X-Men: Vor 25 Jahren stürmten die Mutanten das Kino
Im Sommer 2000 begann für Superheldenfilme eine neue Zeitrechnung. Bis dato galten sie nicht gerade als Garanten für Erfolg. Abseits von Batman 1989 und seinen Sequels gab es zwar Versuche, Superhelden auf die Leinwand zu bringen, sie waren jedoch entweder sehr günstig umgesetzt oder trafen den Geschmack des Publikums nicht. Captain America von 1990, Shadow und der Fluch des Khan (1994) oder Das Phantom (1996) sind nur einige Beispiele.
Doch dann, in Deutschland am am 31. August 2000 (14. Juli in den USA), brachte 20th Century Fox die X-Men ins Kino. Der Film hatte wegen der geringen Erwartungen ein relativ niedriges Budget. Vom Erfolg waren dann alle überrascht. Dabei war mehr als 15 Jahre an dem Projekt gearbeitet worden.
Im Orwellschen Jahr 1984 wurde das erste Drehbuch für X-Men(öffnet im neuen Fenster) geschrieben, und zwar von den Comicautoren Gerry Conway und Roy Thomas. Damals hielt Orion Pictures die Rechte, hatte dann aber finanzielle Probleme, die das Vorhaben stoppten.
Als nächstes gingen die Rechte an Carolco Pictures, das die X-Men mit James Cameron ins Kino bringen wollte, aber die Insolvenz des Studios 1992 machte auch dies zunichte. Die Rechte gingen wieder an Marvel zurück.
Aufgrund des Erfolgs der X-Men-Zeichentrickserie im Jahr 1992 konnten die Rechte an 20th Century Fox verkauft werden. Dort setzte man Andrew Kevin Walker an die Entwicklung eines Skripts, in dem es vor allem um die Rivalität von Wolverine und Cyclops ging und Magneto Urheber der Tschernobyl-Katastrophe war.
Dieses Skript wurde von verschiedenen Autoren wieder und wieder umgeschrieben. Zugleich wurde nach einem Regisseur gesucht. Brett Ratner, Robert Rodriguez und Paul W.S. Anderson(öffnet im neuen Fenster) waren im Gespräch, bevor die Wahl schließlich auf Bryan Singer fiel. Mittlerweile war es 1996 und ein Kinostart war für Weihnachten 1998 angesetzt.
Das Projekt entwickelt sich
Zuerst wurde ein Skript von Ed Solomon geschrieben, dann machten sich Singer und Tom DeSanto daran, selbst ein Treatment zu verfassen. Sie legten den Fokus auf die Ablehnung und Diskriminierung, die die Mutanten erfuhren. Fox erschien diese Version zu teuer, deshalb wurden Figuren wie Beast und Nightcrawler entfernt.
Joss Whedon versuchte sich ebenfalls am Skript, es wurde aber von den Fox-Managern abgelehnt. Erst David Hayter gelang es(öffnet im neuen Fenster), ein Drehbuch zu schreiben, das den Vorstellungen des Studios entsprach.
Zu Beginn des Films existieren die X-Men bereits. Sie wurden von Professor Xavier gegründet, der auch Logan unter seine Fittiche nimmt. Schon bald muss sich die Gruppe bewähren, denn der böse Magneto hat ebenfalls Mutanten um sich geschart. Doch sein Ziel ist ein anderes: Er glaubt nicht an die friedliche Koexistenz mit dem Homo Sapiens, sondern will sicherstellen, dass der Homo Superior nicht über kurz oder lang ausgerottet wird.
Patrick Stewart als Professor X
Für Bryan Singer gab es immer nur einen perfekten Schauspieler für Professor X: Patrick Stewart. Er bekam seine Wunschbesetzung auch, hatte der Brite doch mit Star Trek Erfolg und setzte darauf, dass sich hier eine neue Franchise-Rolle ergeben würde. Das Studio sah in ihm einen bekannten, aber nicht zu teuren Namen.
Probleme mit Wolverine
Russell Crowe wurde die Rolle von Wolverine angeboten, aber er lehnte ab. Stattdessen wurde Dougray Scott besetzt(öffnet im neuen Fenster), der aber aussteigen musste, weil die Dreharbeiten zu Mission: Impossible 2, in dem er den Schurken spielte, länger dauerten als gedacht.
