Das liegt laut Viewsonic an Nvidia G-Sync und den Limitationen, die der proprietäre Standard des Grafikkartenherstellers mit sich bringt.

Das könnte ein Grund sein, warum sich viele der Monitorhersteller zunächst gegen Panels mit dem eigentlich schon länger standardisierten HDMI 2.1 entscheiden. Eine variable Frequenz ist für viele Interessierte ein sinnvolles Kaufargument und wird daher bei allerhand Produkten – als AMD Freesync, Nvidia G-Sync oder Nvidia G-Sync Compatible – integriert. Sowohl die Playstation 5 als auch die Xbox Series X werden diese von HDMI 2.1 unterstützte Technik nutzen, hier allerdings als VRR (Variable Refresh Rate(öffnet im neuen Fenster)) sowie dem Niedriglatenzmodus (Auto Low Latency Mode [ALLM]) des HDMI LA.

Anzeige

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Spielekonsolen sind oft aber an größeren Displays und Fernsehern zu finden. Das würde begründen, warum Samsung und LG jeweils TVs mit HDMI 2.1 statt Monitore mit dem Standard präsentiert haben.

Fernseher statt Monitor

Unternehmen wie Samsung und LG bieten HDMI-2.1-Fernseher bereits an. So hat Samsung Golem.de direkt auf die TV-Sparte verwiesen, wenn es um den Anschluss geht. Ein Beispiel ist der Samsung Q70T(öffnet im neuen Fenster), den es in Größen von 55 bis 85 Zoll und ab etwa 1.000 Euro gibt. Auf dem dort angebotenen HDMI-2.1-Port sollen 4K-Signale mit 120 Hz übertragbar sein. Das QLED-Panel selbst hat eine Bildfrequenz von 100 Hz, was über dem Durchschnitt liegt.

LG bietet mit dem 49Nano867NA(öffnet im neuen Fenster) ein ähnliches Produkt an. Das Gerät gibt es in 49 bis 65 Zoll eine Nummer kleiner. Statt auf OLED zu setzen, wird allerdings ein IPS-4K-Panel verbaut, das mit maximal 120 Hz läuft. Der Startpreis für den Fernseher liegt ebenfalls bei rund 1.000 Euro.

Eine größere Version ist der 86Nano906NA(öffnet im neuen Fenster), der in 75 oder 86 Zoll kommt und mindestens 2.000 Euro kostet. Später will LG per Firmwareupdate AMDs Freesync-Unterstützung aufspielen. Eine adaptive Frequenz hält also auch im TV-Bereich bereits Einzug.

Sony-TVs mit Softwareupdate

Der OLED65CX9LA ist ein erster 65-Zoll-Fernseher mit OLED-Panel, der gleich vier HDMI-2.1-Anschlüsse mit sich bringt. Die Serie gibt es zudem in Größen von 48 bis 77 Zoll. Allerdings ist sie mit einem Startpreis von 1.630 Euro wesentlich teurer. Ein ähnliches Modell ist der OLED48CX9LB, der ebenfalls HDMI 2.1 unterstützt. Dieser startet in 48 Zoll bei 1.680 Euro.

Zu beachten ist, dass die neuen Fernseher von LG nicht die vollen 48 GBit/s von HDMI 2.1 unterstützen. Stattdessen sind nur 40 GBit/s möglich. Das ist dann relevant, wenn wir 12-Bit-HDR durch Dolby Vision bei unkomprimierter Bildqualität nutzen wollen – eine Nische. Microsoft hat zudem auf der Hot Chips bereits bestätigt, dass zumindest die Xbox Series X sowieso maximal 40 GBit/s Datenrate über HDMI 2.1 unterstützen wird.

Neben Samsung und LG platziert sich auch Sony als Anbieter von HDMI-2.1-Fernsehern. Der Hersteller verfolgt einen anderen Ansatz und aktualisiert die eigenen Geräte – etwa den XH90 – per Firmwareupdate mit HDMI 2.1. Es ist unklar, inwiefern Funktionen des Standards so auch umsetzbar sind, denn normalerweise erfordert der einen komplett neuen und teureren Hardwarecontroller. Der XH90 kostet ab etwa 1.200 Euro und kommt in Größen zu 55 bis 85 Zoll.

Xbox Series X – Vorschau
Xbox Series X – Vorschau (02:02)

Interessanterweise scheint sich bei TVs durch HDMI 2.1 wieder ein Anstieg in der Bildfrequenz abzuzeichnen. Diese war seit dem rasanten Abflachen des 3D-Trends und der dafür nötigen hohen Bildraten auf 50 oder 60 Hz abgesunken – gerade bei preiswerteren Modellen. Für den Medienkonsum außerhalb von Spielen ist das auch weniger relevant, da Quellmaterial meist in maximal 60 Hz vorliegt. Die Playstation 5 und Xbox Series X werden das Verlangen nach einer höheren Bildfrequenz aber beschleunigen. Gerade im Fernsehsegment könnte das zu einer schnellen Verbreitung von HDMI 2.1 und VRR führen.

Anzeige

Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

Warum HDMI 2.1?

HDMI 2.1 unterstützt laut der HDMI LA(öffnet im neuen Fenster) neben unkomprimierten 4K120 auch 8K-Auflösungen bei 60 Hz und ist daher für Geräte konzipiert, die derzeit sehr selten sind. Über HDMI 2.1 sind zugleich unkomprimiert 10 Bit Farbtiefe in 4K bei einem Chroma Subsampling von 4:4:4 möglich. HDMI 2.0b war hierfür bisher nicht ausreichend.

Display Stream Compression (DSC) kann als Alternative zum Chroma Subsampling genutzt werden. Dabei werden einige Farben, die für das menschliche Auge ohnehin kaum sichtbar sein sollen, aus dem Signal herausgestrichen. Das spart Bandbreite ein und ist normalerweise weniger deutlich sichtbar als Chroma Subsampling. Displayport 1.4 nutzt DSC bereits länger. Das ist ein Grund, warum aktuelle 4K-120-Hz-Monitore wie der Asus PG43UQ (Test) diesen Standard nutzen.

Das neue HDMI-Format unterstützt den Enhanced Audio Return Channel eArc, der wie normales Arc neben Bildinformationen auch Audiosignale über ein Kabel überträgt. Allerdings wird durch die größere Bandbreite die Übertragung von Standards wie dem in Kinos zu hörenden Dolby Atmos oder DTS:X möglich.

Das Innenleben der Playstation 5 (Herstellervideo)
Das Innenleben der Playstation 5 (Herstellervideo) (07:11)

Variable Refresh Rate und der Low Latency Mode werden gerade für Spiele interessant sein. Wichtig für TV-Hersteller: Gute Pixelreaktionszeiten sind erfahrungsgemäß bisher keine Stärke von Fernsehern. Die wird aber nötig, wenn rasante Games möglichst gut und scharf aussehen wollen.

Bevor wir uns direkt einen neuen Fernseher kaufen: Die neuen Konsolen werden kein HDMI 2.1 voraussetzen, denn der Standard ist wie gewohnt zu älteren Versionen abwärtskompatibel. Es ist zunächst also keine Eile vonnöten. Das ist auch ein Vorteil, wenn Monitorhersteller Zeit haben, ihre Displays für die Next-Gen-Konsolen fit zu machen. Denn nicht alle wollen sich einen großen TV in die Wohnung stellen.


Relevante Themen