Windows XP: Janet Jacksons Popsong brachte Laptops zum Absturz
Einmal laut Rhythm Nation gehört, schon stürzte Windows XP ab: Microsoft-Entwickler Chen erzählt vom skurillen Verhalten alter Notebooks.
Zu Zeiten von Windows XP waren Festplatten in Laptops noch weit verbreitet. Meist drehten die Platter bei einer gemächlichen Geschwindigkeit von 5.400 Umdrehungen pro Minute. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein großer Laptop-Hersteller mit einem merkwürdigen Problem zu kämpfen: Wenn der Popsong Rhythm Nation von Janet Jackson aus dem Jahr 1989 abgespielt wurde, dann stürzten Systeme ab. Das berichtet Microsoft-Entwickler Raymond Chen, der die Geschichte von einem Bekannten gehört hat.
Dem Hersteller ist aufgefallen: Wurde das Lied über Lautsprecher abgespielt, dann fielen danebenstehende Notebooks aus scheinbar unerklärlichen Gründen aus. Das galt nicht nur für Notebooks der eigenen Marke, sondern auch Geräte der Konkurrenz. Was könnte einen so schwerwiegenden Fehler geräteübergreifend auslösen?
Die Antwort: Rhythm Nation ist nicht nur ein basslastiger Song mit definierten Drums, er integriert zum Teil auch die Resonanzfrequenzen, die Festplatten zum Schwingen bringen. Immer, wenn das Lied also abgespielt wurde, tanzten nicht nur die User, sondern auch die Platter der HDD zur Musik. Die Schwingungen verursachten Schreib- und Lesefehler. Daraus folgten hohe Latenzen, Timeouts und Systemabstürze.
Frequenzen mussten gefiltert werden
Ein solches Problem ließ sich nicht so einfach durch einen Austausch der Komponenten beheben, damals waren SSDs, die keine schwingenden Platter nutzen, schlicht keine Option. Der Hersteller entwickelte deshalb einen speziellen Softwarefilter für die Audio-Pipeline. Dieser sollte beim Abspielen die störenden Frequenzen entfernen, bevor das Signal über die Lautsprecher nach außen getragen wurde.
Chen spekuliert, dass aus diesem Grund sicher ein digitaler Hinweis im Audio-Treiber existiert und viele Menschen heutzutage nicht mehr nachvollziehen können, warum es den Filter überhaupt gibt. Schließlich sind Laptops mit 5.400-rpm-Festplatten so gut wie nicht mehr zu finden. Aber wer weiß: Möglicherweise bringen Popsongs mit eingängigen Beats auch heute noch NAS-Systeme oder Storage-Server zum Absturz.