Abo
  • Services:

Wissenschaft: Massenweise unsinnige Publikationen zurückgezogen

Wissenschaftsverlage müssen zahlreiche veröffentlichte Publikationen zurückziehen. Sie wurden von einem Computerprogramm generiert, das eigentlich nur ein Scherz sein sollte.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Nonsens-Papers wie dieses schafften es in wissenschaftliche Tagungsbände.
Nonsens-Papers wie dieses schafften es in wissenschaftliche Tagungsbände. (Bild: IEEE)

TIC - eine Methode für die Konstruktion von E-Commerce, so ist ein wissenschaftliches Paper überschrieben, das offenbar 2013 auf einer Fachkonferenz in China vorgestellt wurde. Doch wer versucht herauszufinden, was TIC eigentlich ist, wird sich wundern. Das Paper ist lediglich eine sinnlose Aneinanderreihung von Sätzen und Begriffen aus der Informatik, die jedoch in keinerlei Zusammenhang stehen. Das dürfte einem fachkundigen Leser bereits auffallen, wenn er versucht, den ersten Satz zu verstehen.

Stellenmarkt
  1. Bertrandt Ingenieurbüro GmbH, Köln
  2. Home Shopping Europe GmbH, Ismaning Raum München

Trotzdem wurde dieses Paper mit Hilfe der IEEE veröffentlicht, ein weltweiter Berufsverband von Ingenieuren, der auch wissenschaftliche Publikationen bereitstellt. Der Tagungsband der Konferenz im chinesischen Chengdu wurde von der IEEE publiziert. Wie die Webseite der Zeitschrift Nature berichtet, fand der französische Wissenschaftler Cyril Labbé in den vergangenen Jahren über hundert derartige Nonsens-Texte in den Veröffentlichungen wissenschaftlicher Fachverlage. Neben der IEEE ist der Heidelberger Springer-Verlag für zahlreiche derartige Publikationen verantwortlich.

Unterhaltung statt Kohärenz

Das Paper ist wie viele andere vermutlich mit dem Programm SCIgen erstellt. "Unser Ziel ist es, Unterhaltung zu maximieren statt Kohärenz" - so beschreiben die am Massachusets Institute of Technology (MIT) arbeitenden Autoren von SCIgen ihr Projekt, das es bereits seit 2005 gibt. Auf der Webseite kann man beliebige Namen eintragen und erhält anschließend eine täuschend echt aussehende wissenschaftliche Informatikpublikation mit Schaubildern und Zitaten. Der Quellcode von SCIgen ist unter einer freien Lizenz verfügbar, jeder kann sich also selbst einen derartigen Paper-Generator basteln.

Mit SCIgen wollten die MIT-Forscher darauf aufmerksam machen, dass viele wissenschaftliche Fachkonferenzen die Einreichungen kaum prüfen. Die Wissenschaftswelt wird in den vergangenen Jahren von einer Menge fragwürdiger Konferenzen und auch Publikationen heimgesucht, meist stecken finanzielle Motive dahinter. Die Ausrichter solcher Konferenzen versuchen oft mit Hilfe von Spammails, Beiträge für ihre Konferenz zu finden und somit andere Wissenschaftler zur kostenpflichtigen Teilnahme zu bewegen. Ähnlich versuchen auch fragwürdige Publikationen, Geld zu verdienen: Im Bereich sogenannter Open-Access-Publikationen, die kostenlos im Internet lesbar sind, ist es oft üblich, dass Wissenschaftler dafür zahlen, wenn ihre Texte veröffentlicht werden.

Geld für Nonsens

Der Nature-Artikel weist aber auch darauf hin, dass das Problem unseriöser Publikationen anders als manchmal dargestellt kein Problem der Open-Access-Welt ist. Sämtliche von Cyril Labbé gefundenen, mit SCIgen erstellten Papers wurden in zahlungspflichtigen Publikationen veröffentlicht.

Bei seriösen Konferenzen und Publikationen würde Nonsens wie der von SCIgen generierte sofort auffallen. Denn das sogenannte Peer-Review ist ein zentraler Teil wissenschaftlichen Arbeitens. Jede Veröffentlichung wird vorher von anderen Wissenschaftlern geprüft.

