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Wingmates und Wingman-Drohnen: Luftverteidigungssysteme der Zukunft

Kampfdrohnen, die Kampfjets flankieren, sind das militärische Zukunftsprojekt. Milliarden fließen hinein, doch Europa ist hinterher.
/ Friedrich List
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Grafik eines Verteidigungsverbandes aus bemanntem Führungs- und unbemannten Begleitflugzeugen (Bild: DLR)
Grafik eines Verteidigungsverbandes aus bemanntem Führungs- und unbemannten Begleitflugzeugen Bild: DLR

Die Luftstreitkräfte in Europa müssen in den kommenden Jahren ihre Flugzeugflotten modernisieren und erneuern. Dabei wird es nicht nur um neue bemannte Kampfflugzeuge gehen, Kampfdrohnen sollen konventionellen Kampfjets unterstützen. Diese sogenannten Loyal Wingmen werden im Verbund mit ihnen operieren und die gefährlichen Aufgaben übernehmen.

Wingmates (Flügelkameraden) ist ein Forschungsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das neue Technologien für diesen operativen Verbund bewerten und entwickeln soll. Dabei haben die Forscher nicht nur die nächste Kampfflugzeug-Generation im Blick, sondern auch die weitere Verbesserung bereits eingeführter Typen.

Die USA liegen in diesem Wettlauf vorn. Die F/A-22 Raptor wird als Leitflugzeug für Kampfdrohnen ausgerüstet. Außerdem fliegen bereits die ersten Prototypen für Loyal Wingmen. In Europa existieren bislang nur Entwicklungsprogramme und Demonstratoren.

Millionenschweres Modernisierungsprogramm

In den USA fliegen schon Prototypen für Loyal-Wingmen-Drohnen oder Collaborative Combat Aircraft (CCA). Die Lockheed Martin F/A-22 Raptor wird als erstes die Rolle als Leitflugzeug übernehmen.

Das Modell wird ab dem Jahr 2026 modernisiert. In den Cockpits werden Tablets installiert, über die Piloten die Drohnen überwachen, mit denen sie die Mission durchführen.

Die F/A-22 ist der schwere Stealth-Jäger der US-Luftwaffe. Von der Raptor wurden ab 2006 197 Maschinen beschafft, von denen 185 Flugzeuge in Dienst sind. Die US Air Force will die Flugzeuge nun im Rahmen eines 90,34 Millionen US-Dollar teuren Programms(öffnet im neuen Fenster) modernisieren.

Infrarotsensoren, Helmvisier, Drohnentablets

Dazu gehören Infrarotsensoren, ein Helmvisier für den Piloten, verbesserte Radarwarnsensoren, neue Systeme für die elektronische Kriegsführung und Software-Upgrades. Die Tablets kommen aus dem Crewed Platform Integration Programme, mit dem die US Air Force ihre Kampfflugzeuge für den Einsatz mit Drohnen fit machen will.

Das Programm sieht 12,2 Millionen US-Dollar vor, um den größeren Teil der Raptor-Flotte mit Drohnentablets auszustatten. Von den 185 Maschinen sind nur 143 als kampftauglich eingestuft und Einsatzverbänden zugeteilt.

Die anderen Flugzeuge dienen Test- und Ausbildungszwecken und werden wohl nicht modernisiert; sie erhalten auch keine Tablets zur Drohnensteuerung, denn die US Air Force hat nur Mittel für 142 Stück angefordert.

Erste praktische Versuche

Praktische Versuche haben bereits stattgefunden, etwa mit der XQ-58 Valkyrie-Drohne. Diese diente als Platzhalter für eine echte Kampfdrohne. Außerdem zeigten die Versuche, dass sich auch ein Datenverbund zwischen den Drohnen und F/A-22- oder F-35-Kampfjets bilden lässt.

Außerdem hat Lockheed Martin im vergangenen Jahr Flugversuche mit umgerüsteten Düsentrainern durchgeführt, bei dem einige als Leitflugzeuge dienten. Die Leitflugzeuge hatten ein Touchscreen-Tablet auf dem hinteren Sitz, mit dem ein Drohnenoperateur Kommandos geben konnte.

