Wirtschaftsvertreter: Erbschaftsteuer für Start-up-Gründung einsetzen
Ein Zusammenschluss von mehr als 40 Wirtschaftsvertretern fordert von der Bundesregierung Neuerungen. Dies geht aus einem Aktionsbrief der Initiative Zusammen Zukunftsfähig hervor, der dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) vorliegt. "Deutschland ist immer noch stark in der Forschung und hat einen innovativen Mittelstand mit vielen Weltmarktführern. Leider wandert noch ein zu großer Teil der deutschen Start-up-Szene ins Ausland, da bisher nicht genug Risikokapital verfügbar ist", sagte Tobias Jerschke, Vorsitzender der Geschäftsleitung Kühne + Nagel, und einer der Unterzeichner des Reformappells.
Er forderte eine gezieltere Förderung durch strategische Partnerschaften zwischen deutschen Forschungsteams und deutschen Unternehmen. "Im Rahmen einer Steuerreform könnte man etwa zukünftig ein bis fünf Prozent Erbschaftssteuer beim Unternehmensübergang zweckgebunden für die Start-up-Finanzierung vorsehen."Eine progressive Besteuerung von Großunternehmen, Großverdienern und großen Vermögen würde die Staatskassen tatsächlich entlasten.
Für deutsche Großkonzerne sind Start-ups wichtige externe Forschungsabteilungen. Sie können neue Technologien in Wochen testen, wofür ein Konzern Jahre bräuchte. So treiben Start-ups die digitale Transformation in großen Unternehmen oft voran.
Flexiblere Renteneintritte und Reform des Ehegattensplittings
Notwendig sind laut dem Action Brief zudem unter anderem flexiblere Renteneintritte, eine Reform des Ehegattensplittings und ein Rückkehrrecht in Vollzeit. Die Initiative fordert auch eine Qualifizierungsoffensive für die 2,89 Millionen Arbeitslosen, eine Modernisierung der dualen Ausbildung und einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung. Das Projekt Zusammen Zukunftsfähig ist eine Initiative von Mission Wertvoll, der Bertelsmann-Stiftung und der React-Initiative.
Zu dem Kreis zählen die Mast-Jägermeister-Gesellschafter Christina Flügel und Florian Rehm, Metro-Chef Steffen Greubel, die Aufsichtsrätin Martina Merz und die Politökonomin Maja Göpel. "Deutschland steht vor einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist durch eine Kombination aus rückläufiger Produktivität, unzureichenden Investitionen, Fachkräftemangel, geopolitischen Spannungen und der Notwendigkeit einer schnellen ökologischen Transformation unter Druck geraten", heißt es in dem Schreiben der Unternehmer.
Die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt verfügen über 44 bis 48 Milliarden Euro Vermögen. Lidl/Kaufland-Besitzer Dieter Schwarz gilt mit 47 bis 50 Milliarden Euro als einer der reichsten Deutschen. Je nach Börsenkurs von Kühne + Nagel wechselt er sich im Ranking mit Klaus-Michael Kühne ab. Das Vermögen der Besitzer der Aldi-Handelsketten wie Theo Albrecht (Aldi Süd 26 bis 28 Milliarden Euro und Aldi Nord 18 bis 20 Milliarden Euro) ist in Familienstiftungen eingebunden.