Langfristiger Ausblick: Die demografische Zeitbombe tickt weiter
Die führenden Arbeitsmarktforscher sind sich einig: Der aktuelle Abschwung ist konjunkturell, der strukturelle Mangel demografisch bedingt. Das IAB prognostiziert(öffnet im neuen Fenster) , dass die Verknappung am Arbeitsmarkt anzieht. Das Ausscheiden der Babyboomer kann nicht mehr kompensiert werden. 2026 sinkt das Erwerbspersonenpotenzial erstmals um 40.000 Personen jährlich.
Das Statistische Bundesamt(öffnet im neuen Fenster) berechnet, dass 13,4 Millionen Erwerbspersonen in den nächsten 15 Jahren das gesetzliche Rentenalter erreichen. Bitkom(öffnet im neuen Fenster) prognostiziert ohne Gegenmaßnahmen 663.000 fehlende IT-Fachkräfte bis 2040. Das IW Köln rechnet bis 2040 mit einem Defizit von 3,1 Millionen Fachkräften(öffnet im neuen Fenster) in digitalen und technischen Berufen.
Diese Prognosen basieren allerdings auf heutigen Annahmen. Faktoren wie verstärkte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte, KI-bedingte Produktivitätssprünge in der Softwareentwicklung oder grundlegend veränderte Arbeitsmodelle könnten die prognostizierte Lücke verkleinern – oder in anderen Bereichen neue Engpässe schaffen. Auch die tatsächliche Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer und die Entwicklung der Studierendenzahlen bleiben Unsicherheitsfaktoren.
Nachfrage an MINT-Kräften könnte bis 2030 steigen
Die Energiewende, Dekarbonisierung und Digitalisierung werden den MINT-Bedarf langfristig stützen. McKinsey erwartet einen Nachfrageanstieg in MINT und Gesundheit von bis zu 25 Prozent bis 2030(öffnet im neuen Fenster) . Der demografische Ersatzbedarf(öffnet im neuen Fenster) allein in MINT-Berufen liegt bei 266.300 Personen jährlich – das Neuangebot deckt nur etwa 50 Prozent. Die aktuelle Entspannung ist also nur eine Momentaufnahme.
Trotz der kurzfristig schwierigen Lage wächst die IT-Beschäftigung weiter. Der Markt für IT und Telekommunikation (ITK) wächst 2026 laut Bitkom voraussichtlich um 4,4 Prozent auf 245,1 Milliarden Euro.
Arbeitslosigkeit unter Durchschnitt
Gleichzeitig legt auch die Beschäftigung in der Branche auf bereits hohem Niveau leicht zu: Die Zahl der Erwerbstätigen im ITK-Sektor soll im Jahr 2026 um rund 11.000 auf 1,36 Millionen steigen(öffnet im neuen Fenster) . Ende 2025 lag die Zahl der Stellen bei 1,349 Millionen.
Die Arbeitslosenquoten bleiben unter dem Gesamtdurchschnitt. Der strukturelle Fachkräftemangel besteht fort, auch wenn sich die aktuellen Engpässe in einigen Bereichen entspannt haben. Die Unternehmen können heute stärker auswählen, aber der langfristige Bedarf ist ungebrochen.