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Wolfenstein 2 angespielt: Stahlskelett und Erdbeermilch

Widerstandskämpfer B. J. Blazkowicz schlägt zurück: Das Entwicklerstudio Machinegames zeichnet in Wolfenstein 2: The New Colossus eine zynische Zukunftsvision der besetzten USA. Golem.de hat sich beim Anspieltermin erstmals ausführlich mit dem Regime angelegt.

Artikel veröffentlicht am , Olaf Bleich
Wolfenstein 2
Wolfenstein 2 (Bild: Bethesda)

Jedes Spiel des schwedischen Entwicklers Machinegames erscheint wie ein Statement. Das Mitte 2015 veröffentlichte Wolfenstein: The New Order (Test auf Golem.de) war der Neustart des Shooter-Klassikers von id Software. Die Erweiterung Wolfenstein: The Old Blood war eine Art Ehrerbietung gegenüber früheren Zeiten.

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Wolfenstein 2: The New Colossus soll das I-Tüpfelchen der bisherigen Reihe werden. Der auf der E3 (Electronic Entertainment Expo) 2017 präsentierte Titel schließt nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers an und dreht sich um einen ebenso verwundbaren wie zähen B. J. Blazkowicz, der einmal mehr Frau Engel und dem Regime die Stirn bietet.

Zynische Science-Fiction

In der Anfangsphase des Ego-Shooters treffen wir einen schwer angeschlagenen Blazkowicz. Der Einstieg im Rollstuhl spielt sich ungewohnt und intensiv zugleich. Die rund 30 Minuten schaffen Spannung und kratzen am Bild des unzerstörbaren Serienhelden. Seine Kraft erlangt Blazkowicz erst später dank moderner Technik wieder.

  • Wolfenstein 2 in Cinemascope (Screenshot: Bethesda)
  • Wolfenstein 2 in 16:9(Screenshot: Bethesda)
Wolfenstein 2 in Cinemascope (Screenshot: Bethesda)

Im Spielverlauf bekommt er nämlich einen Exo-Anzug, mit dessen Hilfe er schneller, stärker und besser ist als jemals zuvor. Das neu gefundene Körpergefühl setzt Machinegames auch bei der Inszenierung um. Die Kamera wackelt bei Sprints stärker - im Nahkampf reißt es uns gelegentlich gar von den klar erkennbaren Beinen. Der Mann besitzt nun einen virtuellen Körper, was für ein unmittelbares Spielerlebnis sorgt.

Der Exosuit bringt zudem spielerische Vorteile mit sich. Beispielsweise fährt der Soldat später Stelzen aus und erreicht so höhere Ebenen. Welche weiteren Funktionen es geben wird und wie Spieler diese aktivieren, wollte Senior Gameplay Designer Andreas Öjerfors uns noch nicht verraten. "Spieler können später wählen, welche Talente sie freischalten möchten", ließ sich der Schwede nach mehrmaligem Nachfragen lediglich entlocken. Der Exosuit ist die große Unbekannte im Spiel und könnte Wolfenstein 2: The New Colossus stark von seinem Vorgänger absetzen.

Geschichtsstunde mit dem Ku-Klux-Klan

Nach den Geschehnissen des Vorgängerspiels besetzte das Regime die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Rebellen schlagen ihr Hauptquartier in einem alten U-Boot auf und nutzen es als Startpunkt für neue Einsätze. Der Innenraum dient als Hub-Level, in dem wir die Hauptmissionen ebenso wie Nebeneinsätze auswählen. Die Weltkarte zeigt den Status der Rebellion an. Durch Auswählen bereits besuchter Gebiete - also etwa Roswell oder New Orleans - bestreiten wir neue Einsätze unter veränderten Bedingungen.

So variieren dann die Tageszeiten oder das Gegneraufkommen. Diese Missionen sind allerdings optional und haben keinen Einfluss auf die Geschichte. "Spieler befreien so die Sektoren und gehen noch einmal auf die Suche nach versteckten Gegenständen. Außerdem gibt es dafür natürlich auch eine Belohnung", erklärt Andreas Öjerfors im Interview. Spielbar war diese neue Option allerdings noch nicht.

Stattdessen führt uns die in Frankfurt vorgestellte neue Mission nach Roswell, New Mexiko. Eifrige Akte-X-Zuschauer verbinden den beschaulichen Ort natürlich mit einem abgestürzten Alien-Raumschiff. In Wolfenstein 2: The New Colossus befinden sich dort allerdings die Forschungsstation Area 52 und die Kommandozentrale des Regimes. Blazkowicz soll im Energiekern eine Atombombe platzieren und die Anlage hochjagen. Den Sprengsatz verstecken die Rebellen in einem Feuerlöscher und tarnen den Helden als Feuerwehrmann.

