Übertreibung in der Wissenschaftskommunikation schadet allen

Der Versuchsaufbau bestand zum allergrößten Teil nicht aus dem Kathoden- und Anodenmaterial, auf die sich die Zahl bezieht. Es wurden pro Quadratzentimeter 9 Milligramm (mg) Kathodenmaterial auf einer Aluminiumfolie und 2,5 mg Lithiummetall auf einer Kupferfolie aufgebracht. Nur auf diese 11,5 mg beziehen sich die 560 Wh/kg. Aber schon die beiden Metallfolien, die nicht Teil der Bilanz sind, wiegen 15 mg. Dann sind es nur noch 240 Wh/kg.

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Der bei weitem schwerste Bestandteil ist aber der Separator. Er wird in Elektrolyt getränkt, so dass sich Lithium-Ionen zwischen Kathode und Anode bewegen können, aber gleichzeitig kein Strom zwischen ihnen fließt. Die herkömmlichen Kunststoffseparatoren funktionieren aber nicht zusammen mit dem Elektrolyt.

Stattdessen musste ein 260 Mikrometer dicker Separator aus Glasfaser benutzt werden. Zusammen mit dem Elektrolyt wiegt der Separator mindestens nochmals rund 40 mg pro Quadratzentimeter. Noch ohne jedes Gehäuse für den Akku sinkt die Energiedichte damit unter 100 Wh/kg.

Glasfaserseparatoren sind so dick und schwer, dass die Technik damit niemals eine hohe Energiedichte erreichen wird. Es muss hier eine neue Entwicklung geben. Aber selbst wenn es sie gäbe und der Akku nach allen Regeln der Kunst optimiert würde, sind Zahlen wie 560 Wh/kg wegen der restlichen Probleme in sehr weiter Ferne. Im Gegensatz dazu beschreibt die Pressemitteilung die Forschungsergebnisse so, als gäbe es im Labor eine vollständige Batterie mit den angegebenen Leistungsdaten.

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Ein solches Vorgehen führt die Leser der Pressemitteilung in die Irre. Sie stellt Wissenschaft und ihre Ergebnisse völlig falsch dar. In der Praxis führt das dazu, dass insbesondere die Akkuforschung weiterhin den Ruf hat, regelmäßig Wunderakkus zu produzieren, die niemals Realität werden.

Sobald sich die harte Laborarbeit aber auszahlt und wirklich praxistaugliche Akkus entwickelt wurden, führt genau das zu einem großen Glaubwürdigkeitsproblem, das zuletzt wieder sehr gut zu beobachten war: Kann es denn wirklich sein, dass ein Natrium-Ionen-Akku funktioniert? Die Wissenschaftler behaupten doch ständig, dem nächsten Wunderakku auf der Spur zu sein! Erstmal abwarten, ob das überhaupt echt sein kann.

Tolle Technik-Deals und viele weitere Schnäppchen

Das alles mit einer Technik, an der seit über einem Jahrzehnt geforscht wird und die schon vor fünf Jahren ihre Praxistauglichkeit bewiesen hat. Durch ständige Übertreibung wird mit Wissenschaftskommunikation Schaden angerichtet.

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 Wunderakku: Helmholtzinstitut bewirbt Akkuforschung mit falschen Zahlen
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mxcd 18. Aug 2021 / Themenstart

Ich hatte die Zahl in einem englischen Bericht darüber gelesen und war schon echt...

Kotaru 18. Aug 2021 / Themenstart

Ja aber eben weil mit Natrium kein Kostenproblem entsteht ist es zu vernachlässigen...

Frank... 18. Aug 2021 / Themenstart

Vor allem sollte das Helmholtzinstitut das besser können, denn es war das Bild von deren...

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