Unscharfe Regeln führen zu gestalteten Bildern

Die Jury des Wettbewerbs sieht darin keine Verletzung der Regeln, denn diese sind eher allgemein gehalten und berufen sich auf die üblichen Standards der Pressefotografie. Diese haben unter anderem Agenturen wie Reuters, Getty und Associated Press in allgemeinen Richtlinien festgelegt, zu denen die vorangegangenen Links führen. Darin ist zwar zu lesen, dass Bilder auch in Helligkeit, Farbe und Kontrast bearbeitet werden dürfen - aber nur moderat. Die Korrektur von technischen Fehlern wie Staub auf der Linse oder dem Sensor ist aber immer zulässig.

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Somit liegt der Kern der Debatte in der Auslegung dieser Richtlinien - und das dürfte dem Foto von Paul Hansen auch zum Verhängnis geworden sein. Schon bei der Veröffentlichung als Bild des Jahres stellten Beobachter fest, die Szene erinnere an einen Film. Das liegt zum einen an dem HDR-Look, zum anderen folgt die Bearbeitung derzeitigen Trends bei gestalteten Bildern.

So sind beispielsweise die Farben in der gesamten Aufnahme stark entsättigt, Häuser und Himmel wirken fast völlig farblos, was als Color-Keying ein beliebter Effekt ist. Zusätzlich sind vor allem die Gesichter der Personen stark aufgehellt, was auch Paul Hansen zugibt. Die in allen Bereichen kaum vorhandene Schärfe - vermutlich wegen Rauschreduzierung entstanden - führt in Verbindung mit den sanften Farben zu einem wachsartigen Look. Insgesamt entsteht damit der Eindruck eines bewusst gestalteten Fotos aus dem Studio mit zielgerichtetem Licht, nicht der einer authentischen Reportageaufnahme.

Dabei ist die Szene selbst aber nicht gestellt, wie andere Bilder desselben Ereignisses belegen. Somit steht auch Hansens Reportageleistung außer Frage. Laut Spiegel Online hatte sich der Fotograf der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter im November 2012 tagelang im Gaza-Streifen aufgehalten, während die Region von Israel bombardiert wurde. Sein prämiertes Foto zeigt die Beerdigung von zwei Kindern, die von Angehörigen durch die Straßen von Gaza-Stadt getragen werden.

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Angesichts der bedrückenden Szene, welche die ganze Tragik des Gaza-Konflikts spürbar werden lässt, stellt sich erst recht die Frage, ob das Foto nicht auch ohne die starke Bearbeitung preiswürdig gewesen wäre.

Wir zeigen das Bild in der Galerie zu diesem Artikel in der Originalauflösung so, wie das Foto freundlicherweise von World Press Photo zur Verfügung gestellt wurde. Die Organisation bittet darum, das Foto nicht ohne Rücksprache an anderer Stelle zu veröffentlichen.

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 World Press Photo Award: Wie viel Photoshop verträgt ein Reportagebild?
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ichbinsmalwieder 27. Jun 2013

Solche Vorwürfe kommen i.d.R. von selbst ernannten Semi-Profi-Fotografen, die glauben...

anne-ma 23. Mai 2013

ist doch nicht anders zu erwarten. hauptsache photogeshoped.

Icestorm 16. Mai 2013

Ich habe schon längere Zeit die Vorstellung einer abstrakten Szenen- oder...



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