Wilder Westen statt Zukunft des Gaming

Desperados 3 zieht mich in seinen Bann.

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Commandos (1998) war mein letzter Berührungspunkt mit dieser Art von Spiel. Der Wilde Westen als Setting ist den Nostalgiegefühlen sicherlich auch zuträglich. Was aber besonders überzeugt: extrem kurze Ladezeiten und die Möglichkeit, binnen einer Sekunde zu speichern. Schnell mal zwischendurch am Schreibtisch für 10 Minuten grübeln und taktieren? Funktioniert.

Hätte ich mir das Spiel auch für die PS4 gekauft? Angesichts meines hohen Pile of Shame nicht. Durch das Streaming hat das Spiel doch zu mir gefunden.

Ein weiterer Anreiz von Desperados 3: Es ist einer der wenigen Titel, die tatsächlich halbwegs spielbar sind. Denn, und das ist der eigentliche Kritikpunkt: Empfehlenswert ist Xbox Cloud Gaming nicht. Trotz guter Internetverbindung (im Schnitt 150 MBit im Download/25 MBit im Upload; via Fritzbox-WLAN-Router mit 2 Mesh-Erweiterungen) und passabler Hardware (Lenovo T14s, W10, 32GB Ram, Controller via USB-Kabel) kommt es in jedem Spiel zu Rucklern und Grafikfehlern.

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Den Hinweis eines Kollegen, es für weniger Lag über Netzwerkkabel zu versuchen, habe ich übrigens ignoriert. Erstens sind wir im Jahr 2022 und nicht auf einer LAN-Party Anfang 2000 und zweitens lege ich mir nicht 20 Meter Stolperfalle durch die Wohnung.

Edge bringt etwas Cutting Edge

Für ernsthafte Gamer kommt der Service sowieso nicht in Frage, aber selbst für Casual Gamer sind die Aussetzer kaum zu ertragen. Maximal bei einem langsamen Taktikspiel kann man damit noch irgendwie leben. Hilfreich ist im Fall von Desperados, dass man binnen Sekunden neu laden kann. Wenn meine Figuren gut versteckt im Gebüsch sitzen, schadet es nicht sehr, wenn der Bildschirm mal unvermittelt nach links scrollt und irgendeinen Controller-Input von irgendwann davor umsetzt.

Im Flow der Mission kann ich begrenzt auch verkraften, wenn die Videokompression zuschlägt und gefühlt auf VGA-Auflösung herunterdrosselt. Schön ist das nicht anzusehen, aber der Spielfluss ist nicht gestört und es tut dem Taktieren keinen Abbruch. Vor 15 Jahren fand ich die Commandos-Grafik ja auch nicht hinderlich.

Desperados 3

Ein kleiner Lichtblick im generellen Grafikmatsch ist der Ende November eingeführte Clarity Boost. Dieses für Edge-Browser exklusive Feature agiert wie ein Scharfzeichner und hübscht alles wahrnehmbar und positiv auf.

Nachteil - zumindest bei meinem Setup: Bei aktiviertem Boost stürzt mir der Browser mehrmals ab. Auslöser sind nicht zu erkennen, es passiert willkürlich, aber regelmäßig. Bei den Abstürzen gibt es auch Unterschiede. Bei manchen muss der Browser via Task-Manager komplett gekillt werden, bei anderen reicht ein Reload.

Mancher Reload startet dann das Spiel ganz neu, in einigen Fällen landet man aber auch einfach wieder direkt im laufenden Game-Stream, als sei man nie weg gewesen.

Von der Wolke ins Nirvana

Trotz all dieser Widrigkeiten will ich mein Monatsabo ausreizen - schließlich habe ich ja bezahlt. Deshalb räume ich jeden Abend Desperados 3 eine Stunde Freizeit ein. Mit Begeisterung schaffe ich es bis zur vorletzten Mission. Dann ist abrupt Schluss.

Wie bei Video-Streamingdiensten üblich, ist auch beim Cloud-Gaming die Spielebibliothek dynamisch. Titel kommen dazu, Titel fallen raus. Doof für mich, denn Desperados 3 ist ein Titel, der rausfliegt. Am Samstag, dem 15. Januar bringe ich meine Western-Gang in Stellung, um einen der Bösewichte in der nächsten Session zu überwältigen. Daraus wird aber nichts. Am Sonntag ist das Spiel verschwunden.