Die entsprechenden Kampfdrohnen entstehen unter dem Dach des Collaborative-Combat-Aircraft-Programms. Hier konkurrieren zurzeit die General Atomics YFQ-42A und die Anduril YFQ-44A. Die Air Force will eine erste Serie von rund 100 Maschinen kaufen. Darauf sollen weitere Flugzeuge einer verbesserten Version folgen. Das Fernziel ist eine Flotte von etwa 1.000 Maschinen.

Wingmates-Projekt soll Technologien einschätzen und entwickeln

In Europa gehen die Uhren langsamer. Zwar beschäftigen sich seit Anfang des Jahrhunderts immer wieder Studien mit dem gemeinsamen Einsatz von Drohnen und bemannten Kampfflugzeugen. Auch wurden einzelne Drohnen-Demonstratoren wie die EADS Barracuda(öffnet im neuen Fenster) gebaut und erprobt.

Loyal-Wingman-Drohnen werden Teil der Modernisierung des Eurofighters und der französischen Rafale sein. Auch deren Nachfolger sollen dann im Verbund mit unbemannten Kampfflugzeugen eingesetzt werden.

Das Wingmates-Projekt des DLR(öffnet im neuen Fenster) zielt nicht so sehr auf ein konkretes Flugzeugprogramm, sondern auf die Entwicklung von Kriterien und Bewertungsverfahren, mit denen die Bundeswehr besser einschätzen kann, ob sich ein Fluggerät für deren Bedürfnisse eignet oder nicht.

Die Entwicklung konkreter Technologien spielt keine vorrangige Rolle. Wingmates führt die Arbeit mehrerer Vorgängerprojekte fort. Die Ziele sind:

  • Entwurf, Analyse und Bewertung von Kampfflugzeugen innerhalb eines Luftverteidigungsverbandes,
  • Entwicklung von Entwurfs-, Analyse- und Bewertungsverfahren für die Frage, wie sich ein konkreter Entwurf ändert, wenn Fähigkeiten von einem Entwurf auf einen anderen übertragen werden,
  • Automatisierung der softwarebasierten Entwicklungsumgebung innerhalb einer vom DLR entwickelten Forschungssoftware.

Im Vorgängerprojekt Diabolo entwarfen die Wissenschaftler einen virtuellen Demonstrator für ein künftiges Kampfflugzeug. Der sogenannte Future Fighter Demonstrator sollte zeigen, welche Anforderungen ein Kampfjet der nächsten Generation zu erfüllen hat.

"Luftkampf verliert an Bedeutung"

"Wir gehen davon aus, dass der Luftkampf an Bedeutung verliert, da eine Bewaffnung die Bekämpfung auf große Distanzen erlaubt," sagt Wingmates-Projektleiter Andreas Schütte. Daher seien hohe Geschwindigkeiten wichtig, aber auch die Agilität. Flugzeuge müssten Bedrohungen ausweichen können, aber auch schnell ihr Einsatzgebiet erreichen und es wieder verlassen können.

Wingmates liefert die Maßstäbe, die an die nächste Kampfflugzeug-Generation und an die neuen Kampfdrohnen angelegt werden. Diese Maßstäbe dürften bereits bei der nächsten Eurofighter-Version zum Tragen kommen.

Eurofighter – die nächste Generation

Laut dem Fachportal Hartpunkt(öffnet im neuen Fenster) überlegt die Bundeswehr, in nächster Zeit eine sogenannte Jagdbomberdrohne einzuführen. Als Leitflugzeug würde ein stark modifizierter Eurofighter dienen.

Der Kommando-Eurofighter müsste über zwei getrennte Avionik-Systeme verfügen. Eines würde das Kampfflugzeug kontrollieren, das andere die Kampfdrohne. Vorgesehen ist das für die Variante Eurofighter LTE, die aber erst Anfang des nächsten Jahrzehnts eingeführt werden soll. LTE steht für Long Term Evolution (langfristige Entwicklung).

Bis diese Version zur Verfügung steht, sucht die Bundeswehr nach Möglichkeiten, mit einer Kampfflugzeug-Drohnen-Kombination Einsatzerfahrungen zu sammeln. Das wäre möglich, indem man den Litening-Zielbeleuchtungsbehälter(öffnet im neuen Fenster) nutzt. Der Behälter dient dazu, auf große Entfernung Ziele zu identifizieren und mit einem Laser für lasergelenkte Bomben zu markieren.

