Wilhelmshaven: Erstes deutsches Flüssigerdgas-Terminal eröffnet

Im niedersächsischen Wilhelmshaven ist der erste deutsche Standort für den Betrieb einer Speicher- und Wiederverdampfungseinheit für den Import von Flüssigerdgas (LNG) eröffnet worden. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium am 17. Dezember 2022 mit. Das Flüssigerdgas soll Lieferungen ersetzen, die wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine ausgefallen sind. An dem Festakt zur Eröffnung des Terminals nahmen unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teil.
Als Speicher- Verdampfungseinheit (engl: Floating Storage and Regasification Unit (FSRU)) dient das Schiff Esperanza(öffnet im neuen Fenster) der norwegischen Reederei Höegh. Dem Ministerium zufolge ist die Esperanza mit einer Ladung von 165.000 Kubikmeter LNG in Wilhelmshaven angekommen. Das Schiff biete vom Januar an eine sogenannte Regasifizierungskapazität von rund 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, was nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums "einen ersten Meilenstein in der zukünftigen Energieversorgung Deutschlands" darstellt.
Bundeswirtschaftsminister Habeck lobte die schnelle Umsetzung des Projektes: "Es zeigt, was Deutschland binnen weniger Monate auf die Beine stellen kann, wenn es sein muss. Deutschland kann Infrastruktur. Deutschland kann schnell sein, wenn es darauf ankommt." Nun sollten schnell weitere Terminals in Brunsbüttel bei Hamburg und in Lubmin bei Greifswald folgen.
Insgesamt hat die Bundesregierung fünf der schwimmenden LNG-Terminals gemietet. Nach Brunsbüttel und Lubmin soll noch in Stade an der Elbe sowie ein weiteres in Wilhelmshaven installiert werden.
Kritik von Umweltschützern
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert jedoch weiterhin den Bau des Terminals. "Es reden jetzt alle von einer neuen Deutschlandgeschwindigkeit, was solche fossilen Infrastrukturprojekte angeht. Diese Deutschlandgeschwindigkeit hätten wir sehr gerne für den Ausstieg aus fossilen Energien genutzt" , sagte Imke Zwoch, Mitglied im BUND-Landesvorstand in Niedersachsen, nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa und fügte hinzu: "Es ist eigentlich nix zu feiern."
Generell bezeichnet der BUND den Bau der Terminals(öffnet im neuen Fenster) als "Sackgasse" . Der Verband fordere "uneingeschränkt, dass Deutschland schnellstmöglich unabhängig von russischen Energieimporten werden muss, und appelliert eindringlich an die Politik, jetzt die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung zu stellen und nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen."
Konkret wird zudem moniert, dass die Esperanza im Gegensatz zu anderen Terminals ihr Abwasser mit Bioziden wie Chlor behandle. "Wir können nicht verstehen, warum man dieses halbe Jahr nicht genutzt hat, um das Schiff entsprechend umzurüsten" , sagte die BUND-Sprecherin. Auch die lange Genehmigung für das Terminalschiff bis zum Jahr 2043 wird kritisiert.