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World of Warcraft: Warum Blizzard Tester viel früher in die Entwicklung holt

GDC 2026
Blizzard-Manager Kerry Littlefield erklärt, warum Qualitätssicherung schon beim Design beginnen sollte – und wie das World of Warcraft verändert.
/ Peter Steinlechner
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Carey Littlefield von Blizzard auf der GDC 2026 (Bild: Peter Steinlechner / Golem)
Carey Littlefield von Blizzard auf der GDC 2026 Bild: Peter Steinlechner / Golem

Carey Littlefield, als Test Lead bei Blizzard(öffnet im neuen Fenster) vor allem für World of Warcraft zuständig, hat auf der GDC 2026 für einen Perspektivwechsel beim Thema Qualitätssicherung plädiert: QA solle nicht erst am Ende eines Projekts prüfen, ob ein Spiel funktioniere, sondern bereits während der Designphase als Partner eingebunden werden.

Gleich zu Beginn seines Vortrags beschrieb Littlefield eine typische Szene aus der Entwicklung: Ein Feature steht kurz vor dem Abschluss, mehrere Release-Kandidaten sind bereits erstellt.

Alles scheint gut zu laufen, bis jemand sagt: "Lasst mal QA drauf schauen." Danach werde es im Raum meist still. Kurz darauf erscheine im Chat die Nachricht "Hey, mal eine kurze Frage an dich" , die laut Littlefield in der Praxis fast nie eine wirklich kurze Frage ist.

Das Problem sei oft nicht die Frage selbst, sondern der Zeitpunkt. Wenn QA erst spät im Prozess prüfe, könne ein Feature technisch perfekt funktionieren und trotzdem die Designziele unterlaufen.

Etwa dann, wenn Spieler eine Progression überspringen oder Monate an Balancing in wenigen Minuten aushebeln könnten. "Technisch ist nichts kaputt – aber eigentlich ist alles kaputt" , beschrieb Littlefield das Szenario.

Sein Team bei Blizzard arbeitet deshalb seit einiger Zeit nach einem anderen Modell. Qualitätssicherung wird früh und kontinuierlich in die Entwicklung integriert. Littlefield bezeichnet QA ausdrücklich als Designpartner statt als letzte Kontrollinstanz.

Entscheidend seien drei Faktoren: qualifizierte Analysten mit tiefem Produktwissen, eine enge Integration in den Entwicklungsprozess und iterative Feedback-Schleifen während des Designs.

Bei Blizzard existiert dafür sogar eine eigene Rolle: der Design Quality Analyst. Diese Spezialisten prüfen nicht nur, ob eine Funktion technisch funktioniert, sondern verstehen auch, wie sie in das Gesamtsystem des Spiels passt, und wie Spieler darauf reagieren könnten.

"QA ist am stärksten, wenn Analysten das Spiel gut genug verstehen, um es kreativ zu zerstören" , erklärte Littlefield.

World of Warcraft: Chaos im Raid

Im Alltag bedeutet das, dass QA-Teams bereits Designdokumente lesen, Builds prüfen und an Meetings teilnehmen, während Features entstehen. Außerdem organisieren sie strukturierte Playtests mit konkreten Fragestellungen: Wie gehen Spieler mit einer Mechanik um? Wo entsteht Frust? Und trifft das Feature die beabsichtigte Spielerfahrung?

Ein Beispiel aus der Raid-Entwicklung von World of Warcraft: In frühen Playtests stellte sich heraus, dass mehrere Mechaniken zu dicht hintereinander ausgelöst wurden.

Für Spieler wirkte der Kampf chaotisch statt herausfordernd. Die Entwickler passten daraufhin das Timing an, so dass die einzelnen Elemente besser lesbar wurden, ohne die Mechaniken selbst zu entfernen.

Der Ansatz hat Littlefield zufolge auch organisatorische Vorteile. Frühzeitiges Feedback reduziere teure Überarbeitungen und biete klarere Iterationszyklen. Gleichzeitig wachse das Vertrauen zwischen Design, Produktion und QA.

Ein Nebeneffekt: Das Team von World of Warcraft konnte laut Littlefield seit 2022 mehrere Raid-Finalbosse ohne öffentlichen Testserver veröffentlichen. Durch intensive interne Tests sei die Qualität hoch genug gewesen, um den Überraschungseffekt für Spieler zu erhalten.


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