Die Luftwaffe nutzt die Behälter bereits und kauft gerade 90 Exemplare der neuen Version Litening 5. Diese Version hätte genug Rechnerkapazität, um über eine Link-16-Datenverbindung mit einer Kampfdrohne Verbindung zu halten. Als Interface im Cockpit könnte ein Tablet dienen, wie in der F/A-22. Die Technik wäre nicht komplett neu. Airbus hat bereits vor einigen Jahren bei Tests über der Ostsee Drohnen von einem Learjet aus geführt.

Für die Kampfdrohne oder das Collaborative Combat Aircraft selbst gibt es mehrere Kandidaten. Airbus präsentierte bereits auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2024 einen Demonstrator für eine Loyal-Wingman-Drohne(öffnet im neuen Fenster) . Das Fluggerät ähnelt dem Eurofighter-Entwurf und soll mit dem Eurofighter-Nachfolger FCAS (Future Combat Aircraft System) zusammenarbeiten.

Inzwischen gibt es weitere Bewerber. Airbus selbst kooperiert neuerdings mit Kratos, dem Hersteller der XQ-58A Valkyrie, um der Luftwaffe eine auf deutsche Bedürfnisse zugeschnittene Version anzubieten. Einen Auftrag vorausgesetzt, könnte sie 2029 zur Verfügung stehen.

Deutsche Rüstungsfirmen suchen Einstieg ins Drohnengeschäft

Außerdem führt Airbus Gespräche mit dem schwedischen Technologiekonzern Saab über eine mögliche gemeinsame Drohnenentwicklung(öffnet im neuen Fenster) . Saab produziert das Kampfflugzeug Gripen für die schwedische Luftwaffe und eine Reihe anderer Länder.

Das deutsche KI-Start-up Helsing hat jüngst den mittelständischen Flugzeughersteller Grob gekauft und plant die Entwicklung eigener Drohnen. Auch Rheinmetall sucht hier den Einstieg und lotet in Gesprächen mit Lockheed Martin, Boeing und dem US-Drohnenhersteller Anduril Möglichkeiten einer Kooperation aus(öffnet im neuen Fenster) .

Wer hier das Rennen macht, ist allerdings völlig offen. Es könnte aber darauf hinauslaufen, dass die Bundeswehr zunächst eine CCA-Zwischenlösung kauft, um Erfahrungen zu sammeln und Einsatztaktiken zu formulieren. Das definitive CCA dürfte dann erst zusammen mit dem Eurofighter-Nachfolger eingeführt werden.

Rafale F5 und Wingman-Drohne

Frankreich geht einen ähnlichen Weg wie Deutschland. Hier wird zunächst eine überarbeitete Version des Kampfflugzeugs Dassault Rafale eingeführt. Die Rafale F5 ersetzt ab 2033 zunächst die Mirage 2000N als Atomwaffenträger und die fast baugleiche 2000D als schweren Jagdbomber, dann auch Rafales ältere Modelle.

Die F5 soll über stärkere Triebwerke, ein neues Radar, bessere optische Sensoren und leistungsfähigere Datalinks verfügen. Zum Waffenarsenal sollen neben Atomwaffen auch Hyperschallraketen gehören. Außerdem soll das neue Kampfflugzeug im Verbund mit einer oder mehreren Kampfdrohnen operieren können(öffnet im neuen Fenster) .

Die Kampfdrohne wurde ebenso wie eine Rafale auf F5-Standard auf dem diesjährigen Aero Salon in Le Bourget (16. bis 22. Juni 2025) vorgestellt. Das Unmanned Combat Air System (UCAS) basiert auf dem Demonstrator nEURon, den Dassault in den 1990ern konzipierte und der 2023 erstmals flog.

Die Funktion als Loyal Wingman stand noch im Hintergrund. Stattdessen ging es primär um eine autonome Stealth-Kampfdrohne. UCAS schreibt diese Entwicklung fort und soll ein breiteres Spektrum an Aufgaben abdecken – vom Erkämpfen der Luftüberlegenheit über den Einsatz von Präzisionswaffen bis zu Aufklärung und elektronischer Kriegsführung. Die Drohne soll ab 2032 eingeführt werden(öffnet im neuen Fenster) .

