Wunderakku: Donut Lab demonstriert ganz normale Lithium-Akkus
Donut Lab hat einen stark limitierten Testbericht(öffnet im neuen Fenster) eines finnischen Labors über die eigenen Akkus veröffentlicht, der im Auftrag des Herstellers geschrieben wurde. Donut Lab behauptet, es handle sich um einen Festkörperakku mit 400 Wh/kg, Schnellladefähigkeit und 100.000 Ladezyklen Lebensdauer, der kein Lithium und keine seltenen Rohstoffe verwende. Trotz stark verkürzter Inhalte widerspricht der Bericht diesen Behauptungen.
Er enthält keine Angaben dazu, ob es sich tatsächlich um einen Festkörperakku handelt, sondern wiederholt lediglich die Firmenangaben von Donut Lab, dass es einer sei.
Die technischen Angaben beschränken sich auf Spannung und Kapazität der Zelle. Die Maße und das Gewicht sind im Bericht nicht enthalten. Damit ist es unmöglich, irgendeine Energiedichte zu berechnen und die Angabe von 400 Wh/kg zu bestätigen. Das entspricht dem Verhalten der Firma Quantumscape, die mit den gleichen Mitteln versuchte, die schlechte Energiedichte der eigenen Akkuzellen zu verschleiern.
Test zeigt keine Eigenschaften von Festkörperakkus
Der Test enthält insgesamt sieben Ladezyklen und damit keinerlei Beleg für die Behauptung einer Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen. Die höchste Temperatur des Akkus, die in einem Test für wenige Sekunden erreicht wurde, betrug 90 Grad Celsius, die im Test als Sicherheitslimit bezeichnet wird.
Das ist die typische Grenze, bis zu der in Lithium-NMC-Akkus mit flüssigem Elektrolyt noch keine chemischen Reaktionen mit messbarer Wärmefreisetzung stattfinden. Ein Test mit höherer Temperatur, den ein Festkörperakku problemlos überstehen sollte, fand nicht statt.
Der Akku wurde in allen Testzyklen lediglich mit einer Spannung zwischen 2,7 V und 4,3 V betrieben. Lithium-Ionen-Akkus mit flüssigem Elektrolyt müssen aus Sicherheitsgründen stets eine positive Spannung behalten, weil sich bei niedriger oder negativer Spannung das Metall der Kupferfolie in der Anode im Elektrolyt auflösen kann. Beim nächsten Ladevorgang kann sich dann metallisches Kupfer im Separator zwischen Anode und Kathode bilden und einen internen Kurzschluss mit katastrophalen Folgen verursachen. Festkörperakkus haben dieses Problem nicht.
Der Test enthält also keinen Beleg für die Behauptung, dass es sich um einen Festkörperakku handle, während die Zelle in den Tests in jeder Hinsicht wie eine mit flüssigem Elektrolyt behandelt wurde. Sie wurde nicht zerlegt und eine Komponentenanalyse fand auch nicht statt. Es gab auch keine zerstörungsfreie Analyse der Inhaltsstoffe, etwa mit einem Röntgenspektrometer, wie es für Feldforschung in der Geologie oder Analysen im Bergbau auch in tragbarer Form für sekundenschnelle Tests zum Einsatz kommt.
Die Fakten machen das Wort Betrug unvermeidbar
Was der Test enthält, sind Ladekurven, die von denen herkömmlicher Hochleistungs-Lithium-Ionen-Akkus mit NMC-Kathode nicht zu unterscheiden sind, welche ebenso problemlos die im Test demonstrierten Laderaten von 5 C bis 11 C erreichen können. Der Spannungsverlauf ist hauptsächlich abhängig von den chemischen Eigenschaften der Kathode und wird außerdem vom Spannungsabfall durch den internen Widerstand des Akkus bestimmt, mit kleineren Einflüssen durch die Anode.
Die maximale Ladespannung von 4,3 V deutet auf eine herkömmliche Graphitanode (mit möglichen Siliziumanteilen) hin, die die Zellspannung um rund 0,2 V reduziert. Mit Lithium-Metallanode sind rund 4,5 V Zellspannung beim gleichen Ladestand der Kathode möglich. In keinem Fall ist eine Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen zu erwarten, ohne die Definition eines Ladezyklus so stark zu verändern, dass sie dem normalen Sprachgebrauch nicht mehr entspricht.
Keinerlei Hinweis auf neue Akkuchemie
Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass es sich hier um eine völlig neue Akkuchemie ohne seltene Rohstoffe handeln könnte. Stattdessen entsprechen alle veröffentlichten Angaben dem Test einer ganz normalen Akkuzelle mit Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid oder einer ähnlichen Schichtoxid-Lithiumkathode.
Diese Tatsachen sind zusammen mit den vorangegangenen Aussagen von Donut Lab über seinen Akku so stark, dass das Wort Betrug nicht mehr vermieden werden kann.
Veröffentlicht wurde der Test auf einer von Donut Labs selbst erstellten Seite namens I Donut believe(öffnet im neuen Fenster) (ein englisches Wortspiel das auf "das glaube ich nicht" anspielt). Die Seite versucht also, mit einer offensiv zur Schau gestellten Ironie die eigene Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Das war eine im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts erfolgreiche Technik kommerzieller und politischer Propaganda, die trotz faktenwidriger Inhalte das Gefühl einer offenen und ehrlichen Kommunikation vermittelt.
Der Autor meint dazu:
Auch wenn das zweite Viertel dieses Jahrhunderts kaum zwei Monate alt ist, besteht die Hoffnung, dass diese Methode ihre Wirksamkeit verlieren könnte. Aber es ist eine wirksame und starke Technik, die auch den Autor schon beeinflusst hat. Es ist kein Zeichen von Dummheit, darauf hereinzufallen oder darauf hereingefallen zu sein. Wichtig ist nun Aufmerksamkeit in allen Bereichen des öffentlichen Lebens.
Wenn Aussagen mit dem Ziel der Erlangung von Einfluss oder Geld nicht den realen Fakten entsprechen, ist das keine Ironie und auch kein Ausdruck eines Idealismus, der seiner Vision eines höheren Ziels oder der Vermeidung einer Rohstoffknappheit oder einer anderen Katastrophe nur noch nicht ganz gerecht wird. Egal was die Vision, das Ziel oder die Katastrophe ist: Es ist Betrug und muss als Betrug bezeichnet und als Betrug behandelt werden.
Die Rückkehr zu einer faktenbasierten Gesellschaft, die ihre Probleme auf der Grundlage der bestmöglichen Fakten einer gemeinsamen Realität diskutieren und lösen kann, ist unumgänglich. Nichts hat uns als globaler Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten mehr geschadet als die Akzeptanz von Ironie, Sarksmus, Bullshit, Angst und Lügen als Ersatz für das Finden und die ernsthafte Diskussion von Fakten in der Kultur, der Wirtschaft und der Politik.