Wirtschaft: Widerstand gegen Rechenzentren bremst Milliardenprojekte
Die Bundesregierung will die Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 mindestens verdoppeln. Im Rhein-Main-Gebiet, dem wichtigsten deutschen Knoten für digitale Infrastruktur, geraten neue Vorhaben jedoch zunehmend in Konflikt mit Anwohnern, Kommunalpolitik und knappen Ressourcen, wie die FAZ berichtete(öffnet im neuen Fenster).
Milliardenprojekt gestoppt
Die Argumente der Branche: Ohne Rechenzentren gebe es keine Cloud-Dienste, keine Echtzeitkommunikation, keine leistungsfähige KI-Infrastruktur und keine stabile Anbindung an den Internetknoten De-Cix. Weil viele Anwendungen geringe Latenzen bräuchten, entstünden solche Kapazitäten bevorzugt in der Nähe großer Ballungsräume und Datenknoten.
Trotzdem wächst vor Ort der Widerstand. In Groß-Gerau wurde ein Milliardenprojekt von Vantage Data Centers politisch gestoppt. Nach Debatten über Stromverbrauch, CO₂-Ausstoß, Lärm und Gebäudedimensionen steht in Maintal ein weiteres Großvorhaben unter Druck.
Der Autor meint dazu
Neben der Stromfrage verstärkt die bauliche Dimension den Widerstand. Neue Anlagen erreichen inzwischen enorme Größenordnungen, verändern Luftströme, Sichtachsen und Geräuschkulissen und benötigen langwierige Planverfahren. Hinzu kommt ein Verteilungsproblem. Viele Kommunen sind der Ansicht, dass sie die baulichen und infrastrukturellen Lasten trügen, ohne proportional an den Erträgen beteiligt zu werden. Rechenzentren schaffen darüber hinaus vergleichsweise wenige direkte Arbeitsplätze.
Deutschlands Ausbauziele für digitale Infrastruktur könnten damit nicht am Willen zum Investieren scheitern, sondern an der lokalen Zustimmung zu den Folgen.