Das FCAS soll eigentlich in den 2040ern den Eurofighter und die Dassault Rafale ersetzen. Deutschland und Frankreich haben sich 2018 auf eine gemeinsame Entwicklung verständigt. Im Jahr 2019 trat Spanien dem Projekt bei. Belgien ist interessiert, hat aber bislang nur Beobachterstatus. Dabei ist hier nicht nur ein neues Kampfflugzeug gemeint, sondern ein komplettes System aus bemannten Flugzeugen, Drohnen, Satelliten und einem cloudbasierten Leitsystem von Bodenstationen und Rechenzentren.

Auf deutscher Seite ist Airbus Defence and Space beteiligt, auf französischer Seite Dassault, in Spanien der Technologiekonzern Indra. Der erste Prototyp soll 2028 fliegen(öffnet im neuen Fenster) .

Streit um Führungsrolle bei FCAS

Ob das passiert, ist aber offen. Denn mittlerweile haben sich Airbus und Dessault und die verantwortlichen Politiker Deutschlands und Frankreichs zerstritten. Ursprünglich war zwischen den drei Partnern eine Drittelung der Aufgabenverteilung vereinbart worden.

Aber Dassault will das ändern und pocht auf alleiniger Systemführerschaft. Dassault-Chef Eric Trappier kritisierte die Arbeitsteilung erst in den französischen Medien, dann auch auf dem letzten Aero Salon in Le Bourget als ineffektiv. Er möchte eine klare Führungsrolle und eine striktere Organisation von FCAS durchsetzen(öffnet im neuen Fenster) . Trappier bekommt Schützenhilfe aus der französischen Politik, während sich Airbus gegen diese Veränderungen sperrt und nun seinerseits politische Rückendeckung sucht.

Hintergrund sind Anforderungen an ein neues Kampfflugzeug, die nur schwer miteinander vereinbar sind. Frankreich will auch die trägergestützte Marineversion der Rafale ersetzen, während Deutschland und Spanien kein Trägerflugzeug brauchen. Zudem will Frankreich das Flugzeug weltweit zum Export anbieten. Das kollidiert mit den restriktiven deutschen Gesetzen zum Rüstungsexport.

FCAS ohne Frankreich?

Bevor also überhaupt klar ist, wie der neue Jäger aussehen soll, verstricken sich die beide Seiten in eine Neuauflage des Streits, der bereits zu Dassaults Ausstieg aus dem späteren Eurofighter-Projekt geführt hatte. Auch damals hatte Dassault die Systemführerschaft beansprucht, auf den laxeren französischen Exportregeln bestanden und eine trägertaugliche Variante durchsetzen wollen.

Heute kommen Zweifel hinzu, ob ein weitgehend französischen Vorstellungen entsprechender Entwurf überhaupt die Anforderungen der anderen Partner erfüllen würde. Das deutsche Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), zuständig für die Beschaffung militärischen Geräts, hatte bereits 2021 moniert, dass die französischen Konzepte auf eine stark verbesserte Rafale hinausliefen, nicht aber auf ein dann modernes Kampfflugzeug(öffnet im neuen Fenster) .

Ob unter solchen Voraussetzungen ein europäisches Flugzeug zustande kommt, darf bezweifelt werden. Mittlerweile mehren sich sogar in Deutschland die Stimmen, die ein Projekt ohne Frankreich für sinnvoll halten(öffnet im neuen Fenster) . Ein deutsches FCAS bräuchte auch kein nationaler Alleingang sein, sondern könnte mit anderen internationalen Partnern durchgeführt werden.

Tempest: Blaupause für ein Global Combat Aircraft Programm

GCAP ist das Gegenstück zum kontinentaleuropäischen FCAS, erfüllt aber im Prinzip dieselben Anforderungen. Beteiligt sind British Aerospace Systems aus Großbritannien, der japanische Mitsubishi-Konzern und das italienische Luft- und Raumfahrtunternehmen Leonardo. Das Programm läuft seit 2022.

Im vergangenen Jahr gründeten die Partnerfirmen das Unternehmen Edgewing mit Sitz in London, um das neue Kampfflugzeug zu entwickeln(öffnet im neuen Fenster) . Auch hier ist das Flugzeug Teil eines größeren Systems, in dem ebenfalls Kampfdrohnen ihren Platz haben. Unter anderem deswegen ist Leonardo eine Partnerschaft mit dem türkischen Drohnenhersteller Baykar eingegangen, der auch die Ukraine mit Drohnen beliefert.

