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Windows 8.1: Die desaströs gescheiterte Rettungsmission von Windows 8

Windows 8.1 ist wohl einer der größten Tiefpunkte von Microsoft . Wir blicken auf das OS zurück, das am 10. Januar 2023 endgültig ausläuft.
/ Oliver Nickel
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Die Ära von Windows 8.1 ist nun vorbei. (Bild: Michael Wiezcorek/Golem.de/Montage: Golem.de)
Die Ära von Windows 8.1 ist nun vorbei. Bild: Michael Wiezcorek/Golem.de/Montage: Golem.de

Mit der Ankündigung des ersten iPad (Test) löste der damalige Apple-CEO Steve Jobs 2010 einen Trend aus. Tablets und andere Touchscreen-Geräte wurden immer beliebter. Abseits davon stand Microsoft: Mit seinem nicht für Tablets geeigneten Windows 7 konnte es kaum für Begeisterungsstürme sorgen. Eine Lösung musste her.

Die brachte der Hersteller mit dem Designansatz Metro, später Modern-UI, und dem bei Windows-Usern wohl am kontroversesten diskutierten Betriebssystem: Windows 8. Microsoft versuchte, mittels Kacheln ein Desktop-OS für mobile Geräte zu bringen und ließ dabei die Kernkundschaft auf der Strecke: Notebook- und Desktop-PC-User, die sich an die bisherige Windows-Designsprache mit Desktop und Startmenü gewöhnt hatten, die seit dem ersten Windows 1.0 (inklusive Reversi!) ausgebaut worden war.

Das Ergebnis war ein völlig neues Betriebssystem, das mehr verwirrte als begeisterte. Niemand wollte Windows 8 (Test) haben – es musste eine neue Lösung gefunden werden. Die brachte Microsoft nur ein Jahr nach dem Release mit Windows 8.1. Ex-Microsoft-CEO Steve Ballmer sprach damals von einem sogenannten Rapid Release, der kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

Was getan ist, ist getan

Windows 8.1 (Test) war nämlich nicht nur ein weiteres Service-Pack, sondern ein größeres Update für den Vorgänger. Ein so umfangreiches Update gab es zuletzt etwa bei der Second Edition von Windows 98. Später wurde ein Upgrade auf 8.1 sogar verpflichtend gemacht und der Support von Windows 8 selbst nur vier Jahre nach dem Release wieder eingestellt.

Windows 8.1 – Test
Windows 8.1 – Test (04:48)

Letztlich konnte aber auch Windows 8.1 Microsofts Fehlentscheidungen nicht wettmachen. Erst Windows 10 sollte den größten Kritikpunkt beheben. An den können sich Windows-8.1-User sicher noch gut erinnern: Denn auch hier war die für Touchscreens optimierte Kachelübersicht zentrales Element. Ein Startmenü gab es weiterhin nicht. Dadurch wurden noch in Windows 7 simpel durchführbare Tasks, wie Multitasking und das Wechseln zwischen Applikationen, unnötig erschwert.

Windows 8.1 brachte nach viel negativem Feedback aus der Community und vor allem von Enterprise-Kunden zwar den Start-Button und einen besseren Desktop als Standardansicht zurück. Allerdings öffneten sich mit einem Klick auf Start weiterhin nur unübersichtliche Kacheln, die sich zu allem Überfluss auch noch ständig bewegten. Das OS wirkte deshalb stets unübersichtlicher und beschäftigter als das bis dahin noch beliebte Windows 7.

Windows 8.1 konnte zumindest wichtige Funktionen wie die Suche und den Shutdown-Schalter wieder etwas einfacher erreichbar machen. Dass Microsoft solch wichtige Funktionen überhaupt hinter mehreren Klicks versteckte, war auch Golem.de im Test von Windows 8 schleierhaft.

Da auch Windows 8.1 ein merkwürdiger Mix aus Desktop- und Tablet-OS war, fand es bei Usern, wenig überraschend, kaum Resonanz. Generell hat Microsoft mit dem Betriebssystem in einigen Punkten völlig an den Nutzern vorbeientwickelt.

