Und das sagt Blizzard selbst

Zaal ist wenig begeistert von der Aussicht auf WoW Classic, wie er auch in einem humorvollen Blogbeitrag auf Youtube erklärt. "Ich persönlich bin ganz und gar kein Freund davon, alte Games als Remaster oder, wie in diesem Fall, einfach nur Re-Release eines Uraltspiels aufgetischt zu bekommen. Ich bin ein großer Freund von Innovation. Doch leider sehe ich zunehmend eine Community, die Neuerungen bashed und eine toxische Shit-Show veranstaltet, während sie olle Kamellen religiös verehrt. Und das nicht nur bei WoW."

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Er hege selbst viele gute Erinnerungen an die Vanilla-Zeit und habe durch das Spiel einige Menschen persönlich kennengelernt, mit denen er auch heute noch Kontakt hat und spielt. "Classic war für seine Zeit bahnbrechend und besser als jedes andere MMO dieser Zeit. Es war aber auch ein Game von Entwicklern, die kaum Erfahrungen im MMO-Markt hatten - und das hat man gemerkt. Viele gute Ideen, aber auch viele unausgereifte, unfertige oder schlichtweg nicht funktionierende Konzepte." Das Spiel sei insgesamt schlechter gewesen als heute.

Zaal befürchtet, dass die nostalgische Verklärung vieler Spieler und ein möglicher Erfolg von WoW Classic zu immer mehr Retroprojekten führen könnten und "die Bereitschaft von Gamedesignern, Risiken mit innovativen neuen Games einzugehen, noch weiter sinkt als ohnehin schon".

MMORPG-Fachmann Karsten Scholz glaubt indes nicht an einen durchschlagenden Erfolg von WoW Classic. "Dass die Classic-Server Teil des normalen WoW-Abos sein werden, ist von Blizzard auf jeden Fall ein kluger Schachzug. Es gibt sicherlich Spieler der aktuellen Version, die in eher ruhigen Phasen, statt das Abo zu pausieren, ihren Classic-Charakter spielen werden. Genauso wird das Classic-Angebot einige ehemalige Spieler zur Abo-Reaktivierung treiben, die dem Spiel in den vergangenen Jahren den Rücken zugekehrt haben." Dass sich dadurch am Ende der offenbar große Aufwand für Blizzard amortisieren wird und sie nennenswert Geld mit WoW Classic verdienen, bezweifle er. "Dafür ist Vanilla aus heutiger Sicht zu sperrig, zu unkomfortabel und potenziell zu frustrierend."

Blizzard - WoW Classic als "Tor zur Vergangenheit"

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Und was sagt Blizzard zu dem Einfluss, den Nostalgie auf das Projekt WoW Classic hat? Darüber hat Golem.de mit Lead Software Engineer Brian Birmingham und Senior Software Engineer Omar Gonzalez gesprochen. Die Entwickler sind der Ansicht, dass Nostalgie und schöne Erinnerungen an die Vanilla-Zeit in WoW sicherlich eine wichtige Rolle spielen, dass viele Spieler Interesse an Classic zeigen. "Fast jeder, der damals WoW gespielt hat, hat tolle Erinnerungen an diese Zeit. Wir denken selbst gerne an Vanilla zurück", sagt Omar Gonzalez.

Er habe sich damals mit Gildenkollegen, die in der gleichen Gegend lebten, nach Raidabenden in einem lokalen 24-Stunden-Diner getroffen. "Daraus wurde ein derart regelmäßiges Ritual, dass das Personal schließlich nicht nur unseren üblichen Tisch für uns bereithielt, sondern auch die Getränke bereits serviert hatte. Dort schwelgten wir dann über neue erreichte Meilensteine wie einen bestimmten Boss-Firstkill oder analysierten Abende, an denen wir an einem Gegner endlos gewiped sind. Wir haben den Kampf direkt auf dem Tisch nachgestellt: Die Ketchupflasche war der Boss, an der Ahornsirup-Flasche sollten sich die Heiler und Fernkämpfer sammeln, und die Nahkämpfer waren die Zuckerpäckchen - weil sie wegwerfbar und leicht austauschbar waren", erzählt der Entwickler lachend.

Nostalgie sei den Blizzard-Mitarbeitern zufolge aber nur ein Faktor für die Beliebtheit von Vanilla-WoW. Der mangelnde Feinschliff und fehlende Komfortfunktonen wie die Gruppensuche für Instanzen und Schlachtzüge würden eine besondere Spielergruppe ansprechen, die sehr viel Wert auf den sozialen Aspekt in einem Online-Rollenspiel legt. "Im aktuellen WoW können sich die Spieler in ihrer Mittagspause in der Gruppensuche anmelden und sich dann ganz darauf konzentrieren, was in der Instanz passiert", erklärt Brian Birmingham.

