Unzuverlässiges Tool Botometer als Basis von Studien

In einer 2018 veröffentlichten Studie wurde die angebliche Anzahl an Bots gezählt, die vor und während des Bundestagswahlkampfs 2017 den politischen Parteien in Deutschland folgten. Gemeinsam mit Michael Kreil, der das Thema schon länger verfolgt, versuchte sich Gallwitz an einer Replikation dieses Szenarios. Er untersuchte manuell eine Stichprobe der Accounts, die den Parteien in Deutschland folgten und von Botometer als Bots identifiziert wurden.

Bei den meisten dieser Accounts handelte es sich aber um wenig aktive Twitter-User, oft alte Accounts, die lediglich ein oder zwei Tweets geschrieben hatten. Bei anderen Stichproben handelte es sich um die Accounts realer Personen, die unter ihrem realen Namen posteten. Keiner der Accounts machte den Eindruck, als handle es sich um einen Social Bot.

Zu ähnlichen Schlüssen kamen auch andere Wissenschaftler. Gallwitz verweist etwa auf eine Studie, die die Diskussionen zu Impfungen auf Twitter analysierte. Die Studienautoren untersuchten ebenfalls eine Stichprobe von Accounts, bei denen es sich laut Botometer um Bots handelte.

Von 68 Accounts war nur einer automatisiert, allerdings handelte es sich auch da nicht um einen Social Bot, sondern lediglich um einen Account, der automatisch neue Artikel eines privaten Blogs postete. Die Studienautoren entschieden daraufhin, diese Daten nicht weiter zu berücksichtigen.

Teilweise basierten Behauptungen über Bots schlicht auf Missverständnissen. Eine Datenauswertung, die nicht als wissenschaftliche Studie veröffentlicht wurde, aber immerhin zu Medienberichten geführt hat, nahm die Follower britischer Politiker in den Blick.

Dabei wurden Twitter-Nutzer als Bots eingestuft, die als Benutzernamen einen Namen und eine achtstellige Zahlenkombination hatten. Dabei handelt es sich schlicht um das Schema, das Twitter neuen Nutzern seit einigen Jahren als Standard-Benutzername vorschlägt.

Social Bots mit heutiger Technik unplausibel

Generell hält es Gallwitz für unplausibel, dass Bots dafür geeignet sind, Menschen zu simulieren, die in politische Diskussionen eingreifen. Der Grund dafür ist, dass die Technologie dafür nicht gut genug ist. Heutige Chatbots seien nicht sonderlich beeindruckend, sagt Gallwitz, und häufig nicht einmal in der Lage, simple Dinge wie eine Verneinung in einem Satz zu verstehen.

Gallwitz behauptet nicht, dass es keine gezielte politische Beeinflussung von Social-Media-Debatten gibt. So gebe es sehr glaubwürdige Berichte über derartige Akteure. Dabei handelt es sich aber eben nicht um automatisierte Bots, sondern schlicht um Menschen, die dafür bezahlt werden, entsprechende Posts zu schreiben und sich in Diskussionen einzumischen.

Was Gallwitz sagt, mag unglaublich klingen, doch seine Argumente überzeugen. Es scheint sich ein gesamter Wissenschaftszweig herausgebildet zu haben, der auf Basis untauglicher Methoden Studien über den angeblichen Einfluss von Social Bots produziert - und nicht selten berichten große Medien unkritisch über diese Resultate.

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 Wissenschaft: Auf der Suche nach den Social Bots
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TrollNo1 05. Jan 2022

Hihi, von der Wortherkunft wäre es sogar exakt der Arbeiter in Indien :D Roboter, aus dem...

ThiefMaster 04. Jan 2022

Und exakt deswegen ist eine automatisch angehängte Zahlenkombination - sofern sie nicht...

pandameister 04. Jan 2022

"Was Gallwitz sagt, mag unglaublich klingen, doch seine Argumente überzeugen. Es scheint...

JimBean 04. Jan 2022

Ich hab solche in meiner Twitter Timeline, und ganz ehrlich, solche klar...



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