Dass das passieren würde, war mir klar. Per Zufall habe ich eine Woche zuvor auf der Startseite die Rubrik "Bald nicht mehr verfügbar" entdeckt. Darunter war auch Desperados. Das genaue Datum blieb mir Xbox Play schuldig. Hätte ich nicht durch den Katalog gestöbert und die Rubrik entdeckt, wäre ich gänzlich überrascht worden.

In Zeiten von KI könnte man von einem smarten Service erwarten, dass man basierend auf dem Spielverhalten informiert wird, dass ein Titel, in den man kontinuierlich über zwei Wochen hinweg mindestens 20 Stunden investiert hat, zu Tag X nicht mehr verfügbar sein wird.

Theoretisch gut

Wie lautet also das wenig überraschende Fazit nach einem Monat Cloud-Gaming? Hardcore-Gamer brauchen keine Sekunde einen Gedanken daran zu verschwenden. Daran wird auch der jüngste Kauf von Activision Blizzard nichts ändern, der die Streamingbibliothek laut Microsofts Aussage erweitern wird.

Gelegenheitsspielern entgeht ebenfalls nichts: Zu häufig sind die Grafikfehler, zu hoch der Lag, zu rudimentär die Bedienung. Hat es Zukunftspotential? Ja. Wenn es in der Praxis so laufen würde wie in der Theorie beschrieben, bevorzuge ich es gegenüber jeder physischen Konsolenanschaffung. Allerdings sollte Microsoft nicht nur Milliarden für Spiele-Akquisitionen ausgeben, sondern kräftig in die eigene Infrastruktur und Streaming-Codecs investieren.

Nachtrag vom 24. Januar 2022, 8:11 Uhr

Der Diskussion im Forum folgend, habe ich das Spielen via LAN ausprobiert. Dazu habe ich den Ethernet-Dongle vom Notebook rausgekramt und gewartet bis spätabends das Wohnzimmer - wo der mit 5Ghz funkende Router steht - vom Rest der Familie nicht mehr gebraucht wird. Wie von Kommentatoren und dem Kollegen vermutet, wird es mit Kabelverbindung besser. Der Lag ist geringer, Ausfälle und Ruckler sind zwar weiterhin vorhanden, aber es sind spürbar weniger. Gute Rundenzeiten in Dirt5, Art of Rallye und Forza Horizon 5 wurden dadurch aber trotzdem ruiniert.

Einen direkten Vergleich mit Stadia Pro und Geforce Now wird es nicht geben, da die Produkte schlicht nicht vergleichbar sind. Bei Geforce Now muss man die Spiele vorher kaufen, bevor man sie dann (kostenpflichtig) streamen kann. Das wäre so, als müsste man bei Netflix vor dem Gucken jeden Film bei Amazon kaufen. Und bei Stadia Pro gibt es gerade mal 45 Spiele im Abo-Stream, darunter sehr wenige bekannte Titel (Saints Row IV, ARK: Survival Evolved, Control, Dirt5, MotoGP™20). Google hat gesagt, dass das Unternehmen seinen Schwerpunkt weg von Inhalten und Games hin zur Technologie verlegt.

Das Fazit bleibt also: In Zeiten von Smartphones, Tablets und Notebooks ohne Ethernet-Port muss es für den Gelegenheitsspieler mit WLAN funktionieren. Von der Zugänglichkeit und Bequemlichkeit von Netflix ist das Spielestreaming noch einiges entfernt.

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 Xbox Cloud Gaming: Wenn ich groß bin, möchte ich gerne Netflix werden
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Gilderas 02. Feb 2022

Ich finde den Artikel ebenfalls unter aller Kanone. Es lief wohl nicht so wie gewünscht...

bernstein 30. Jan 2022

Selbst das würde mir als Gelegenheitsspieler kaum helfen... für ein Horizon Zero Dawn...

BLi8819 30. Jan 2022

Cloud Gaming geht eh nur mit Gamepad. AoE2 mit Gamepad? Nein danke.

BLi8819 30. Jan 2022

Also ich habe jetzt schon paar mal über die Windows XBOX App Cloud Gaming genutzt und...



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