Das Flugzeug soll in Großbritannien und Italien den Eurofighter ersetzen, in Japan die auf der amerikanischen F-16 basierende Mitsubishi F-2(öffnet im neuen Fenster) . Sowohl Japan als auch Großbritannien haben bereits eigene Studien durchgeführt. In Japan fliegt seit 2016 der Erprobungsträger Mitsubishi X-2 Shinshin(öffnet im neuen Fenster) . Großbritannien präsentierte 2018 auf der Luftfahrtschau in Farnborough die Attrappe des Tempest-Jägers, der von einem gleichnamigen Konsortium gebaut werden sollte.

Während das deutsch-französische FCAS erst noch entworfen werden muss, existieren für GCAP bereits konkrete Vorstellungen. Mitsubishi bringt mit der Shinshin gesammelten Erfahrungen ein. British Aerospace baut zurzeit einen Technologieträger, der bei den Flugeigenschaften und Bordsystemen dem eigentlichen Prototypen nahekommen soll.

Das Flugzeug soll 2027 erstmals fliegen(öffnet im neuen Fenster) . Im Jahr 2035 sollen dann die ersten Maschinen abgeliefert werden. Die drei Partnerländer haben jeweils einen Bedarf von rund 290 Maschinen.

GCAP wird etwa ein Drittel größer sein als ein Eurofighter sein und sich durch eine große Reichweite auszeichnen. So soll es den Atlantik ohne Zusatztanks oder Luftbetankung überqueren können. Ob extra für GCAP eine Wingman-Drohne entwickelt oder ob man auf bereits verfügbare Modelle zurückgreifen wird, ist noch offen.

Fazit

Diese Entwicklungsprogramme erreichen nicht nur bisher unerreichte Höhen der Komplexität. Sie dürften auch zu den kostspieligsten Projekten gehören, die die jeweiligen Staaten jemals auf den Weg gebracht haben.

Den Spitzenplatz als teuerstes Rüstungsprogramm der Geschichte, den der US-Jäger F-35 einnimmt, dürfte demnächst an den Raptor-Nachfolger, die XF-47, oder an eines der anderen Projekte gehen. Zudem sind sie alle mehr oder weniger auf Pump finanziert. FCAS wird wohl am Ende über 100 Milliarden Euro kosten(öffnet im neuen Fenster) , Großbritannien hat zwischen 2021 und 2024 etwa zwei Milliarden Pfund für GCAP ausgegeben und plant ab 2024 mit weiteren zwölf Milliarden Pfund.

Zum Gesamtpreis des Programms und den Preis für ein einzelnes Flugzeug ist noch nichts bekannt. Auch in den USA werden stolze Preise aufgerufen: Eine XF-47 soll um die 300 Millionen US-Dollar kosten. Für das Haushaltsjahr 2025 hat die US Air Force für das Programm 2,74 Milliarden Dollar gefordert, für das CCA 557 Millionen Dollar.

Kostentreibend wirkt einmal mehr, dass nicht einfach nur ein Flugzeug entwickelt wird, auch kein einzelnes Waffensystem, sondern ein Systemverbund. Das heißt: neues Flugzeugdesign, neue Avionik und Sensorik, neue Triebwerke und wahrscheinlich auch mehr als eine Kampfdrohne. Bei jedem Programm sind die Großen der jeweiligen Luft- und Raumfahrtindustrie beteiligt.

Der Westen versucht, seine Technologieführerschaft zu verteidigen. Ob das gelingt, ist nicht gesichert. China und Russland arbeiten an ähnlichen Projekten, so dass wohl mehr als ein Gleichstand der Fähigkeiten nicht erreichbar sein dürfte. Die Geschichte derartiger Programme zeigt, dass Kosten und Komplexität früher oder später aus dem Ruder laufen. In der Regel werden die neuen Waffensysteme teurer und komplexer als erwartet, die Entwicklung dauert länger. Wenn das nicht passiert, kann immer noch die nächste Schuldenkrise alle Planungen über den Haufen werfen.


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