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World AI Conference: Chinas KI mit Huawei-Hardware kann USA überholen

Staatspräsident Xi grenzt sich in der KI-Politik von den USA ab. Gleichzeitig setzt der chinesische KI-Stack zum Überholmanöver an.
/ Achim Sawall
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Chinas Präsident Xi Jiping spricht am 17. Juni 2026 auf der World AI Conference. (Bild: WAIC 2026 / Screenshot: Golem)
Chinas Präsident Xi Jiping spricht am 17. Juni 2026 auf der World AI Conference. Bild: WAIC 2026 / Screenshot: Golem

Der chinesische Staatspräsident Xi Jiping hat zur Eröffnung der World AI Conference in Shanghai(öffnet im neuen Fenster) am 17. Juli 2026 in einer Grundsatzrede(öffnet im neuen Fenster) zu künstlicher Intelligenz zu einer offenen, multilateralen Zusammenarbeit unter dem Dach der Vereinten Nationen sowie einer verstärkten Unterstützung der Entwicklungsländer aufgerufen.

Einem Führungsanspruch der USA erteilte er eine Absage: "Die Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz darf keine Solovorstellung eines einzelnen Landes sein, sondern muss eine Symphonie der internationalen Zusammenarbeit werden."

Die staatliche Chinesische Volkszeitung stellte laut China.Table(öffnet im neuen Fenster) in Vorbereitung der Xi-Rede bereits eine "Öl-Denkweise", die Daten und Rechenleistung als knappe und exklusive Ressourcen behandelt, einer "Wasser-Denkweise" des Teilens gegenüber. Künstliche Intelligenz dürfe nicht zu einem Technologiemonopol werden. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua beschrieb China als Anbieter "internationaler öffentlicher Güter" und betonte offene Software, Unterstützung für Entwicklungsländer und die zentrale Rolle der Vereinten Nationen. Einen Tag vor Xis Rede unterzeichneten 29 Länder eine Vereinbarung zur Gründung einer Weltorganisation für Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz (WAICO) mit Sitz in Shanghai.

Chinas Imperialismus in Asien und Afrika

Den Herrschenden in China und in den USA geht es nicht um Wohltaten für Entwicklungsländer, wie das britische International Finance Magazin(öffnet im neuen Fenster) berichtet. So droht Laos durch hohe Kredite für Infrastrukturprojekte wie die China-Laos-Eisenbahn und Telekommunikationsnetze die Souveränität über seine Netze zu verlieren. Das Stromnetz wurde bereits teilweise an China übertragen.

Chinesische Konzerne kontrollieren den Großteil der kongolesischen Kobaltminen. Die Verträge, wie das Sicomines-Abkommen, versprachen den Tausch von Rohstoffen gegen Infrastruktur wie Straßen und Krankenhäuser. Doch viele der versprochenen Infrastrukturprojekte wurden laut einem Bericht der kongolesischen NGO Afrewatch(öffnet im neuen Fenster) mangelhaft oder gar nicht umgesetzt.

Gleichzeitig stehen die chinesischen Minenbetreiber wegen katastrophaler Arbeitsbedingungen, systematischer Unterbezahlung der lokalen Bevölkerung, mangelnder Sicherheitsstandards und massiver Umweltschäden in der Kritik. Die Gewinne werden fast vollständig nach China abgeführt, während das Land arm bleibt.

Xi: Sicherheit eines Landes über die anderer gestellt

Xi distanzierte sich in seiner Rede von Technologieprotektionismus unter dem Deckmantel nationaler Sicherheitskonzepte: "Wir sollten gemeinsam einer übermäßigen Ausweitung des Konzepts der nationalen Sicherheit im KI-Bereich entgegentreten und verhindern, dass die Sicherheit eines Landes über die anderer gestellt wird." Die US-Regierung erließ jüngst Exportkontrollen für die hoch entwickelten proprietären KI-Modelle von Anthropic und erklärte sie damit zu einer exklusiven nationalen Ressource. Insbesondere im geopolitischen Wettstreit mit China versuchen die USA, einen technologischen Vorsprung gegenüber China als imperialistischen Hauptsrivalen zu bewahren und diesen mit noch breiteren Exportkontrollen auszubremsen, zum Beispiel für KI-Chips und Chipfertigungstechnologie.

