Wirelurker: Neue Malware zielt auf Apple-Produkte

IT-Sicherheitsexperten im Silicon Valley warnen vor einer neuen Malware, die es gezielt auf das Apple-System abgesehen haben soll. Die Software namens Wirelurker ziele auf iOS und Mac OS X, teilte die Firma Palo Alto Networks am Donnerstag mit(öffnet im neuen Fenster) . Es handele sich um den bislang größten Angriff auf Apple-Produkte.
Bislang seien zwar nur Nutzer in China von der Malware betroffen. Dennoch zeige die Attacke, dass Angreifer neue Wege fänden, um speziell Apples mobile Geräte zu infiltrieren. Laut der Firma hat Wirelurker bislang mehr als 400 für Apples Betriebssystem Mac OS X entworfene Anwendungen infiziert. Die infizierten Anwendungen sind allerdings nicht in Apples offiziellen App-Store zu finden, sondern im Maiyadi App Store, einen Drittanbieter mit Software speziell für Mac-Systeme . Dort sind fast nur Schwarzkopien zu finden. Insgesamt seien die 467 betroffenen Anwendungen 356.105 Mal heruntergeladen worden und hätten "möglicherweise hunderttausende von Nutzern" erreicht, erklärten die Sicherheitsexperten.
Angriff mit Zertifikat
Wenn Anwender ihre iPhones oder iPads Tablets per USB-Kabel mit ihren Macs verbinden, kann der als Daemon laufende Wirelurker Informationen des angeschlossenen Geräts auslesen, etwa die Serien- oder Telefonnummer oder die iTunes-Indentifikationsnummer. Die Malware enthält zudem ein Enterprise-Zertifikat, mit dem sie sich in iOS authentifiziert. Damit kann Wirelurker infizierte Apps auf einem mobilen Gerät installieren.
Ist ein Gerät einmal mit Wirelurker infiziert, können die Angreifer Daten wie Adressbücher oder Textnachrichten abrufen und Befehle senden und empfangen, etwa um weitere Malware herunterzuladen und zu installieren. Damit könnte sich die Malware auch auf Geräten ohne Jailbreak einnisten. Auf Geräten mit Jailbreak wird das Zertifikat nicht benötigt und die Malware kann deutlich tiefer ins System eingreifen und beispielsweise Adressbücher auslesen.
Zertifikat ist zurückgezogen
Palo Alto Networks hat Apple nach eigenen Angaben über die Malware informiert. Nach offiziellen Angaben hat Apple bereits das Zertifikat und somit die Installation der Malware unter iOS blockiert. Die Experten bei Palo Alto bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahme genügt. Es könnten neue Zertifikate ausgestellt und das blockierte in den infizierten Apps ausgetauscht werden. Nutzer sollten deshalb darauf achten, nur Software von vertrauenswürdigen Quellen zu installieren und das Betriebssystem aktuell zu halten, heißt es bei Apple. Palo Alto stellt mit Wirelurker Detector eine Software zur Verfügung, die die Malware aufspüren kann.
Allerdings ist bislang unklar, ob die Sicherheitslücke tatsächlich ausgenutzt wurde. Damit Hacker die Kontrolle über einen Mac übernehmen können, müssten Nutzer sämtliche Sicherheitswarnungen ignorieren. Auch das eigentliche Ziel der Malware ist nach Angaben von Palo Alto Networks bislang nicht bekannt. Allerdings werde die Software derzeit offenbar regelmäßig aktualisiert. "Sie sind dabei, eine größere Attacke vorzubereiten" , hieß es von den Sicherheitsexperten. "Anderen Angreifern zeigt das, dass es Wege gibt, die harte Schale zu knacken, die Apple um seine Geräte gebaut hat."
Der IT-Sicherheitsexperte Jonathan Zdziarski geht davon aus(öffnet im neuen Fenster) , dass die Malware in erster Linie versucht, die Identitäten chinesischer Nutzer ausfindig zu machen, die gefälschte Software benutzen. Die Malware sei noch längst nicht ausgereift, können aber für größere Angriffe genutzt werden, wenn sie besser programmiert wäre.
Erst am vergangenen Freitag wurde eine Schwachstelle in Apples neuer Mac-OS-Version Yosemite gemeldet . Experten hätten eine Möglichkeit gefunden, sich auch ohne Passwort Root-Rechte in einem Terminal zu verschaffen. In Absprache mit Apple werden keine Details zu der Sicherheitslücke veröffentlicht, bis ein Patch bereitsteht.
Nachtrag vom 7. November 2014, 9:30 Uhr
Inzwischen hat Apple eine erste Gegenmaßnahme ergriffen und das Zertifikat blockiert, das die Apps für die Installation in iOS benötigen.
Nachtrag vom 8. November 2014, 10:15 Uhr
Wir haben den Artikel nochmals überarbeitet, um Ungenauigkeiten zu korrigieren und an die aktuelle Sachlage anzupassen.