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X1D ausprobiert: Die Hasselblad für Einsteiger

Photokina 2016
Für eine Hasselblad geradezu günstig ist die neue X1D, die erste spiegellose digitale Mittelformatkamera der Schweden. Uns hat sie gut gefallen.
/ Werner Pluta
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Hasselblad X1D: gut lesbares Menü (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Hasselblad X1D: gut lesbares Menü Bild: Werner Pluta/Golem.de

Mittelformatkameras, digitale zumal, sind vor allem etwas für Profis oder reiche Amateurfotografen. Mit der X1D hat der schwedische Hersteller Hasselblad eine – für seine Verhältnisse – erschwingliche Mittelformatkamera vorgestellt.

Hasselblad X1D – Hands on
Hasselblad X1D – Hands on (01:08)

Die X1D(öffnet im neuen Fenster) sei die erste digitale spiegellose Mittelformat der Welt, sagt Hasselblad. Das dürfte stimmen: Konkurrent Fujifilm hat zwar ebenfalls eine solche Kamera mit nach Köln gebracht. Die Kamera ist aber noch nicht serienreif und darf deshalb nicht getestet werden.

Bei Hasselblad darf probiert werden

Anders am Stand von Hasselblad (Halle 2.1, Stand A010): Dort dürfen Besucher munter mit der neuen Kamera herumspielen. Ein größere Menge hat sich dort eingefunden, um die Kamera auszuprobieren. Wir auch – und sie hat uns gefallen.

Was als Erstes auffällt, ist die Verarbeitung: Die Kamera hat mit der schwarzen Belederung und dem Oberteil aus mattiertem Aluminium eine Retroanmutung. Aber anders als etwa die X-T1 von Fujifilm oder die Pen-F von Olympus hat die X1D eine moderne Form.

Es gibt nur wenige Knöpfe

Die Kamera hat relativ wenige Bedienelemente: Oben gibt es den Einschaltknopf, den Auslöser, das versenkbare Moduswahlrad, einen Knopf zum Umschalten zwischen manuellem und Autofokus sowie einen Knopf, um Lichtempfindlichkeit und Weißabgleich zu verändern. Auf der Rückseite neben dem Display befinden sich fünf Knöpfe, darunter einer zum Anzeigen der Bilder oder für einen Zoom im Live View.


Neben der Knopfleiste sitzt der 7,6 Zentimeter große Bildschirm, der per Touch bedient werden kann. Das Display ist im Live View sehr kontrastreich und schick. Der Touchscreen unterstützt die üblichen Wisch- oder Zwei-Finger-Gesten. Praktisch fanden wir, dass durch eine Wischgeste von oben nach unten das Menü aufgerufen wird. Das zeichnet sich durch große Icons und eine große Schrift aus – praktisch für ältere Nutzer, die auf kurze Distanz nicht mehr so gut sehen. Auch hier ist die Bedienung intuitiv gehalten: Der Nutzer tippt auf einen Parameter – Blende etwa oder Belichtungszeit. Es öffnet sich ein kleines Fenster und der gewünschte Wert kann per Geste eingestellt werden.

Der Sucher ist elektronisch

Der Sucher ist, wie bei spiegellosen Systemkameras üblich, elektronisch und hat eine Auflösung von 2,36 Megapixeln. Vorteil eines elektronischen gegenüber einem optischen Sucher ist, dass der Fotograf im Sucher schon das Bild sieht, das er aufnimmt – Einstellungen wie Weißabgleich oder Helligkeit werden berücksichtigt. Allerdings dauert es nach dem Auflösen einen kurzen Moment, bis der Sucher wieder einsatzbereit ist.

Der Sensor hat eine Größe von 43,8 x 32,9 Millimetern und eine Auflösung von 50 Megapixeln. Wie häufig bei Mittelformatkameras sind die Pixel relativ groß, was relativ wenig Rauschen auch bei hohen Iso-Zahlen bedeutet – die Lichtempfindlichkeit reicht bis Iso 25.600. Reichen bei wenig Licht die hohen Iso-Zahlen nicht aus, kann an die Kamera ein Blitz angeschlossen werden – der Blitzschuh ist mit den Nikon Speedlights kompatibel.

Die Kamera hat zwei SD-Kartensteckplätze

Die Bildqualität ist erwartungsgemäß hoch. Auch beim Hineinzoomen sind die Fotos noch scharf und detailreich. Nachteil sind die Datenmengen: Ein Bild in Hasselblads eigenem Raw-Format ist knapp 108 MByte groß. Damit genug Speicherplatz zur Verfügung steht, hat die Kamera gleich zwei Steckplätze für SD-Karten.

This is Hasselblad X1D – Trailer
This is Hasselblad X1D – Trailer (03:06)

Die X1D zeichnet auch Video auf, allerdings nicht in 4K, sondern in Full-HD. Der Videomodus wird über das Hauptmenü aktiviert. Auf dem Bildschirm erscheint dann der Live-View, in dem unten links ein roter Punkt erscheint: Das ist der Auslöser für die Videoaufnahme. Die Idee ist intuitiv, der Nutzer versteht den Zweck sofort. In der Praxis könnte der relativ kleine Punkt etwas größer sein – das würde die Bedienung vereinfachen.

Hasselblad bringt eine neue Objektivserie

Für die Kamera führt Hasselblad auch eine neue Objektivserie ein, mit zunächst zwei Objektiven: einem mit 45 Millimeter und einem mit 90 Millimeter Brennweite. Die anderen Hasselblad-Objektive können mit einem Adapter an die Kamera angeschlossen werden.

Das Gehäuse ist 15 x 9,8 x 7,1 Zentimeter groß und damit etwas kleiner als etwa eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) mit Vollformatsensor, beispielsweise Canons aktuelles Modell EOS 5D Mark IV. Da die X1D keinen Spiegel hat, ist ihr Sucher kleiner, wodurch die Kamera weniger klobig aussieht als die DSLR. Sie ist auch leichter: Das Gehäuse der X1D wiegt mit Akku 725 Gramm, das der EOS 5D Mark IV ohne Akku etwa 800 Gramm.

Die X1D ist vergleichsweise günstig

Im Vergleich zu Hasselblads H6D-Mittelformatkameras ist die X1D ein richtiges Leichtgewicht: Die Kameras dieser Reihe wiegen rund 2,5 Kilogramm – allerdings mit Objektiv, Hasselblad gibt das Gewicht dieser Kameras nur mit Objektiv an. Auch vom Preis her ist die X1D ein Leichtgewicht – in Hasselblad-Maßstäben: Die H6D-Kameras kosten deutlich über 20.000 Euro – die X1D gibt es für 7.900 Euro (ohne Mehrwertsteuer), mit einem Objektiv wird sie rund 9.000 Euro kosten.

Uns hat die Hasselblad X1D gefallen. Sie ist schick und gut bedienbar. Die Qualität der Bilder ist wie bei einer Mittelformatkamera zu erwarten gut. Die Frage ist, für wen die Kamera gedacht ist. Die große und damit gut lesbare Schrift der Menüs legt eine ältere Nutzerschaft nahe. Mit der X1D eröffnet sich Hasselblad eine neue Käuferschicht, der die großen Hasselblad-Kameras zu teuer waren.


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