Sprachliche Tricks sollen von schlechten Zahlen ablenken

Natürlich könnten die Autoren darauf verweisen, dass eine frisch zusammengebaute Batterie in der Tat die angegebenen 460 bis 530 Wh/kg liefern wird, wenn sie vollständig entladen wird - wie jede einfache Zink-Luft-Batterie in einem Hörgerät auch. Allerdings ist der vorgestellte Akku kaum noch als Akku tauglich, wenn er einmal so entladen wurde. Denn nur ein kleiner Teil des Zinkoxids kann beim Laden wieder zu Zinkmetall reduziert werden.

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Bei jedem Entladevorgang geht dem Akku ein Teil des Zinks als aktives Material verloren, wie man in dem 105-seitigen Anhang unter der Überschrift "Spektroskopische Charakterisierung zyklierter Anoden und Kathoden" auf Seite 70 und in Tabelle 10 auf Seite 74 erfährt.

Hierin liegt wahrscheinlich der Trick. Nur der in jedem Ladezyklus aktive Teil des Metalls wird zur Zelle gerechnet und alles Material ignoriert, das nicht am jeweiligen Ladezyklus beteiligt ist. Entsprechend ist die rechnerische Energiedichte sehr hoch.

Aber das unangetastete Material beim Entladen ist eine dringend nötige Reserve, um die restlichen Ladezyklen noch wie behauptet durchführen zu können.

Das Resultat ist also keinesfalls ein Durchbruch in der Akkutechnologie. Die Autoren behaupten im Fazit des Papers, mit der Technik schnellladende, billige Autobatterien mit hoher Leistungs- und Energiedichte bauen zu können. Das ist jedoch schon laut ihren eigenen Angaben im Paper Unsinn.

Sensationslust führt zu schlechter Wissenschaft

Ob die Angaben zu den anderen wissenschaftlichen Untersuchungen im Paper ein ähnlich loses Verhältnis zur Realität haben, kann ohne tieferes Fachwissen nicht beurteilt werden. Fest steht jedoch, dass alle Ausdrücke und Zahlenangaben zu Leistung, Energiedichte und Wirtschaftlichkeit des Akkus von den Autoren mit Bedacht und gezielt so ausgewählt wurden, dass ein falscher Eindruck entstehen sollte.

Die ungewöhnlichen Behauptungen weit jenseits des derzeitigen Stands der Technik von Zink-Luft-Akkus lieferten den ersten Hinweis. Die Suche nach den konkreten Versuchsbedingungen hinter den Angaben im Paper bestätigten den Verdacht.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Nature Energy ist mit einem Impactfactor von 50 eines der höchstbewerteten Wissenschaftsjournale der Welt, neben Cell, der Hauptpublikation von Nature und dem Konkurrenzjournal Science. Ursache für solche Fehlleistungen sind die Auswahlkriterien von Papers für die Journale und das Peer-Review-Verfahren.

Das gesetzte Ziel der Redaktionen ist es, Paper mit möglichst hohem Sensationswert und Potenzial für Preisauszeichnungen zu finden und zu veröffentlichen, wie auch in einer Recherche der historischen Hintergründe im Guardian klar wird. Das wird auch im Internetauftritt von Nature deutlich, in dem Werbung damit gemacht wird, in wie vielen News Stories, Tweets, Facebook-Beiträgen und Ähnlichem ihre Paper veröffentlicht werden.

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 Wissenschaft: Falscher Wunderakku schaffte es in Nature EnergyWenig Zeit, Personal und Fachkompetenz 
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Mike4444 00:08 / Themenstart

Ich sehe Predatory Journals nicht als ein großes Problem an. Lästig vielleicht durch den...

ultim 13. Jun 2021 / Themenstart

Ich kann über alles was du geschrieben hast 100% zustimmen, IMHO das Problem bei dem...

Eheran 12. Jun 2021 / Themenstart

Das sind 30 % der Nominalkapazität*. Von 100 auf 70 %. *Heißt das beschriebene wirklich...

korona 12. Jun 2021 / Themenstart

Zum Beispiel durch einen Reviewer Score

Eheran 11. Jun 2021 / Themenstart

Ja. Eine Starterbatterie ist nicht als Energiespeicher geeignet. Sie leistet für ~2s...

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