Singer sah sich nun eine Empfehlung von Crowe an: Hugh Jackman, der damals weitgehend unbekannt war, den Regisseur aber beim Vorsprechen überzeugte. Die Dreharbeiten liefen zu dem Zeitpunkt seit drei Wochen, es wurde um Wolverine herumgedreht und eine schnelle Entscheidung war notwendig. So erhielt Jackman die Rolle seines Lebens, die er bis 2024 neun weitere Male spielte – und möglicherweise wird er auch in Avengers: Secret Wars im Jahr 2027 ein dann letztes Mal dabei sein.
Singer wollte Charlize Theron für Jean Grey, als er sie nicht bekam, ging der Part an Famke Janssen. Für Magneto hatte er nur einen Schauspieler im Sinn: den Briten Ian McKellen. Mit ihm hatte er zuvor in der Stephen-King-Verfilmung Der Musterschüler zusammengearbeitet. Erst nach X-Men wurde McKellen dann Gandalf in der Herr-der-Ringe-Trilogie.
Die weitere Besetzung verlief recht glatt. James Marsden wurde zu Cyclops, Anna Paquin zu Rogue, Halle Berry zu Storm, Tyler Man zu Sabretooth, Rebecca Romjin zu Mystique und Ray Park zu Toad. Andere Kandidaten waren Rachael Leigh Cook für Rogue, die aber ablehnte, und Janet Jackson für Storm, die aber wegen einer Tournee terminlich verhindert war.
Schwierigkeiten beim Dreh
Singer musste mit seinem Film sechs Monate schneller fertig werden als gedacht, weil sich bei Fox das Filmkarussell drehte und sich eine Lücke auftat, die gefüllt werden musste. Ursprünglich für Weihnachten 2000 angedacht, musste X-Men bereits im Sommer starten. Sehr sportlich, da die Dreharbeiten vom 22. September 1999 bis zum 3. März 2000 dauerten und somit nur wenig Zeit für die Nachproduktion blieb.
Erst Jahre später kam heraus, wie chaotisch es am Set zuging. Singer kam offenbar ständig zu spät und hatte einen Wutanfall nach dem anderen. Er erklärte das später mit Schmerzmitteln, die er wegen Rückenproblemen genommen habe, einige Crewmitglieder sprachen laut Hollywood Reporter(öffnet im neuen Fenster) von einem problematischen Drogenkonsum.
Kevin Feige, als Associate Producer an dem Film beteiligt und später der Kopf von Marvel Studios, hatte Schwierigkeiten mit Singer. Er flog selbst zum Set, um den Regisseur zu bändigen. Zudem hatte Singer die Comics am Set untersagt, weswegen Kevin Feige sie reinschmuggelte, um sie den Schauspielern zu geben.
Der Beginn eines neuen Zeitalters
Dass Fox sich überhaupt an den Film heranwagte, lag letztlich am Erfolg von Blade, der 1998 gezeigt hatte, dass eine Marvel-Figur im Kino erfolgreich sein konnte, auch wenn die wenigsten Zuschauer den Vampirjäger mit Comics in Verbindung gebracht haben dürften.
Dennoch: Es reichte, damit Fox 75 Millionen US-Dollar in die X-Men steckte. Der Film spielte weltweit fast 300 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) ein und erwirtschaftete so satte Gewinne.
Ein Sequel wurde schnell in Auftrag gegeben. Der Erfolg sorgte aber nicht nur dafür, dass Fox im Lauf der nächsten zwei Jahrzehnte einige Filme der Reihe (mit einer immer weniger zusammenpassenden Chronologie) produzierte, sondern markierte auch den Anbruch eines goldenenen Zeitalters der Comicverfilmungen.
Sie waren plötzlich der letzte Schrei, jedes Studio erwarb Filmrechte und schickte seine Helden ins Kino, aber die nächste Stufe sollte erst gezündet werden, als Marvel Studios 2008 das MCU etablierte.
Als Teil davon wird derzeit auch an einem neuen X-Men-Film gearbeitet. Während die originalen Mutanten noch einmal in Avengers: Secret Wars zu sehen sein werden, wird Regisseur Jake Schreier die X-Men mit neuer Besetzung und ganz anderem Fokus(öffnet im neuen Fenster) dann im MCU etablieren. Angedacht ist ein Start Ende 2026.
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