Cyril Labbé hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem sich von SCIgen erstellte Publikationen automatisiert finden lassen. Möglicherweise handelt es sich hier aber nur um die Spitze des Eisbergs. Labbé selbst sagt, dass er längst nicht alle wissenschaftlichen Publikationen überprüft hat. Auch erkennt sein Algorithmus nur Veröffentlichungen des speziellen Programms SCIgen. Andere Nonsens-Publikationen entdeckt er nicht.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 120,84€ + Versand
  2. ab 349€
  3. bei Alternate.de

Sarowie 02. Mär 2014

Diese Form von Paper wird von einer ganz eigenen Unterart von Menschen erzeugt...

Sarowie 02. Mär 2014

Die Hochschule kann die Wissenschaftliche Produktivität einzelner Professoren an...

Sarowie 02. Mär 2014

Werde Politiker in der zweiten Reihe, also irgendwo weiter hinten auf der Liste, aber...

mnementh 28. Feb 2014

Im Neuland! Wir brauchen dringend Gesetze die diesem Tagmissbrauch ein Ende bereiten...

skchang 27. Feb 2014

Daran liegt es nicht. Es gibt sicherlich viele Publikationen die nicht einfach zu...


Folgen Sie uns
       


Golem.de ist Kratos - God of War (Live, keine Spoiler)

Die Handlung verraten wir nicht, trotzdem wollen wir das andersartige neue God of War besprechen. Zu diesem Zweck haben wir eine stellvertretende Mission herausgesucht, in der es nicht um die primäre Handlung geht. Ziel ist es, den Open-World-Ansatz zu zeigen, das Kampfsystem zu erklären und die Spielmechaniken zu verdeutlichen.

Golem.de ist Kratos - God of War (Live, keine Spoiler) Video aufrufen
BeA: Rechtsanwaltsregister wegen Sicherheitslücke abgeschaltet
BeA
Rechtsanwaltsregister wegen Sicherheitslücke abgeschaltet

Das deutsche Rechtsanwaltsregister hat eine schwere Sicherheitslücke. Schuld daran ist eine veraltete Java-Komponente, die für einen Padding-Oracle-Angriff verwundbar ist. Das Rechtsanwaltsregister ist Teil des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs, war aber anders als dieses weiterhin online.
Eine Exklusivmeldung von Hanno Böck

  1. BeA Secunet findet noch mehr Lücken im Anwaltspostfach
  2. EGVP Empfangsbestätigungen einer Klage sind verwertbar
  3. BeA Anwälte wollen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einklagen

Oracle vs. Google: Dieses Urteil darf nicht bleiben
Oracle vs. Google
Dieses Urteil darf nicht bleiben

Im Fall Oracle gegen Google fällt ein eigentlich nicht zuständiges Gericht ein für die IT-Industrie eventuell katastrophales Urteil. Denn es kann zu Urhebertrollen, Innovationsblockaden und noch mehr Milliardenklagen führen. Einzige Auswege: der Supreme Court oder Open Source.
Eine Analyse von Sebastian Grüner

  1. Oracle gegen Google Java-Nutzung in Android kein Fair Use

Dell XPS 13 (9370) im Test: Sehr gut ist nicht besser
Dell XPS 13 (9370) im Test
Sehr gut ist nicht besser

Mit dem XPS 13 (9370) hat Dell sein bisher exzellentes Ultrabook in nahezu allen Bereichen überarbeitet - und es teilweise verschlechtert. Der Akku etwa ist kleiner, das spiegelnde Display nervt. Dafür überzeugen die USB-C-Ports, die Kühlung sowie die Tastatur, und die Webcam wurde sinnvoller.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Ultrabook Dell hat das XPS 13 ruiniert
  2. XPS 13 (9370) Dells Ultrabook wird dünner und läuft kürzer
  3. Ultrabook Dell aktualisiert XPS 13 mit Quadcore-Chip

    •  /