Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Woman Gamer: "Sündiges Vergnügen mit Gleichgesinnten"

Game Connection 2014
Weibliche Spieler sind anders: Das hat die Entwicklerin Martine Spaans festgestellt. Obwohl viele Woman Gamer mehrere Titel gleichzeitig für viele Stunden am Tag zocken, bekennen sie sich nur unter bestimmten Umständen zu ihrem Hobby.
/ Peter Steinlechner
159 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Martine Spaans, Tamalaki Publishing (Bild: Golem.de)
Martine Spaans, Tamalaki Publishing Bild: Golem.de

Martine Spaans kennt beiden Seiten. Sie hat lange bei Publishern wie Ubisoft an klassischen Spielen für vorwiegend männliche Gamer gearbeitet. Jetzt besitzt sie ihr eigenes kleine Indiegame-Studio namens Tamalaki Publishing(öffnet im neuen Fenster), mit dem sie Casualgames für Frauen produziert. "Ich nehme die Unterschiede in den beiden Zielgruppen als sehr stark wahr", so Spaans auf der Tagung Game Connection 2014(öffnet im neuen Fenster) in Paris. "Viele weibliche Spieler sind Hausfrauen ab 30 Jahren, oder sie arbeiten in Teilzeit. Die fühlen sich nicht als Gamer – was lustig ist, denn sie zocken drei Spiele gleichzeitig und das fünf und mehr Stunden am Tag."

Marktforscher bestätigen, dass es derzeit immer mehr Frauen gibt, die spielen. So hat Flurry.com(öffnet im neuen Fenster) im August 2014 neue Zahlen veröffentlicht, denen zufolge Frauen rund 35 Prozent mehr Zeit mit Mobilegames verbringen und rund 31 Prozent mehr Geld in Apps ausgeben als Männer.

Zu ihrer Leidenschaft für Games bekennen sich die Spielerinnen trotzdem nur ungern. Zwar sprechen sie leidenschaftlich gerne über ihr Hobby – aber fast nur unter Gleichgesinnten. "Man teilt das wie ein sündiges Vergnügen", so Spaans über ihre Kundinnen, von denen ein Großteil in den USA lebt. "Etwa, wenn man auf einem Smartphone-Bildschirm ein bekanntes Game entdeckt hat, oder in entsprechenden Gruppen auf Facebook oder Twitter".

Viele Frauen würden sich unwohl fühlen, weil Gaming in Teilen der Gesellschaft einfach immer noch kein sonderlich hohes Ansehen genieße. Und, weil sie den Eindruck haben, von Männern abgelehnt zu werden, wenn sie als Frau spielen.

Spaans stellt fest, dass es etwa in ihren Hidden-Object-Titeln wichtig sei, die Kundschaft ernst zu nehmen. Eine allzu kindliche oder jugendliche Aufmachung komme gar nicht gut an, und auch "vereinfachte oder nur pink eingefärbte" Männerspiele würden viele Gamerinnen ablehnen – die wollten schon Programme, die speziell für sie entwickelt worden seien.

Allzu große Experimente erwarte die Kundschaft aber nicht, zu abstrakt dürfe es auch nicht zugehen, und allzu schwierig solle das Ganze auch nicht gestaltet sein. Eine einfache Handlung sei hingegen von Bedeutung: "Eine Story ist wichtig, weil frau dann ein bisschen das Gefühl hat, fast so etwas zu machen, wie ein Buch zu lesen. Aber bitte nicht so komplex, dass der Faden nach einer längeren Pause nicht mehr zu finden ist."


Relevante Themen