Withings U-Scan Nutrio im Test: Technik fürs Klo
Manchmal bekommen wir Testanfragen, die zu kurios sind, um sie nicht anzunehmen. Eine solche ist der Withings-U-Scan Nutrio-Urinscanner, der wortwörtlich fürs Klo ist. Das Design des kreisrunden Geräts lässt uns unweigerlich an die Muschelfrage aus Demolition Man denken und vermittelt einen sauberen und hygienischen Eindruck.
Der U-Scan hat einen Durchmesser von 9 cm und ist knapp 3 cm dick, was in einer Toilettenschüssel deutlich mehr Raum einnimmt als ein einfacher Toilettenstein. Die erste Aufgabe für den gesundheitsorientierten Anwender besteht darin, aus drei Klammern die für den eigenen Abort passende Halterung zu ermitteln.
Anschließend kann der U-Scan Nutrio in der mitgelieferten Reinigungs- und Aufbewahrungsbox kontaktlos geladen werden. Diese Zeit nutzen wir, um uns mit der Withings-App vertraut zu machen. Sie führt uns unkompliziert durch den Einrichtungsprozess und verbindet das Gerät via Bluetooth und WLAN mit unserem Netzwerk. Für die Verwendung muss ein kostenloses Nutzerkonto angelegt werden.
22 Messungen pro Kartusche
Im nächsten Schritt werden wir dazu aufgefordert, die Messkartusche einzusetzen. Das geht alles unkompliziert. Auch die Ausrichtung übernimmt das Gerät mittels eines kleinen Motors selbst, nachdem wir den Deckel wieder geschlossen haben. Letzterer ist mit Dichtungsringen ausgestattet und erscheint uns geeignet dafür, Flüssigkeiten nur dorthin kommen zu lassen, wohin sie auch kommen sollen.
Mit einer Kartusche können wir 22 Messungen durchführen, danach muss sie ersetzt werden. Mit jeder Messung ermittelt der U-Scan die Hydration, den pH-Wert, Ketone und den Vitamin-C-Gehalt im Urin. Eine andere Version des U-Scan, der U-Scan Calci, kann auch den Kalziumwert messen.
20 Minuten vom Test bis zum Ergebnis
Durch den manuellen Start der Messung kann der U-Scan auch in der Toilette bleiben, wenn sie von anderen Personen benutzt wird. Laut Withing soll zu einem späteren Zeitpunkt aber auch eine Funktion hinzukommen, die Messungen automatisch startet.
Wir starten eine Messung in der App, woraufhin der U-Scan zwei Minuten darauf wartet, dass er von einem Strahl getroffen wird. Unsere Skepsis, ob die kleine Öffnung an der Unterseite des recht großen Geräts auch wirklich ausreicht, um eine Urinprobe zu nehmen, erwies sich als unbegründet. Ist das Werk vollbracht, dauert es circa 20 Minuten, bis die Auswertung in der Withings-App erscheint.
Mäßige Aussagekraft
Die erste erleichternde Erkenntnis: Alle Werte sind im grünen Bereich. Die zweite Erkenntnis: Das wussten wir aber auch vorher schon.
Dass sich Flüssigkeitshaushalt und pH-Wert morgens zum Beispiel etwas schlechter darstellen als nachmittags, wenn wir schon ausreichend getrunken haben, erkennen wir auch durch eine Sichtprobe. Ketone entstehen, wenn dem Körper nicht ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen; sie können Auskunft über den Fettstoffwechsel geben.
Werte ohne Abo einsehbar
Der Zweck der Vitamin-C-Messung erscheint uns fraglich, weil das Vitamin vom Körper eigentlich nur dann ausgeschieden wird, wenn zu viel davon aufgenommen wurde. Ich weiß also dank des U-Scans lediglich, ob ich zu viel Vitamin C eingenommen habe.
Positiv ist zu bewerten, dass wir all das einsehen können, ohne uns ein Withings+-Abo zulegen zu müssen. Mit dem Abo erhalten Nutzer weiterführende Zusammenfassungen und Analysen der gesammelten Gesundheitsdaten. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn auch noch andere Withings-Geräte, zu denen smarte Körperwaagen, Fitnessuhren, Blutdruckmessgeräte, Schlaftracker und intelligente Stethoskope gehören, verwendet werden.
Die Reinigung
Laut Withings ist der U-Scan so konzipiert, dass er bei jeder Toilettenspülung abgespült wird. Das funktionierte bei unserem WC nicht vollständig, wodurch an der Oberseite des Geräts immer etwa ein Drittel der Fläche nicht mit Wasser in Kontakt kam. Für die manuelle Reinigung soll eine milde Seife verwendet werden.
Nach spätestens drei Monaten oder vor einem Kartuschenwechsel meldet die Withings-App einen gründlichen Reinigungsbedarf an. Hierfür muss das mitgelieferte Reinigungsmittel mit lauwarmem Wasser gemischt und die Aufbewahrungsbox damit gefüllt werden. Anschließend wird der U-Scan in die Box gehängt und der Reinigungsprozess via App gestartet. Der gesamte Vorgang nimmt dreieinhalb Stunden in Anspruch.
Verfügbarkeit und Fazit
Withings verkauft den von uns getesteten U-Scan Nutrio inklusive einer Kartusche für 350 Euro auf der Hersteller-Webseite(öffnet im neuen Fenster). Wer direkt zwei Kartuschen im Lieferumfang haben möchte, zahlt 430 Euro. Der Versand neuer Kartuschen erfolgt ausschließlich automatisch im Abo und richtet sich nach der gewählten Testhäufigkeit.
Für jede Nachfüllpackung werden inklusive Versand 100 Euro verlangt. Bei zwei Messungen pro Woche findet der Versand alle drei Monate statt, bei vier Messungen pro Woche alle sechs Wochen. Das Withings+-Abo ist darin ebenfalls enthalten und kostet sonst einzeln 10 Euro pro Monat oder 100 Euro im Jahr.
Fazit: Überschaubarer Erkenntnisgewinn
Technisch ist der U-Scan Nutrio gut umgesetzt, auch Einrichtung und Bedienung bereiteten uns keinerlei Probleme. Dass es sich um ein hochwertiges Gerät handelt, das genau das macht, was es soll, steht außer Frage.
Uns lässt aber der Gedanke nicht los, wer sich ein solch relativ teures Produkt zulegen sollte, dessen ermittelte Daten zudem eher weniger als mehr Aufschluss über den Gesundheitszustand geben. Ein Beispiel könnten Personen sein, die eine ketogene Diät durchführen wollen. Das sollte aber ohnehin nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Wer sich aus anderen gesundheitlichen Gründen mit der Einhaltung der vier genannten Messwerte beschäftigen will oder muss, sollte für sich selbst die Aussagekraft der ermittelten Werte hinterfragen und abwägen, ob sie in einem angemessenen Verhältnis zum Preis steht.
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