Windows und Office: Microsoft geht all-in bei KI
Mit der Integration von ChatGPT in diverse Microsoft-Produkte hat der Konzern bereits gezeigt, wohin die Reise gehen soll: KI soll möglichst viele Aufgaben in der virtuellen Arbeitswelt erleichtern.
Was vor einigen Jahren noch wenig Interesse geweckt hat, scheint mittlerweile enorm gut zu funktionieren. Jetzt setzt Microsoft auf der Build 2023 alles auf eine Karte: KI soll möglichst in allen Produkten genutzt werden.
Das zeigte Microsoft bereits im Vorfeld mit dem Chatbot in der Suchmaschine Bing. Dessen enormer Erfolg macht die Suchmaschine immer beliebter. ChatGPT schafft das, was Microsoft jahrelang mit wenig Erfolg versucht hat: Bing als ernstzunehmende Alternative zu Google aufzustellen.
Nicht nur das: Mit dem Thema Chatbots scheint der Marktführer aktuell noch überfordert zu sein. Relativ hastig brachte Google seinen Chatbot Bard heraus, der jedoch selbst bei internen Tests bisher eher schlecht abschnitt.
Ganz klar: Microsoft ist beim Thema KI-gestützte Suchen einen Schritt voraus. Diesen Vorsprung überträgt der Konzern nun auf andere Aspekte des Microsoft-Ökosystems. Das Ziel: eine einheitliche und einfach nutzbare Plattform für eine Community zu schaffen, die KI-gestützte Apps für Windows und Clouddienste entwickelt.
Eines dieser Konzepte nennt Microsoft Copilots(öffnet im neuen Fenster) . Darunter versteht der Konzern kleine Applikationen und Programme, die Windows oder Microsoft 365 in verschiedenen Aspekten mittels KI unterstützen sollen. Explizit wird hier etwa das Large Language Model GPT-4 erwähnt.
Angefangen hat der Konzern vor zwei Jahren mit dem Github Copilot. Der kann beispielsweise Codezeilen zu bestimmten Problemen generieren, die dann von den Entwicklern selbst weiterverwendet werden können.
Copilots und Plugins
Ein prominenter Vertreter ist der Microsoft 365 Copilot. Microsofts Vision ist es, dass dieses Tool beim Schreiben von E-Mails hilft, Webseiten zusammenfasst oder wichtige Informationen aus Dokumenten extrahiert. Kurzum, den Usern wird ein Teil der repetitiven Alltagsarbeit abgenommen. Ergänzend dazu führt Microsoft den Dynamics 365 Copilot und Copilot für Power Platform ein.
Der Windows-Copilot soll derweil in Windows 11 direkt integriert werden und etwa Fragen der Nutzer beantworten. Er kann zudem Dokumente und Dateien analysieren oder mit installierten Programmen interagieren. Microsoft zeigt das in einem Trailer am Beispiel von Spotify. Wird Copilot nach einer bestimmten Musikrichtung gefragt, öffnet der Assistent selbstständig die Spotify-App und spielt die vorgeschlagene Musik ab.
Microsoft lässt sich parallel dazu von OpenAI inspirieren. Es ist mittlerweile klar, dass die beiden Unternehmen sehr eng zusammenarbeiten und Microsoft vom sehr wichtigen Geldgeber zu einem wegweisenden Partner geworden ist. Der Konzern übernimmt die Idee von KI-Plug-ins und will diese in seine Produkte einbauen.
KI-Plug-ins sind kleine Add-ons für KI-Systeme, die deren Fähigkeiten erweitern können. Programme wie ChatGPT, der Microsoft 365 Copilot und nun auch Bing können über Plug-ins mit den Anwendungsschnittstellen (APIs) externer Apps interagieren und auch spezielle Datensätze verwenden. Das können Unternehmensdaten oder Echtzeitinformationen sein.
Mittels Plug-ins werden die Möglichkeiten von Sprachgeneratoren und anderen KI-Systemen also merklich verbessert, ohne dass Microsoft oder OpenAI eine KI wie ChatGPT anfassen müssen. Stattdessen bauen Kunden und Entwickler die Fähigkeiten der KI für ihre Wünsche aus. Windows, Office und Co. stellen nur die Plattform zur Verfügung.
Generell ist die Entwicklercommunity ein wichtiges Element in Microsofts KI-Masterplan.
Die Community baut mit
Microsoft will Windows zu einer besseren Plattform für Entwickler machen. Die sollen schließlich ihre Apps mit KI-Unterstützung möglichst für das eigene Ökosystem programmieren. Hier kommt Microsofts Resilient File System ins Spiel. Damit soll ein neues Dev Drive formatiert werden können, das direkt auf Windows 11 läuft.
Auf dem Dev Drive können Entwickler ihre Projekte ablegen. Mittels ReFS sind sie dann besser geschützt, da das Dateisystem einige Fehlerkorrekturmechanismen und Redundanztechniken einsetzt, die dem herkömmlichen NTFS vorenthalten bleiben.
Das allein reicht aber nicht, um Entwickler für KI-Projekte zu gewinnen. Microsoft stellt auf der Build deshalb eine komplett eigene, auf KI fokussierte Entwicklungsumgebung vor: das Azure AI Studio(öffnet im neuen Fenster) .
Es wird in den OpenAI Service integriert und ermöglicht das relativ einfache Einbinden von KI-Modellen in die eigenen Tools. Microsoft bietet etwa ChatGPT und das neuere GPT-4 dafür an. Über das AI Studio sollen Entwickler ihre eigenen Copiloten schnell erstellen und auf Unternehmensdaten anwenden können.
Die Kunden an sich binden
Microsoft baut also einen kompletten Azure-KI-Stack auf. In Azure selbst werden KI-Modelle, die Infrastruktur und Orchestrierung übernommen, während Microsofts Programme und von Kunden erstellte Copilots darauf aufbauen. Diese Infrastruktur nennt Microsoft den Copilot Stack(öffnet im neuen Fenster) .
Für das Unternehmen ist er eine gute Möglichkeit, Kunden noch fester an seine Infrastruktur zu binden. Es dürfte nämlich nicht so einfach werden, einmal entwickelte Plug-ins und Copiloten auf eine andere Plattform zu migrieren.
Das müssen Unternehmen möglicherweise auch nicht tun, denn Microsoft führt in seinem Store eine neue KI-Sektion ein . Dort können Anbieter ihre KI-Tools und Plug-ins einstellen, die dann von anderen Kunden genutzt werden können. Microsoft schafft so ein zusammenhängendes KI-Ökosystem, das bisher bei keinem anderen Hersteller so weitreichend geplant ist.
Von den bekannten Konkurrenten könnte eigentlich nur Google die Ressourcen aufwenden, um ein ähnliches Portfolio aufzustellen. Das Unternehmen investiert seit Jahren ebenfalls stark in KI-Tools und Google bleibt als primäre Suchmaschine ein weiterhin schwer zu überbietendes Produkt.
Amazon konzentriert sich derweil auf Cloudinfrastruktur und vermietet Rechenressourcen an Unternehmen weiter. Die Apps und Programme bringen die Kunden zum großen Teil selbst mit. Andere Cloudanbieter wie IBM und Oracle bleiben in ihrer jeweiligen Enterprise-Nische relevant. Sie können aber nicht eine allgemeine Kundschaft ansprechen, wie es etwa Microsoft mit Windows und Office oder Alphabet mit Android und der Suchmaschine Google tun.
Ja, Microsoft geht all-in beim Thema KI. Aktuell scheint das aber eine ziemlich sichere Wette zu sein.
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