Wochenrückblick: Chaos im Code

Gehackte Defibrillatoren und Streams: die Woche im Video.

Artikel veröffentlicht am , Martin Wolf
Für das Speichern von Streaming-Videos braucht man einen Schlüssel.
Für das Speichern von Streaming-Videos braucht man einen Schlüssel. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Remote Chaos Experience

Unter dem Namen rC3 fand in dieser Woche der Kongress des Chaos Computer Club statt. Themen waren unter anderem Sicherheitslücken in der Medizintechnik. Bei implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren, Herzschrittmachern und Herzfrequenzmessgeräten gebe es etliche Angriffsvektoren, so Sicherheitsforscher auf dem Kongress. Daten hätten ausgelesen und Patienten beispielsweise über die Manipulation therapierelevanter Daten verletzt werden können. Alle gefundenen Sicherheitslücken wurden vor mindestens sechs Monaten an die Hersteller gemeldet.

Auch der Fall Julian Assange wurde auf dem Kongress noch einmal aufgerollt. So gab es neue Informationen darüber, wie der Wikileaks-Gründer und sein Umfeld nach seiner Flucht in die Botschaft von Ecuador weiterhin überwacht wurden. Die Agenten stellten sich dabei teilweise recht amateurhaft an: Sie parkten direkt vor dem Gebäude und lasen ihre ausgedruckten Anweisungen so, dass sie von der Sicherheitskamera erfasst und später entziffert werden konnten.

Kein Kopierschutz beim Streaming

Auf Github ist Code veröffentlicht worden, mit dem sich Videos aus Streamingabos von Disney+, Netflix und Prime Video herunterladen lassen sollen. Mit den Tools lässt sich das Digital Rights Management (DRM) umgehen, um Inhalte von Disney+, Netflix oder Prime Video herunterzuladen. Die frei verfügbaren Skripte sollen in der Lage sein, Videomaterial maximal in HD-Auflösung herunterzuladen. Der Grund liege darin, dass die Content Decryption Module (CDM) fehlten, die für das Herunterladen von 4K-Inhalten benötigt würden. Für den CDM-Zugang verlangt der Programmierer der Skripte Geld. Man solle sich per E-Mail bei ihm melden und erhalte dann die Möglichkeit, die Filme und Serien auch in 4K-Auflösung herunterzuladen. Es wird erwartet, dass die Repositories auf Github durch Strafverfolgungsbehörden entfernt werden.

Alexa-Ärger

Amazons Sprachassistentin hat laut Medienberichten ein 10-jähriges Mädchen dazu aufgefordert, ein Geldstück an einer Steckdose zu elektrisieren. Dies soll im Rahmen der Challenge-Funktion des smarten Lautsprechers Echo stattgefunden haben. Der Dienst hat aber auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: nach internen Dokumenten soll es Jahre geben, in denen 15 bis 25 Prozent der neuen Nutzer bereits ab der zweite Woche ihr Gerät nicht mehr aktiv genutzt haben.

Tesla gesprengt

Weil ihm der Akkutausch zu teuer war, hat ein Finne sein altes Tesla Model S sprengen lassen. Der Eigentümer teilte mit, dass der erste Akku des Teslas kaputtging und ein Drittanbieter ihn austauschte. Der Stromspeicher sei dann erneut kaputtgegangen. Die Reparaturkosten hätten sich auf rund 20.000 Euro summiert.

Klarna vs. DSGVO

Gegen das milliardenschwere Fintech-Unternehmen Klarna sind in der Berliner Datenschutzbehörde mehr Beschwerden aufgelaufen als gegen alle anderen Banken und Versicherungen zusammen. Klarna hat für seine App eine umfangreiche Datenschutzerklärung verfasst. Ausgedruckt in einer PDF-Datei füllt sie mit etwa 14.000 Wörtern rund 60 Seiten.

Expanse mit Mini-Serie

Auf Amazon Prime Video können 25 weitere Minuten von The Expanse angeschaut werden. Allerdings geht das nur mittels X-Ray-Funktion. Bisher können die versteckten Zusatzszenen allerdings nicht auf einem Smart-TV angesehen werden. Stattdessen müssen Fans auf ein Smartphone, Tablet oder PC zurückgreifen. Die letzten sechs Episoden von The Expanse laufen derzeit wöchentlich auf Amazon Prime Video.

Hyundai setzt auf Elektro

Hyundai will die Arbeit an Brennstoffzellenautos vorerst einstellen. Verbrenner-Entwicklung gibt es auch nicht mehr. Das Unternehmen entwickelte seit 1998 seine Brennstoffzellentechnik. Das Auto hätte 2025 auf den Markt kommen sollen. Hyundais neuer Chef für Forschung und Entwicklung teilte der Belegschaft außerdem in einer E-Mail mit, dass die Entwicklung neuer Verbrenner-Motoren eingestellt wird.

Kündigung per Knopf

Ein Kündigungsbutton beim Online-Shopping und kürzere Kündigungsfristen für Verträge: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat kurz vor dem Jahreswechsel auf einige "positive Änderungen" für Verbraucher aufmerksam gemacht, die im Laufe des Jahres 2022 in Kraft treten. Ebenfalls neu seien gleich zu Jahresbeginn umfangreiche Gewährleistungsrechte beim Kauf digitaler Produkte wie E-Books und Software.

Gedrucktes Haus

Zwölf Stunden hat es gedauert, 111 Quadratmeter an Mauern aus Beton zu drucken. Aus dem 3D-Drucker stammen die Außen- und Innenwände des Hauses sowie einige Teile der Terrassenüberdeckung. Gebaut wurde das Haus von der Organisation Habitat for Humanity Peninsula and Greater Williamsburg. Diese verkauft Häuser an Familien mit geringem Einkommen.

Nintendos Netzsperren

Die britische Niederlassung von Nintendo hat in einem Gerichtsverfahren Netzsperren bei mehreren Onlineprovidern durchgesetzt. Die Unternehmen BT, Virgin Media, EE, Plusnet, Sky und Talk Talk müssen den Zugriff auf Anbieter von Spiele-ROMs blockieren. Nach Auffassung von Nintendo handelt es sich um kommerzielle Angebote, weil die Seiten Geld mit Werbung verdienen. Die nun verhängten Netzsperren gelten für zwei Jahre.

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