WLAN-Technik: Wavkong verspricht stabileres WLAN via Kickstarter
Viele Nutzer kennen das Phänomen: Das Smartphone zeigt volle Empfangsbalken, doch die Datenrate lässt zu wünschen übrig. Das Start-up Wavkong(öffnet im neuen Fenster) will dieses Problem mit dem Modell V2700 lösen, das in Kürze auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter als "weltweit erster RPU-gesteuerter Router" vermarktet wird. Die technischen Versprechen sind hoch, eine unabhängige Verifikation der Daten steht jedoch noch aus.
Fokus auf Distanz statt auf Peak-Werte
Nach Ansicht der Entwickler, die zum Teil auf Erfahrungen bei den Bell Labs und Nokia verweisen, hat die Industrie in den letzten Jahren den Fokus falsch gesetzt. Standards wie Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7 seien auf theoretische Spitzenraten unter Idealbedingungen optimiert worden, so Wavkong. In realen Wohnumgebungen mit Wänden und Interferenzen sinke die Performance dennoch rapide. Das Team gibt an, sechs Jahre an einer sogenannten Radio Processing Unit (RPU) gearbeitet zu haben, um die Stabilität über Distanz zu verbessern.
Digital Pre-Distortion: Bewährte Technik als Innovation?
Das Kernstück der Vermarktung bildet die Digital Pre-Distortion (DPD). Wavkong stellt dieses Verfahren als einen Transfer aus der 5G-Infrastruktur und Satellitenkommunikation dar. Dabei wird das Signal bereits vor der Aussendung korrigiert, um Verzerrungen auszugleichen.
Kritisch zu betrachten ist dabei die Darstellung als Neuheit: DPD ist in der Nachrichtentechnik ein etabliertes Verfahren und findet bereits in modernen Wi-Fi-5- und Wi-Fi-6-Chipsätzen Anwendung, um die Linearität der Leistungsverstärker zu verbessern. Die Innovation von Wavkong läge somit – sofern die Versprechen halten – eher in einer effizienteren Implementierung oder einer höheren Rechenleistung der dedizierten RPU, nicht in der Erfindung des Verfahrens selbst.
Vorsicht bei Crowdfunding-Versprechen
Der Wavkong V2700 soll laut internen Tests bei mittleren Distanzen eine drei- bis zehnfache Steigerung der Datenrate gegenüber herkömmlichen Geräten erzielen. Dabei konzentriert sich die Hardware auf die klassischen 2,4-GHz- und 5-GHz-Bänder.
Trotz der Angabe, dass bereits Zehntausende Chips produziert wurden, bleibt bei solchen Kampagnen Skepsis angesagt. Hochtrabende technische Versprechen ohne unabhängige Benchmarks sind bei Crowdfunding-Projekten keine Seltenheit. Ob die RPU tatsächlich einen spürbaren Vorteil gegenüber den integrierten Lösungen etablierter Chip-Hersteller bietet, lässt sich erst nach unabhängigen Labortests beurteilen.



