Abo
  • Services:
Anzeige
Musikhandschuh MMT: Staunen über das Maß der Verbesserung
Musikhandschuh MMT: Staunen über das Maß der Verbesserung (Bild: Georgia Tech)

Wissenschaft: Musikhandschuh hilft bei Rückenmarksverletzung

Musikhandschuh MMT: Staunen über das Maß der Verbesserung
Musikhandschuh MMT: Staunen über das Maß der Verbesserung (Bild: Georgia Tech)

Ein Handschuh, der vibriert, wenn ein Ton auf dem Klavier angeschlagen wird, erleichtert nicht nur das Klavierspielenlernen. Er hilft auch Probanden mit einer Rückenmarksverletzung dabei, zu greifen und zu fühlen.

Ein vibrierender Handschuh, der ursprünglich dafür entwickelt wurde, das Klavierspiel zu verbessern, hat sich in der Therapie von Rückenmarksverletzungen bewährt: Die Träger konnten nach einem achtwöchigen Test deutlich besser greifen und fühlen.

Mobile Music Touch (MMT) ist ein Halbhandschuh, auf dessen Rücken ein kleines Kästchen sitzt. In den kurzen Fingeransätzen sind Vibratoren angebracht. Der Handschuh wird zusammen mit einem speziellen Klavier genutzt, dessen Tasten aufleuchten. Dem Musikschüler wird vom Computer oder einem MP3-Player eine neue Melodie vorgespielt. Dabei leuchten die angeschlagenen Tasten auf. Gleichzeitig vibriert der Finger, der spielen soll.

Anzeige

Einsatz in der Reha

Ihnen sei die Idee gekommen, diesen Handschuh für die Rehabilitation von Patienten mit Tetraplegie einzusetzen, berichten die Forscher von Georgia Institute of Technology (Georgia Tech). Diese haben aufgrund einer Rückenmarksverletzung Einschränkungen bei der Sensorik und der Motorik.

  • In dem Musikhandschuh stecken Vibratoren, die anzeigen welcher Finger spielen soll.  (Foto: Georgia Tech)
  • In der Studie mit den Probanden mit den Rückenmarksverletzungen wurde das System auch passiv angewandt. (Foto: Georgia Tech)
  • Nach acht Wochen konnten sie besser greifen und fühlen als vor dem Test. (Foto: Georgia Tech)
In dem Musikhandschuh stecken Vibratoren, die anzeigen welcher Finger spielen soll. (Foto: Georgia Tech)

Die Forscher ließen eine Gruppe mit Probanden während des achtwöchigen Projekts jeden Tag eine halbe Stunde lang Klavier spielen. Die eine Hälfte der Teilnehmer erhielt einen MMT, die anderen nicht. Die MMT-Nutzer trugen den Handschuh zudem an fünf Tagen jeweils zwei weitere Stunden. Dabei wurden ihnen Vibrationen eingespielt, ohne dass sie diese am Klavier reproduzierten. In früheren Studien hatte sich gezeigt, dass die MMT-Träger bei einer solchen passiven Nutzung Stücke schneller erlernten und besser behielten.

Fühlen und greifen

In der Studie zeigte sich, dass die passive Nutzung auch einen heilenden Effekt hatte: Die Probanden lernten dabei nicht nur das Klavierspielen. Sie konnten auch mehr fühlen. Nach Abschluss der Studie ließen die Forscher die Probanden verschiedene Greif- und Fühltests durchführen. Dabei erzielte die Gruppe, die den MMT bekommen hatte, deutlich bessere Ergebnisse als die andere, die ohne den Handschuh Klavier spielte.

Einige der Probanden hätten Gegenstände besser greifen können, erzählt Projektleiterin Tanya Markow. Ein anderer habe berichte, er fühle die Wärme einer Kaffeetasse sofort und nicht mit Verzögerung. "Wir waren überrascht, welche Verbesserungen sie während unserer Studie erzielten", resümiert Markow. "Einige Probanden konnten, nachdem sie den Handschuh getragen hatten, zum ersten Mal seit ihrer Verletzung wieder die Textur ihrer Bettdecke oder ihrer Kleider fühlen." Die Verletzung lag bei den Probanden schon ein mindestens Jahr zurück - nach dieser Zeit zeigen die Betroffenen meist nur noch wenig Verbesserungen.

