Wenig Zeit, Personal und Fachkompetenz

Prominente Wissenschaftsjournale können durch die Auswahl ihrer Papers darauf verweisen, dass die wichtigste Forschung dort stattfindet. Veröffentlichungen in Nature oder Science gelten als wichtiger Schritt in der Karriere von Wissenschaftlern und werden auch zur Geldverteilung an Lehrstühle, Forschungszentren und ganzen Universitäten herangezogen. Die teils krassen Fehlleistungen der besonders prominenten Journale und die schon erwähnte Unzuverlässigkeit ihrer Ergebnisse wird dabei aber selten berücksichtigt.

Stellenmarkt
  1. Senior Engineer Software Architecture (m/w/d)
    Continental AG, Frankfurt am Main
  2. Datenschutzkoordinator (m/w/d) - IT
    HSBC, Düsseldorf
Detailsuche

Fehlleistungen kommen zustande, weil die Redaktion der Journale keine angemessene eigene fachliche Kompetenz hat. Nach eigener Aussage der Webseite von Nature müssen bei Nature gerade einmal 280 Mitarbeiter jährlich über 50.000 wissenschaftliche Papers bearbeiten, was zu viel für eine gewissenhafte Überprüfung ist, selbst wenn die Mitarbeiter mit allen relevanten Feldern vertraut wären. Die Paper werden deshalb im Peer-Review-Verfahren geprüft. Dabei werden sie anderen Wissenschaftlern aus dem gleichen Feld zur Beurteilung vorgelegt. Diese bleiben anonym und unbezahlt und müssen diese Arbeit neben ihrem restlichen Arbeitspensum erledigen.

Der Prozess ist problematisch. Da Redakteuren der Wissenschaftsjournale meistens schlicht die nötige Arbeitszeit und eigene Expertise fehlt, sind sie auf Listen von Wissenschaftlern in dem Feld oder Autoren der im Paper genannten Quellen angewiesen. Besonders in kleinen Forschungsfeldern führt das zu Interessenkonflikten, bei denen sich einander gut bekannte Forscher gegenseitig beurteilen, auch wenn sie nicht in der gleichen Universität oder dem gleichen Land arbeiten.

Dabei können Paper von Konkurrenten absichtlich schlecht beurteilt werden oder minderwertige Paper eine positive Beurteilung bekommen, um die Veröffentlichung zu ermöglichen. Denn in der Beurteilung der Arbeit durch die Vorgesetzten zählen vor allem die Zahl der veröffentlichten Paper und das Journal - nicht aber dessen Inhalt.

Golem Akademie
  1. LPI DevOps Tools Engineer – Prüfungsvorbereitung: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    21./22.07.2022, Virtuell
  2. Hands-on C# Programmierung: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    09./10.06.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Das Ergebnis sind immer wieder fehlerhafte Veröffentlichungen, vor allem bei der Suche nach großen Sensationen. Die Wissenschaftsverlage lassen sich dabei für jeden Schritt der Publikation sehr hoch bezahlen, sowohl für die Annahme als auch für das Lesen des Papers.

Hohe Profitraten schließen die Öffentlichkeit von der Wissenschaft aus

Typischerweise kostet der Download eines Papers rund 30 bis 40 Euro. Nur wer in Universitäten eingeschrieben ist oder dort arbeitet, kann sich über deren abgeschlossene Abos ernsthafte Recherchen leisten. In Universitäten ärmerer Länder gibt es die Abos nicht. Das Vorgehen ermöglicht den Verlagen äußerst hohe Profitraten im Bereich von 40 Prozent, die etwa durch mehr Personal für eigene Kontrollen der Paper viel niedriger ausfallen würden.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Dabei handelt es sich größtenteils um steuerlich finanzierte Forschung, die mit der Publikation für die Öffentlichkeit unbezahlbar und de facto unzugänglich wird. Die hohen Profitraten sind, wenn man sich die Qualität der Arbeit der Verlage ansieht, nicht gerechtfertigt und richten nach Ansicht vieler Wissenschaftler wegen ihrer auf Sensationen und möglichst viele Zitate ausgerichteten Berichterstattung großen Schaden in der Wissenschaft an.

Initiativen wie Sci-Hub der kasachischen Wissenschaftlerin Alexandra Elbakyan versuchen wenigstens, den Zugang zu wissenschaftlichen Papers zu ermöglichen, denn noch immer wird nur ein Bruchteil auf frei zugänglichen Pre-Print-Servern veröffentlicht. Sie operieren dabei aber entgegen dem geltenden Urheberrecht. Gleichzeitig gibt es noch immer wenig Abhilfe aus der Politik, die weder die Ansprüche der Bevölkerung auf öffentlichen Zugang zu steuerfinanzierter Forschung anerkennt und gesetzlich durchsetzt noch die Notwendigkeit des freien Zugangs zu Forschungsergebnissen für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft erkannt hat.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Sprachliche Tricks sollen von schlechten Zahlen ablenken
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Gunstick 14. Jun 2021

Graphen Aluminium Ionen Akkus Also so richtig zum kaufen. Nicht irgendwelche Labor...

Mike4444 14. Jun 2021

Ich sehe Predatory Journals nicht als ein großes Problem an. Lästig vielleicht durch den...

ultim 13. Jun 2021

Ich kann über alles was du geschrieben hast 100% zustimmen, IMHO das Problem bei dem...

Eheran 12. Jun 2021

Das sind 30 % der Nominalkapazität*. Von 100 auf 70 %. *Heißt das beschriebene wirklich...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Strange New Worlds Folge 1 bis 3
Star Trek - The Latest Generation

Strange New Worlds kehrt zu episodenhaften Geschichten zurück und will damit Star-Trek-Fans alter Schule abholen. Das gelingt mit Bravour. Achtung, Spoiler!
Eine Rezension von Oliver Nickel

Strange New Worlds Folge 1 bis 3: Star Trek - The Latest Generation
Artikel
  1. LTE-Patent: Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland
    LTE-Patent
    Ford droht Verkaufs- und Produktionsverbot in Deutschland

    Ford fehlen Mobilfunk-Patentlizenzen, weshalb das Landgericht München eine drastische Entscheidung gefällt hat. Autos droht sogar die Vernichtung.

  2. Flowcamper: Elektro-Wohnmobil Frieda Volt auf VW-Basis vorgestellt
    Flowcamper
    Elektro-Wohnmobil Frieda Volt auf VW-Basis vorgestellt

    Das elektrische Wohnmobil Frieda Volt basiert auf einem umgebauten Volkswagen T5 oder T6 und ist mit einem 72-kWh-Akku ausgerüstet.

  3. Katastrophenschutz: Cell Broadcast funktioniert nur auf jedem fünften Handy
    Katastrophenschutz
    Cell Broadcast funktioniert nur auf jedem fünften Handy

    Der bundesweite Test zur Versendung von Warn-SMS soll verschoben werden. Zu wenig Geräte können die Technik bislang einsetzen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Borderlands 3 gratis • CW: Top-Rabatte auf PC-Komponenten • Inno3D RTX 3070 614€ • Crucial P5 Plus 2 TB 229,99€ • Preis-Tipp: Kingston NV1 2 TB 129,90€ • AVM FRITZ!Repeater 1200 AX 69€ • MindStar (u. a. Palit RTX 3050 339€) • MMOGA (u. a. Total War Warhammer 3 29,49€) [Werbung]
    •  /