  • Feiert in WoW Classic ein feuriges Comeback: Endboss Ragnaros aus dem 40-Spieler-Schlachtzug "Der Geschmolzene Kern". (Bild: Blizzard/Screenshot: Golem.de)
  • In der Blizzcon-Demo zu WoW Classic konnten Besitzer eines virtuellen Tickets mit einer Rasse und Klasse ihrer Wahl direkt auf Charakterstufe 15 einsteigen und bis Level 19 das Brachland für die Horde und Westfall für die Allianz erkunden. (Bild: Blizzard/Screenshot: Golem.de)
  • Der alte Talentbaum von World of Warcraft war in der Classic-Demo schon enthalten. (Bild: Blizzard/Screenshot: Golem.de)
  • In der Urversion von World of Warcraft trafen Spieler an jeder Ecke auf brandgefährliche Feinde - wie diesen Elite-Gegner in den Ruinen von Alterac. (Bild: Blizzard/Screenshot: Nobbie)
  • Eine weitere Szene aus dem ursprünglichen World of Warcraft: Die Öffnung der Tore von Ahn'Qiraj fand Anfang 2006 statt und gilt bis heute als eines der epischsten Ingame-Events des Online-Rollenspiels. (Bild: Blizzard/Screenshot: Nobbie)
  • Unterwegs in geheimer Mission: Golem.de plauderte ingame mit Spielern des Classic-Privatservers Elysium. (Bild: Blizzard/Screenshot: Golem.de)
  • Heinrich Lenhardt war Chefredakteur des Spielemagazins Power Play, Gründer der Zeitschrift PC Player sowie an Konzeption und Entstehung von Buffed beteiligt. (Bild: Heinrich Lenhardt)
  • Karsten Scholz arbeitet als Redakteur für Buffed und PC Games MMORE. Seinen Untoten-Schurken "Creep" spielt er in WoW seit dem Frühjahr 2005. (Bild: Karsten Scholz)
  • Diplom-Psychologe Alexander von Bethmann-Hollweg hat bis zu Wrath of the Lich King leidenschaftlich WoW gespielt. (Bild: Alexander von Bethmann-Hollweg)
  • Brian Birmingham ist Lead Software Engineer bei Blizzard und arbeitet bereits seit 2006 an WoW. Er will mit WoW Classic ein Stück Spielkultur bewahren. (Bild: Blizzard)
  • Senior Software Engineer Omar Gonzalez ist seit fast 16 Jahren bei Blizzard. (Bild: Blizzard)
Brian Birmingham ist Lead Software Engineer bei Blizzard und arbeitet bereits seit 2006 an WoW. Er will mit WoW Classic ein Stück Spielkultur bewahren. (Bild: Blizzard)

"In Classic war das, was passiert, bevor du überhaupt den Dungeon betrittst, schon ein Teil der Herausforderung: Man musste per Chat eine Gruppe finden, sich verständigen und als Team zum Eingang der Instanz gelangen. Und wenn du diesen Prozess mit deinen Mitspielern durchgemacht und dich dann erfolgreich durch einen weitläufigen Dungeon gekämpft hattest, erzeugte das eine andere Art von verbindender sozialer Dynamik. Beim nächsten Mal, wenn du in eine Instanz gehen wolltest, hast du höchstwahrscheinlich nach denselben Spielern gesucht. All das war Teil dessen, was das ursprüngliche WoW-Erlebnis unverwechselbar machte. Und das wollen wir in WoW Classic bewahren."

Den Entwickler ist es ein großes Anliegen, mit Classic ein Stück Spielehistorie zu erhalten. "So toll das ursprüngliche Word of Warcraft auch war, was es wirklich besonders machte, waren die Spieler", sagt Omar Gonzalez. "Dieses Projekt ist in vielerlei Hinsicht eine Hommage daran, wo für viele Spieler alles begann. WoW hat damals ein neues Kapitel in der Spielkultur aufgeschlagen, und wir wollen es nicht nur als getreue Nachbildung für diejenigen erschaffen, die es damals gespielt haben, sondern auch als Tor zur Vergangenheit, das einer ganz neuen Generation zur Verfügung steht."

Ob das funktionieren und die Neuauflage des klassischen WoW auch heute noch Kenner wie Neulinge in ihren Bann ziehen kann? Das wird sich zeigen, wenn WoW Classic im Sommer 2019 an den Start geht. Gut denkbar ist, dass viele Spieler einen kurzen Nostalgieabstecher in WoW Classic unternehmen werden und sich dann wieder aktuellen Titeln zuwenden. So wie Classic-Liebhaber Heinrich Lenhardt: "Ich schaue sicher mal aus Neugier rein, glaube aber kaum, dass ich länger verweilen werde. Das ist ein echtes Zeitproblem, weshalb ich auch bei den letzten WoW-Erweiterungen abstinent geblieben bin. Es gibt heutzutage sehr viele, gute, umfangreiche Spiele, aber die Zeit dafür ist eher knapper geworden."

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Gwels 15. Okt 2019

Im vergleich zu fast allen anderen MMORPGs die zur Zeit gespielt werden, ist LotRO...

quineloe 15. Okt 2019

6 wochen live, d.h. die ersten Monats-subs sind bereits abgelaufen und erneuert, und mein...

Overator 25. Jun 2019

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was diese "Anfeindungen" sollen, egal in welche...

EinBenutzername 15. Apr 2019

@Hotohori: Bin absolut deiner Meinung! Zu der Aussage "Man muss nicht alles haben" kommt...

JackIsBlack 15. Feb 2019

Es werden sehr wenige sein, die ihren Job oder Ausbildung aufgegeben haben. Zudem ist ein...



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