Schilz: Phishing-Angriffe werden immer ausgefeilter
Golem: Nach Einschätzung von Kritikern bringt ein sicheres Produkt wenig, wenn die Nutzer beispielsweise auf Phishing-Angriffe hereinfallen. Wie lässt sich das ändern?
Schilz: Natürlich ist die Aufklärung der Nutzer extrem wichtig, aber gleichzeitig werden Phishing-Angriffe, insbesondere im Bereich der KI, immer ausgefeilter. Es gibt sogar Fälle, in denen Mitarbeiter der Technologiebranche Opfer von sehr raffinierten Phishing-Angriffen wurden. Deshalb müssen wir sie aufklären und weiterhin präventive Maßnahmen ergreifen.
Dazu gehören natürlich Schulungsprogramme und so weiter. Aber gleichzeitig kann man sich nicht hundertprozentig auf die Nutzer verlassen, denn Fehler können passieren. Daher benötigen wir auch in den von uns verwendeten Tools integrierte Sicherheitsfunktionen und Sicherheitsrichtlinien. Und ich spreche hier nicht nur von Messenger- oder Videokonferenz-Tools.
Da Fehler passieren können, benötigen wir zusätzlich mehrere Sicherheitsebenen. So muss beispielsweise verhindert werden, dass Parlamentsmitglieder von unbekannten Kontakten aus erreichbar sind. Oder standardmäßig müssen die Chatgruppen verhindern, dass Benutzer ohne entsprechende Authentifizierung hinzugefügt werden.
Golem: Es gab Kritik an Signal, weil Nutzernamen wie Signal Support gekapert werden konnten(öffnet im neuen Fenster). Ist das auch bei Wire möglich?
Schilz: Wir haben gewisse Schutzmechanismen. Aber es gibt auch eine öffentliche Version von Wire, bei der wir manchmal auch Probleme mit Identitätsdiebstahl und anderem haben.
Alle Regierungsbehörden und großen Unternehmen, von denen wir sprechen, nutzen dedizierte Backend-Systeme mit zusätzlichen Sicherheitsrichtlinien und Schutz vor solchen Fälle.
Golem: Wie wird Wire derzeit vor allem eingesetzt? Vor allem on premise oder als SaaS?
Schilz: Wir sind ein Open-Source-Unternehmen, daher sind sowohl unsere Clients als auch unsere Backend-Server Open Source. Manche Kunden können einfach ein dediziertes Backend installieren, ohne unsere Beteiligung. Kritische Kunden, ob aus der Privatwirtschaft oder dem öffentlichen Sektor, verlassen sich jedoch in der Regel auch auf unseren Support, manchmal auf kundenspezifische Entwicklungen und unseren 24/7-Support.
Golem: Welche Lösung würden Sie dem Bundestag empfehlen?
Schilz: Der Bundestag nutzt Wire bereits seit Längerem. Insbesondere in der Verwaltung und auch in einigen politischen Parteien. Und ihre Idee ist es, die Nutzung auf die globale Sicherheit auszuweiten.
Golem: Die für IT-Fragen zuständige Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz will Wire auch deshalb einsetzen, weil es ein europäisches Unternehmen ist. Kritiker verweisen jedoch auf Investoren in den USA.
Schilz: Vor vielen Jahren hatte Wire eine Holdinggesellschaft in den USA. 2020 haben wir unsere Holdinggesellschaft aber zurück nach Deutschland mit Sitz in Berlin verlegt. Alle unsere Investoren sind in der deutschen Holding investiert.
Wir haben auch Gesellschaften in der Schweiz und in Frankreich, die Tochtergesellschaften der deutschen Holding sind.
Golem: Wer sind die Hauptinvestoren in Wire?
Schilz: Über 85 Prozent der Anteile von Wire werden von Aktionären mit Sitz in Europa gehalten, namentlich Janus Friis, dem Mitbegründer von Skype, der Schwarz Gruppe, den deutschen Fonds Cipio Partners und UVC Partners, wobei etwa 50 Prozent von deutschen Investoren gehalten werden.
Wir haben noch einige Prozent amerikanische Aktionäre. Und wir haben im vergangenen Jahr zwei von ihnen ausgeschlossen. Und wir werden dieses Jahr wahrscheinlich noch einen weiteren ausschließen. Aber es handelt sich wirklich nur um wenige Personen. Sie haben keinerlei Einfluss auf Wire.
Golem: Verdient Wire bereits Geld mit seinen Angeboten?
Schilz: Wir sind fast profitabel. Es fehlt nur ein kleines bisschen. Und wir haben langfristige Unterstützung von unseren Investoren, Janus Friis und der Schwarz-Gruppe.
Golem: Wie viele Mitarbeiter hat Wire und wo sind diese angesiedelt?
Schilz: Wir sind rund 140 Mitarbeiter. Etwas mehr als 60 Prozent sind in Deutschland, hauptsächlich in Berlin. Aber wir haben auch Mitarbeiter in Hamburg, München und Frankfurt. Zudem gibt es Mitarbeiter in Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Aber nahezu alle Mitarbeiter sind in Europa ansässig.
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