Tachyum gibt sich beim Lügen nicht einmal Mühe
Davon abgesehen müsste Tachyum nicht nur einen eigenen Prozessorsockel entwickeln – die größten versprochenen Prodigy-Varianten müssten weit über 10.000 Kontakte haben -, sondern auch eine Kühllösung. Denn das versprochene, mit 6 GHz taktende Spitzenmodell mit 1.024 Kernen, 24 Speicher-Controllern und 128 PCIe-7.0-Lanes (warum eigentlich so wenige?) soll eine TDP von sagenhaften 1.600 W haben.
Das ist selbst für Nvidia-Verhältnisse viel, und Nvidia hat mit Partnern eigene Racks entwickelt, um die enorme Leistungsdichte in den Griff zu bekommen. Und dennoch hatte Blackwell wohl anfangs thermische Probleme .
Aber für die Universalgenies bei Tachyum ist auch das sicher kein Problem. Vielleicht haben sie auch einfach eine KI trainiert, die auf dem FPGA-Prototyp bereits dank der eigenen Tachyum-AI-Datentypen supereffizient läuft und alle Engineering-Probleme löst. Wenn Tachyum das nächste Woche behauptet, würde mich das kein bisschen wundern.
Denn Tachyum ist es nicht zu blöd, Dinge zu versprechen, die erst für in einigen Jahren angekündigt sind. DDR5-Speicher mit 17.600 MTransfers/s etwa. Der ist tatsächlich geplant, die Zahl stammt aus einer Roadmap des Speicher-Konsortiums Jedec für MCR-RAM (Multiplexer Combined Ranks). Bei dem vereint ein Modul quasi zwei Speicherriegel, auf die abwechselnd zugegriffen werden kann. Auf der Jedec Roadmap steht DDR5-17.600 allerdings erst für 2030.
Das Risikokapital liegt auf der Straße, man muss es nur aufheben
Es ist traurig, dass in der EU Geld – auch Steuergeld – in ein Unternehmen fließt, das seit Jahren ganz offensichtlich Unhaltbares verspricht, bislang abseits eines FPGA-Prototyps nichts vorzuweisen hat und statt Hardware nur immer neue Fantastereien liefert. So wird das nichts mit eigener, in der EU entwickelter Hardware.
Mit den 300 Millionen US-Dollar, die Tachyum nach eigenen Angaben mittlerweile eingesammelt hat, hätte man einen wirklich tollen Prozessor oder Beschleuniger entwickeln können. Stattdessen bekommen wir dafür nur eine schlechte Show. Auf ein Bild eines Prozessors gephotoshoppte Renderings ( im Prodigy Datasheet, PDF(öffnet im neuen Fenster) ) eines Dies sind wirklich alles, was es für hunderte Millionen braucht? Von Tachyum auf so plumpe Weise für dumm verkauft zu werden, macht mich ebenso wütend wie das verschwendete Steuergeld.
Aber vielleicht macht das schlechte Beispiel ja Menschen Mut, die echte Hardware entwickeln wollen. Denn wenn Tachyum mit so schlechtem Theater 300 Millionen US-Dollar einsammeln kann, dann scheint es echt nicht schwer zu sein, an Risikokapital zu kommen. Nehmt das Geld, bevor Tachyum es tut! Denn mittlerweile glaube ich, dass uns das Unternehmen noch eine Weile erhalten bleiben wird.
Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Die Ferroelectric Memory Corporation aus Dresden konnte 100 Millionen Euro Kapital einwerben(öffnet im neuen Fenster) . Mit einem echten Produkt.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