Kimi 3 überrascht

Mittlerweile mehren sich die Zweifel, dass der technologische Vorsprung der USA im Bereich der KI lange halten wird. Am Tag vor der Eröffnung der Shanghaier Konferenz veröffentlichte das chinesische KI-Unternehmen Moonshot mit Kimi 3 erstmals ein Modell, das in einigen Benchmark-Tests vor den derzeit besten veröffentlichten Modellen von Anthropic und Open AI liegt.

Moonshot wird das Modell am 27. Juli als Open-Weights-Modell und damit weltweit auch lokal auf eigener Hardware nutzbar machen. Die leistungsmäßig vergleichbaren US-Modelle sind proprietär und nur in Abomodellen zugänglich.

Im Bereich der KI-Hardware präsentieren die chinesischen Tech-Konzerne auf der bis kommenden Montag laufenden Konferenz in Shanghai ihre Fortschritte. Huawei plant laut Reuters(öffnet im neuen Fenster), seinen bereits im vergangenen September angekündigten Atlas 950 Superpod erstmals als betriebsfähiges Modell vorzustellen, mehrere Monate früher als ursprünglich geplant. Huawei zufolge bietet der Atlas 950 Superpod 6,7-mal mehr Rechenleistung und 15-mal mehr Speicherkapazität als NVL144, Nvidias Supernode-Cluster-Technologie der nächsten Generation für KI.

Huawei sieht keine Lieferprobleme für KI-Supernods

Brancheninsider rechnen laut Informationen von Golem damit, dass insbesondere Deepseek und Z.ai als zwei der führenden chinesischen KI-Labs relativ schnell ihr Training auf diese voraussichtlich sehr leistungsstarken Huawei-KI-Supernods umstellen werden, weil sie schon länger ihre Modelle auch auf Huawei-Chips optimieren und ihnen der Zugang zu Nvidia-Chips aufgrund von US-Exportkontrollen verwehrt ist. Versorgungsengpässe soll es nicht geben, denn das Unternehmen kündigte laut einem Bericht von Tom's Hardware(öffnet im neuen Fenster) bereits an, seine KI-Superpods schon Ende dieses Jahres auch in Südkorea anzubieten.

Wenn Xi in seiner Rede in Shanghai zudem ein umfassendes KI-Entwicklungshilfeprogramm für den Globalen Süden ankündigt, demzufolge China in den nächsten Jahren 5.000 KI-Schulungs- und Seminarprogramme sowie internationale Kooperationszentren für KI-Anwendungen aufbauen möchte, dann verfolgt er damit harte industrie- und handelspolitische Interessen. Chinesische KI-Stacks, bestehend aus eigener KI-Hardware von Huawei als wahrscheinlich günstigerer Alternative zu Nvidia und offenen chinesischen KI-Modellen wie Kimi, GLM, Deepseek und Qwen, die auf diese Hardware optimiert sind, sollen sich in Entwicklungs- und Schwellenländern durchsetzen.

Aber auch in Nordamerika und Europa könnte der sich abzeichnende chinesische KI-Stack ein ernst zu nehmender Konkurrent für US-Modelle auf Nvidia-Hardware werden, die bei hohen Leistungsversprechen erheblich teurer sind. Solange die Mehrheit der chinesischen Modelle offen bleibt, können Länder damit ihre Souveränität wahren. Die chinesische Hardware wird sehr wahrscheinlich günstiger sein. Und bei der Hardware kann man zwischen Nvidia, weiteren US-Anbietern, Huawei und perspektivisch anderen chinesischen Alternativen wählen. Aber wer lieber US-Hardware kaufen will, kann dies tun, weil es keinen Lock-in gibt.


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