Ich habe hier einen Fehler begangen

Wachstum um jeden Preis möchte Reber nicht mehr, sagt er. Zu schnelles Wachstum wurde bei seinem anderen Start-up Pitch nämlich zu einem Problem. Das Team des Präsentations-Tools wurde vom KI-Hype überrumpelt und entließ Anfang des Jahres 70 Prozent der Belegschaft. "Statt jetzt noch Software zu bauen, um Präsentationen zu erstellen, müssen wir jetzt eigentlich Software bauen, die für die Menschen Präsentationen erstellt", sagt Reber.

Bei Pitch habe man nicht nur die Firma verkleinert, sondern sich mit Investoren auch über eine Rückzahlung von Geldern geeinigt, um noch einmal von vorne im kleineren Rahmen anzufangen. "Ich habe hier einen Fehler begangen", sagt Reber. Einen Fehler, den er damit ein Stück weit rückgängig machen wollte.

Die Kündigungswellen, die seit Monaten durch die Tech-Branche rollt, sieht er nicht nur als Maßnahme zum Kostensparen. "Viele Unternehmer realisieren, dass eine Person die Aufgaben von fünf machen kann", sagt er. "Letzten Endes werden die Firmen erfolgreich werden, die AI jetzt clever einsetzen."

Macht KI den Softwareentwickler überflüssig?

Das verkleinerte Team von Pitch muss sein Produkt nun an eine veränderte Marktsituation anpassen. "Jede Zeile Code, die man schreibt, kann in einem Jahr, in sechs Monaten oder innerhalb von 24 Stunden überschrieben werden", sagt Reber über die Softwareentwicklung. "Das heißt: Nichts, was du erschaffst, ist langfristig. Deshalb muss man Strukturen oder Teams erschaffen, die immer am Ball bleiben und mit der Zeit gehen wollen."

Bei Superlist soll die Verbreitung generativer KI-Tools schon früher mitgedacht werden. Man habe Features in der Entwicklung. Langfristig stellt sich Reber Funktionen vor, die näher an einem persönlichen Assistenten liegen – und die notwendigen To-do-Schritte für eine Flugbuchung nicht nur automatisiert eintragen, sondern auch gleich die passenden Flüge heraussuchen. Noch ist das Zukunftsmusik, aber solche Gedanken sollen eine Situation wie bei Pitch verhindern.

"Man muss sich damit abfinden, dass alles ersetzbar ist", sagt Reber über die Softwareentwicklung. Denn obwohl das Produkt seiner Firma selbst KI-Funktionen beinhaltet, macht Reber dieser Gedanke auch Angst – er geht fest davon aus, dass Arbeitsplätze durch KI wegfallen werden.

"Ich hoffe, wir kriegen es hin, gesellschaftlich so leben zu können, dass wir alle diese Weiterentwicklung der Technologie dafür nutzen können", sagt er, "dass wir alle weniger arbeiten müssen und ein schöneres Leben haben werden."

Das schönere Leben führt für Reber selbst am Chefsessel vorbei: Weder bei Pitch noch bei Superlist ist er CEO. "Ich musste für mich erkennen, dass ich sicher nicht der klassische CEO bin", sagt der Gründer, der sich selbst im Gespräch als "Vollblut-Techie" und "Nerd" bezeichnet. Schließlich gebe es "keine schöneren Erinnerungen in meinem Leben, als mit 16, 17, 18 Jahren im Code zu versinken und die Nächte durchzuprogrammieren."

Mehr Eindrücke aus der Karriere von Christian Reber haben Leserinnen und Leser des Golem.de-Newsletters für CTOs und IT-Entscheider bereits erhalten. Wer zukünftige Ausgaben nicht verpassen möchte, kann Chefs von Devs hier kostenlos abonnieren.

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 Wunderlist-Nachfolger: "Ich wollte die letzte To-do-App der Welt bauen"
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ThadMiller 26. Feb 2024 / Themenstart

Genau! ^^

devarni 22. Feb 2024 / Themenstart

Der Nachfolger erfindet das Rad auch nicht neu. Es ist die Kombination von Notizen und...

wo.ist.der... 22. Feb 2024 / Themenstart

Gibt es doch längst. Wie erwähnt basiert das auf caldav. Siehe nextcloud. Nur subtasks...

lestard 21. Feb 2024 / Themenstart

Microsoft ToDo ist meinem Geschmack nach zu unflexibel. Man hat lediglich eine Ebene um...

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