Ein Tablet ohne Apps ist zum Scheitern verurteilt

Während Google mit Android zumindest eine sinnvolle Alternative zu Apples iOS auf dem iPad schaffen konnte, gelang das Microsoft mit Windows 8 und 8.1 nicht. Das lag nicht nur an der Kacheloberfläche, sondern auch an der Auswahl an mobilen Apps.

Google und Apple konnten durch ihre Marktpositionen diverse mobile Apps in Google Play (früher Android Market) und dem App Store auch für Tablets anbieten. Mit ihnen kam ein ganzes Ökosystem aktiver App-Entwickler und Werbepartner. Microsoft wollte ein ähnliches Angebot liefern und mit der Universal Windows Platform (UWP) auch einheitliche Apps anbieten, die sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Tablet sinnvoll nutzbar sind.

Es gab da nur ein Problem: Es fanden sich nur wenige Personen, die für Microsofts proprietäre und offensichtlich kaum genutzte Plattform entwickeln oder portieren wollten. Das App-Angebot im Windows Store war deshalb im Vergleich zur Konkurrenz sehr überschaubar. Sich ein Android-Tablet oder iPad zu kaufen, die zudem meist günstiger zu haben waren, schien einfach die bessere Option zu sein. Das ist einer der Gründe, warum auch Microsofts Mobil-OS Windows Phone 8 und später Windows 10 Mobile schlussendlich gescheitert sind.

Windows-Geräte schwerer und weniger ausdauernd

Übrigens waren Windows-8- und 8.1-Geräte meist nicht nur teurer. Sie mussten durch das vollwertige x86-Betriebssystem auch leistungsfähigere Intel- oder AMD-Chips nutzen. Windows on ARM war zur damaligen Zeit keine brauchbare Alternative und ist auch heutzutage keine ernstzunehmende Konkurrenz etwa zu Macbooks mit Apple Silicon. Die größeren x86-Chips brachten eine höhere Leistungsaufnahme, aktive Kühlungen, schwerere Gehäuse und kürzere Akkulaufzeiten mit sich – alles in allem also oft keine valide Alternative zu leichteren Tablets.

Selbst wenn Microsoft genug Apps und bessere Hardware angeboten hätte, können wir Menschen der Gegenwart sagen: Touchscreen-Bedienung auf produktiven Windows-Systemen setzt sich selbst 2023 nicht wirklich durch, auch wenn Microsoft es mit Windows 11 und der eigenen Surface-Reihe gern anders sehen würde. Die Kombination aus Maus und Tastatur wird für die meisten Menschen auch in der absehbaren Zukunft wesentlich schneller und produktiver funktionieren. Dumm nur, dass Windows 8 und 8.1 auf das falsche Konzept gewettet und verloren haben.

Die Rettung war Windows 10

Das zeigt sich auch dadurch, dass mit Windows 10 (Test) im Jahr 2015 und der Rückkehr zur bekannten Windows-Designsprache Windows 8 an vielen Stellen ersetzt wurde – auch weil das Upgrade darauf für Windows-8.1- und Windows-7-User temporär kostenlos angeboten wurde. Der Vollbild-Kachelbildschirm wich dem Startmenü, obwohl einige Kacheln dort weiterhin angezeigt werden konnten. Außerdem gab es virtuelle Desktops mit jeweils eigenen geöffneten Programmen.

Am 10. Januar 2023 hat das unbeliebte Windows 8.1 nun auch den erweiterten Support verloren. Betreffen wird das wahrscheinlich nur wenige Menschen auf der Welt. Laut dem Portal Statcounter setzten im Dezember 2022 noch 2,6 Prozent aller Windows-User(öffnet im neuen Fenster) auf das OS und 11,18 Prozent auf dessen Vorgänger Windows 7.

Mit Windows 10 hat Microsoft zumindest aus alten Fehlern gelernt. Das neue Windows 11 zeigt dafür einige neue auf .

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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