Windows XP: Als Bill Gates den Windows Movie Maker installieren wollte
Im Jahr 2003 dominierte Windows XP bereits die Heimcomputer. Aber nicht einmal Bill Gates kam mit dem damaligen Ökosystem von Windows klar.
Der Spruch "Früher war alles besser" ist sicherlich vielen Menschen ein Begriff. Oft stimmt die Aussage aber nicht mit der Realität überein. Das gilt auch für das Jahr 2003, in dem Windows XP den OS-Markt dominierte und Bill Gates versuchte, einfach nur den Windows Movie Maker zu installieren. Der ehemalige Microsoft-CEO, der sein Amt 2000 an seinen Kollegen Steve Ballmer abgetreten hatte, kritisierte den damaligen Ansatz der Nutzerfreundlichkeit an nur einem aussagekräftigen Beispiel.
"Ich bin ziemlich enttäuscht darüber, wie die Benutzerfreundlichkeit von Windows zurückgegangen ist und die Programmverwaltungsgruppen keine damit zusammenhängenden Probleme angehen", schrieb Gates in einer E-Mail an den damaligen Microsoft-Manager und Windows-Plattformchef James Allchin (via Internal Tech Emails auf Twitter).
"Lasst mich euch ein Beispiel von gestern geben", schrieb Gates weiter. "Ich habe mich dazu entschieden, den Moviemaker herunterzuladen und das Digital Plus Pack zu kaufen. Dafür bin ich auf Microsoft.com gegangen. Die haben einen Downloadstandort, also bin ich da hin." Nachdem die Seite die ersten fünf Mal wegen Timeouts nicht reagierte, konnte Gates zumindest in die Produktübersicht gelangen. Dort suchte er vergebens nach dem Movie Maker. "Diese 45 Namen sind total verwirrend. Sie lassen Zeug wie C:\C:Documents and Settings\billg\My Documents\My Pictures leicht verständlich wirken", schrieb der Microsoft-Gründer.
Auch eine Suche auf der Webseite hat wohl zu keinem Ergebnis geführt. Gates schrieb deshalb eine Nachricht an einen Microsoft-Kollegen. Laut dessen Aussagen habe das Team beim Design nicht daran gedacht, dass die Download-Seite überhaupt für den Download des Movie Maker genutzt werde. Stattdessen solle Gates auf die Hauptseite navigieren und im Suchfeld die Begriffe Movie Maker, nicht zusammengeschrieben Moviemaker, eingeben.
Nach weiteren Wartesekunden fand Gates zumindest die Software. Allerdings war ein simpler Download-Button nirgends in Sicht. Es wurde nur ein Hinweis auf Windows Update gegeben und dass die Software von dort aus zu finden sei. "Das kam mir merkwürdig vor. Warum sollte ich irgendwo anders hingehen und einen Scan durchführen, um den Moviemaker herunterzuladen?", schrieb Gates.
Windows Update kennt Windows nicht
Bevor er die Software herunterladen konnte, mussten allerdings erst einmal mehrmals diverse Tools von Windows Update heruntergeladen werden. "Weiß Windows Update nicht, wie es mit Windows kommunizieren kann?", wunderte sich der Microsoft-Gründer. Nach einem weiteren zeitintensiven Scan konnte er die Dateien herunterladen.
Anschließend wurde sein Computer für sechs Minuten aber wohl so verlangsamt, dass er derweil nichts anderes durchführen konnte. "Was zur Hölle passiert denn während der sechs Minuten?", schrieb Gates. Auch die Aufforderung, Windows neu zu starten, wunderte ihn. Schließlich fahre er seinen Computer jeden Tag herunter.
Danach konnte Gates zumindest den Movie Maker, der versteckt im Ordner Windows XP abgelegt wurde, starten und den Download beginnen. Nach mehreren Minuten kam allerdings die nächste Hürde: Der Movie Maker wollte die Windows Media Series 9 installieren. Nach einem für Gates verwirrenden Dialogfenster und sieben weiteren Downloadminuten dachte der Microsoft-Gründer, dass er Movie Maker endlich nutzen könnte - Fehlanzeige.
Kein Movie Maker, dafür viel Frust
Stattdessen wurden mehrere Pakete auf dem PC installiert, die nichts mit dem eigentlichen Programm zu tun hatten. "Was für eine absolute Sauerei", schrieb Gates - in einem mittlerweile merklich genervten Unterton. "Moviemaker ist einfach nicht da." Er widmete sich stattdessen dem Download des Digital Plus Package, das er sich zusätzlich gekauft hatte.
Hier musste er Informationen über sich selbst eingeben. Nach fünf Fehlversuchen und einer GUI, die vorherige Eingaben löscht, gab er frustriert auf. "Also nach mehr als einer Stunde des Wahnsinns, dem Zumüllen meiner Programmliste, den Momenten der Angst und der Einsicht, dass Microsoft.com eine schreckliche Webseite ist, habe ich weder Movie Maker noch das Plus Package zum Laufen bekommen", schrieb Gates.
E-Mails wie diese zeigen: Auch Bill Gates selbst konnte von Windows XP und dem noch nicht allzu ausgereiften Windows Update frustriert sein - so wie viele andere Menschen auch.
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