Vibrationen wecken Gehirn

Markow vermutet, dass die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten durch eine Anregung bestimmter Hirnregionen verursacht wird, die nach einer Rückenmarksverletzung in Untätigkeit verfallen können. Die Vibration rege den für die Hand zuständigen sensorischen Cortex an, der wiederum den motorischen Cortex anrege, lautet ihre Hypothese. Diese will sie mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (Functional Magnetic Resonance Imaging, fMRI) überprüfen.

Der vibrierende Musikhandschuh wurde 2008 am Georgia Tech entwickelt. Thad Starner von der School of Interactive Computing am Georgia Tech kam auf die Idee, ihn auch in der Therapie einzusetzen. Die Geräte, die normalerweise für die Handrehabilitation eingesetzt würden, seien eher langweilig und gäben keine Rückmeldung oder gar eine Belohnung. Da sei MMT ganz anders. "Das ist ein tolles Beispiel dafür, wie Wearable Computing das Leben der Menschen verändern kann."


eye home zur Startseite
DASPRiD 18. Jul 2012

Würde mich nicht wundern, wenn der Handschuh zukünftig registrieren muss, wann man eine...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. GiPsy Software Solutions GmbH, Asbach
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Vaihingen
  3. beauty alliance Deutschland GmbH & Co. KG, Bielefeld
  4. Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Schweinfurt


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. bei Caseking

Folgen Sie uns
       


  1. Samyang

    Schnelles Weitwinkelobjektiv für Sonys FE-Kameras

  2. USB-C

    DxO zeigt Ansteckkamera für Android-Smartphones

  3. SSD

    Samsungs 860 Evo und 970/980 gesichtet

  4. Elektroauto

    Schweißprobleme beim Tesla Model 3 möglich

  5. Streaming

    Netflix gewinnt weiter Millionen Neukunden

  6. Zusammenlegung

    So soll das Netz von O2 einmal aussehen

  7. Kohlendioxid

    Island hat ein Kraftwerk mit negativen Emissionen

  8. Definitive Edition

    Veröffentlichung von Age of Empires kurzfristig verschoben

  9. Elex im Test

    Schroffe Schale und postapokalyptischer Kern

  10. Raven Ridge

    HP bringt Convertible mit AMDs Ryzen Mobile



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Cybercrime: Neun Jahre Jagd auf Bayrob
Cybercrime
Neun Jahre Jagd auf Bayrob
  1. Antivirus Symantec will keine Code-Reviews durch Regierungen mehr
  2. Verschlüsselung Google schmeißt Symantec aus Chrome raus
  3. Übernahme Digicert kauft Zertifikatssparte von Symantec

Verschlüsselung: Niemand hat die Absicht, TLS zu knacken
Verschlüsselung
Niemand hat die Absicht, TLS zu knacken
  1. TLS-Zertifikate Zertifizierungsstellen müssen CAA-Records prüfen
  2. Apache-Lizenz 2.0 OpenSSL-Lizenzwechsel führt zu Code-Entfernungen
  3. Certificate Transparency Webanwendungen hacken, bevor sie installiert sind

ZFS ausprobiert: Ein Dateisystem fürs Rechenzentrum im privaten Einsatz
ZFS ausprobiert
Ein Dateisystem fürs Rechenzentrum im privaten Einsatz
  1. Librem 5 Purism zeigt Funktionsprototyp für freies Linux-Smartphone
  2. Pipewire Fedora bekommt neues Multimedia-Framework
  3. Linux-Desktops Gnome 3.26 räumt die Systemeinstellungen auf

  1. Re: 900 Tonnen bei 100$ pro Tonne?

    TobiVH | 09:58

  2. Release um 18:00?

    p4m | 09:57

  3. Re: schnell gelangweilt

    Sea | 09:55

  4. Microsoft hat bereits am 10. Oktober geptacht...

    ikkerus | 09:54

  5. Re: "Schnell"?

    Snooze1702 | 09:53


  1. 09:11

  2. 08:55

  3. 07:37

  4. 07:27

  5. 23:03

  6. 19:01

  7. 18:35

  8. 18:21


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel