Modelle zeigen, dass Iter funktionieren wird

Jet verwendete ursprünglich besonders hitzeresistente Wände aus Graphit. Die hatten sich zwar im experimentellen Plasmabetrieb bewährt, nahmen aber zu viel Wasserstoff auf, um für den dauerhaften Betrieb eines Fusionsreaktors geeignet zu sein. Jet wurde deshalb mit neuen Wänden und einem Plasmadivertor aus Wolfram und Beryllium ausgestattet, auch neue Plasmaheizung und Messeinrichtungen kamen hinzu. So lässt sich nun auch der äußerste Rand des Plasmas vermessen.

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Ein großer Teil der Technik wurde dabei bereits in Garching im noch kleineren ASDEX Upgrade Tokamak getestet. Die Benutzung des neuen Wandmaterials stellte dabei eine große Herausforderung dar, da es das Plasma verunreinigte und es durch Kollisionen des Wasserstoffbrennstoffs mit den schweren Wolframatomen zu Energieverlusten kam. Die leichteren Kohlenstoffatome waren weniger problematisch. Aber diese Schwierigkeiten konnten mit mehr Erfahrung gelöst werden. Verunreinigungen mit Beryllium konnten sogar zur Plasmaheizung verwendet werden.

Altes Personal gibt Erfahrung an Jüngere weiter

Die Ergebnisse bestätigen vor allem, dass die Materialien für den Betrieb von Iter geeignet sind und die gemessenen Leistungswerte den zuvor modellierten Werten entsprechen, wie die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen. Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen diente die Fusionskampagne von Jet aber noch einem anderen Zweck: Sie bot die Möglichkeit, Erfahrung im Bau und Betrieb eines Fusionsreaktors zu sammeln.

Die letzte Fusionskampagne mit dem radioaktiven Tritium im Reaktor ist inzwischen 25 Jahre her. Das damals beteiligte Personal konnte noch praktische Erfahrungen einbringen und mit neuen Mitgliedern teilen. Beim derzeit geplanten Start der Fusionskampagne von Iter im Jahr 2035 wären sie wohl durchweg in Rente gewesen. Die Erhaltung und Weitergabe des gesammelten Wissens ist eine wichtige Aufgabe, die nur durch praktische Arbeit gelingen kann. Ob das an Jet auch weiterhin möglich sein wird, ist fraglich.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Brexit gefährdet Weiterbetrieb von Jet

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Der Joint European Torus steht in Großbritannien, das sich in der Zwischenzeit von Europa gelöst hat. Durch den Brexit sind auch die Verträge mit der europäischen Atomgemeinschaft, Euratom, erloschen. Der Betrieb von Jet ist nur noch bis September finanziert, bis dahin sollen weitere Messkampagnen mit Heliumplasma durchgeführt werden. Ohne ein Nachfolgeabkommen ist die Zukunft des Reaktors stark gefährdet.

Der Bau von Iter scheint hingegen gesichert zu sein und die Ergebnisse von Jet bestätigen, dass die angestrebte Leistung nicht durch die neuen Materialien der Wände und des Divertors gefährdet wird. Allerdings entsprechen einige Teile des Reaktors, dessen Planung bereits in den 1980er Jahren begann, längst nicht mehr dem Stand der Technik.

Private Firmen wie die amerikanische Commonwealth Fusion wollen kleinere Tokamak-Reaktoren mit stärkeren Magnetfeldern durch bessere Supraleiter bauen und dabei ähnliche Bedingungen wie in Iter in kürzerer Bauzeit zu viel niedrigeren Kosten erreichen. Genau wie Iter soll der Sparc-Reaktor 2025 in Betrieb gehen. Zumindest die Physik steht ihnen dabei nicht im Wege. Ob die nächsten Fusionsrekorde tatsächlich von Iter aufgestellt werden, kann deshalb durchaus bezweifelt werden.

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 Wissenschaft: Joint European Torus erzeugte 59 Megajoule aus Kernfusion
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t0ejammer 20. Feb 2022

GROWIAN ist nicht ganz der richtige Vergleich. Da hat man von 0 auf 100 gebaut und im...

Dwalinn 11. Feb 2022

2050 müssen wir aber unseren co2 Ausstoß bereits so stark gesenkt haben damit die Domino...

Dwalinn 11. Feb 2022

In letzter Zeit ist der Kostenfaktor zu einen sehr wichtigen Punkt geworden, lese ich...



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