Kaum in Roswell angekommen, nimmt uns das Spiel mit seinem tollen, enorm morbiden Szenario gefangen. In den Straßen Roswells finden gerade die Feierlichkeiten anlässlich des Viktoriatags statt. Konfetti fliegt umher, Musik liegt in der Luft und an kleinen Ständen bieten Verkäufer ihre Waren an. Bei näherem Hinsehen entdecken wir aber viele zynische Anspielungen. Die Bücherverkäufer etwa haben fast ausschließlich die Biographie von Frau Engel vorrätig. In einer Seitenstraße beschimpft uns ein betrunkener Geschäftsmann als Vaterlandsverräter und bei der örtlichen Tankstelle diskutieren ein Regime-Soldat und zwei Ku-Klux-Klan-Mitglieder über die Geschichte ihrer Nation.

Als krönenden Abschluss treffen wir in Papa Joe's Dinner auf einen arroganten Kommandanten des Regime, der erst genüsslich seine Erdbeermilch schlürft und uns danach schikaniert. Die Angst, hier aufzufliegen, erinnert stark an die besten Momente des Vorgängers und unterstreicht die Atmosphäre des Spiels.

Bekannte, aber erstklassige Spielmechanik

Endlich in der Area 52 angelangt, erwartet uns die typische Wolfenstein-Spielerfahrung. Vor uns breitet sich eine gewaltige Forschungsanlage aus. Wie wir vorgehen, steht uns frei. Die eigene Spielweise bestimmt, welche Vorteile wir in den Bereichen Heimlichkeit, Taktik und Chaos aktivieren. Fähigkeitenpunkte oder dergleichen gibt es nicht. Stattdessen verbessern wir Waffen mit Hilfe von Kits und entzünden beispielsweise die Granaten des Dieselkraftwerks oder schrauben einen Schalldämpfer auf die Pistole.

Leises Vorgehen bleibt auch im neuen Wolfenstein ein probates Mittel. Erneut müssen wir Generäle mit Hilfe eines Mini-Radars aufspüren und lautlos ausschalten. Gelingt dies nicht, rufen sie nach Verstärkung. Diese taucht nicht allein in Form menschlicher Gegner, sondern auch als Roboterwachen auf. Die Blechdosen sind schwerer gepanzert und besitzen weniger Schwachstellen. Die Laserkraftwerkkanone erwies sich als ideale Gegenmaßnahme. Mit dem roten Strahl brennen wir nicht nur Löcher in bestimmte Wände, sondern schmelzen auch die Panzerung. Dieser Trick kam uns speziell zum Ende des Anspiel-Levels zu Gute.

Nachdem B. J. die Atombombe im Energiekern platziert hatte, tauchte plötzlich ein gewaltiger Mech auf. Auf kurze Distanz zündet das Monstrum den Flammenwerfer, auf Entfernung verschießt es Raketensalven. Praktisch: Das Overpowern der eigenen Spielfigur gehört verstärkt zum Konzept. Sackt unsere Lebensenergie sonst durch Verletzungen auf einen niedrigen Wert ab, hält mit Hilfe von Medikits die gesammelte Gesundheit länger. Dadurch erlaubt Wolfenstein 2: The New Colossus immer wieder schnelle Frontalangriffe, bei denen wir nun auch zwei verschiedene Waffen im Akimbomodus gleichzeitig nutzen oder auf Nahkampfangriffe zurückgreifen. Wir fühlten uns mit der Rambo-Variante extrem wohl und so kam rasch ein wirklich guter Spielfluss auf.

Im Falle des Roboter-Bosses gibt es aber zwei Tricks. Neben seiner Garage parken praktischerweise zwei Lasergeschütze. Diese bemannen wir und zerstören damit seine Arme. Danach segnet er automatisch das Zeitliche. Noch cleverer: Bevor die Bombe explodiert, flüchten wir einfach durch die Notausgangstür und lassen die Maschine zurück. Derartige Wahlmöglichkeiten gibt es aber zumindest zum Ende des Spiels nicht. Laut Andreas Öjerfors handelt es sich bei Wolfenstein 2 um ein lineares Spiel mit lediglich einer Endsequenz.

Wolfenstein 2: The New Colossus erscheint am 27. Oktober 2017 für Windows-PC, Playstation 4 und Xbox One. Die deutsche Version ist im Vergleich zur internationalen Variante geschnitten und enthält keine verfassungsfeindlichen Symbole.



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lanG 01. Aug 2017

Auf welchem Schwierigkeitsgrad hast du gespielt? Klar, es war alles sehr gut machbar und...

Resu Melog 01. Aug 2017

Zitat daraus: "Ausgenommen hiervon sind Handlungen der staatsbürgerlichen Aufklärung...

thecrew 28. Jul 2017

Das heißt ja nicht, das es im finalen Produkt auch so ist. Insgesamt habe ich schon...

D43 28. Jul 2017

Kein Problem, ich bestelle die uk/us version für die ps4. Das klappt immer :)

4dos 28. Jul 2017

Das ist was dran, gut aufgepasst. :)


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