Wunderakku: Donut Lab verspricht 30 kWh und zeigt nur 18 kWh
Die Firma Donut Lab ist weiterhin bemüht, die Öffentlichkeit von ihren Akkus zu überzeugen. Nach wenig überzeugenden Testberichten der Akkuzellen hat die Firma nun ein Video vom Laden eines Verge-Motorrad-Akkus(öffnet im neuen Fenster) vorgestellt. Firmenangaben zufolge soll das neue Modell durch die Festkörperakkus bis zu 30 kWh Kapazität erreichen, aber auch in günstigeren Ausführungen mit 20 kWh verkauft werden. Laut Firmenangabe ist das getestete Motorrad ein Prototyp auf Grundlage eines älteren Modells und hat 18 kWh Kapazität.
Das Video zeigt, wie das Motorrad an eine Ladesäule angeschlossen wird und bis etwa 50 Prozent Kapazität mit rund 100 kW lädt. Anschließend lässt die Ladegeschwindigkeit nach. Ausgehend von neun Prozent erreichte der Akku nach zwölf Minuten einen Ladestand von 80 Prozent. Angeblich soll das Akkupack dabei luftgekühlt sein. Ohne unabhängige Tester lässt sich das nicht nachvollziehen.
Auch wenn es sich um ein modifiziertes, älteres Modell des Motorrads handeln soll, spricht die Kapazität von nur 60 Prozent der versprochenen 30 kWh gegen die Behauptung einer besonders hohen Energiedichte der Zellen von Donut Lab. In allen früheren veröffentlichten Testberichten wurden Angaben zu Gewicht und Maßen der Zellen wohl absichtlich ausgelassen. Auch das Motorrad wurde keinen unabhängigen Testern vorgestellt, das Video stammt von Donut Lab selbst.
Der Kunde ist der eigene Bruder
In der Beschreibung des Videos auf der Webseite von Donut Lab wird der Motorradhersteller Verge als Kundenfirma von Donut Lab bezeichnet. Das mag formal korrekt sein, jedoch wird so die Tatsache verschleiert, dass Toumo Lethimäki der Chef von Verge ist – der Bruder von Marko Lethimäki, dem Donut-Lab-Chef. Toumo ist außerdem Mitgründer und Kapitalgeber von Donut Lab.
Das Video soll an einer öffentlichen Ladesäule gedreht worden sein. Gezeigt werden zwei feste Kameraeinstellungen ohne Tonspur, stattdessen spielt Musik. Es gab – soweit bislang bekannt – keine unabhängigen Beobachter dieses Tests.
In früheren Tests zeigten Zellen von Donut Lab zudem, dass es darin bei Schnellladung zwischen zwei schweren Stahlplatten als Wärmesenke schon bei Temperaturen von 100 °C zur Gasentwicklung und Entstehung von Lecks in der Hülle der Zellen kam. Das kann bei echten Festkörperzellen nicht passieren. Es gibt von Donut Lab keine Angaben, etwa zu Zusätzen von flüssigem Elektrolyt, die diese Tatsache erklären könnten.
Donut hat nichts zu verbergen und verbirgt doch fast alles
Das Akkupack verhält sich auch in dem Ladetest wie ein herkömmliches Pack aus Hochleistungs-Lithium-Ionen-Akkus. Dabei gibt es keine Aufnahmen des angeblich luftgekühlten Akkupacks selbst und von dessen innerem Aufbau, obwohl das Motorrad bald in den Verkauf gehen soll und somit kein Grund für Geheimhaltung besteht.
Neben den fehlenden Angaben zur tatsächlichen Energiedichte der Zellen gibt es auch immer noch keinerlei, erst recht keine unabhängigen Tests zur behaupteten Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen. Ebensowenig gibt es nachvollziehbare Angaben zur Akkuchemie, die vollkommen frei von seltenen Rohstoffen sein soll. Dabei verhalten sich die Akkus bislang in allen Tests wie ein normaler NMC-Lithium-Ionen-Akku. Das gilt auch für die Selbstentladung.
Es gibt keinerlei Anlass, selbst aus grundlegenden Eigenschaften wie Maßen und Gewicht eines Produkts ein Geheimnis zu machen, wenn es angeblich kurz vor der Marktreife steht. Für eine Firma, die nichts zu verbergen hat, verbirgt Donut Lab sehr viel.
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