Wilhelm.tel: Das kann die Telekom "gar nicht so schnell nachmachen"

Der streitbare Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich hat seine Infrastruktur für die Telekom geöffnet. Damit werde das eigene FTTH-Netz aber nicht entwertet.

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Kopfstelle für Kabel-TV bei Wilhelm.tel
Kopfstelle für Kabel-TV bei Wilhelm.tel (Bild: Wilhelm.tel)

Durch die Kooperation mit der Deutschen Telekom verliert der lokale Netzbetreiber Wilhelm.tel im Festnetz seinen Wettbewerbsvorteil. Das sagte Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich im Gespräch mit dem Infodienst MediaLABcom. "Unser Wettbewerbsvorteil fällt - zumindest im Festnetzbereich. Hier wird der Internetanschluss zum Commodity-Produkt. Aber wir bewegen uns weiter in einen integrierten Markt, in dem wir Konnektivität, Content und cloudbasierte Dienste etablieren." Wilhelm.tel baue zurzeit das größte Wi-Fi-6-Netz für eine Metropole im Norden Mitteleuropas auf und habe knapp 7.500 Antennen errichtet und werde noch einmal so viele bauen.

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Damit seien die Wilhelm.tel-Kunden stets online, ohne sich andauernd neu einloggen zu müssen. Das eröffne auch neue Geschäftsmodelle. "Lokale Clouddienste im Gigabit-on-the-Air-Standard werden den Mobilfunk grundlegend verändern. Das kann ein Großkonzern gar nicht so schnell nachmachen", erklärte Weirich.

Anfang März 2022 hatte man eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der die Telekom Zugänge im Netz des kleineren Anbieters vermarkten kann. Im April 2021 hatte die Telekom erklärt, in Hamburg 540.000 Haushalte mit Glasfaser versorgen zu wollen.

Telekom-Ankündigung war wenig wert

Doch das stellte laut Weirich keine Bedrohung dar, weil es unrealistisch war. "Wir sind seit 20 Jahren in der Metropolregion Hamburg tätig und haben in den vergangenen 15 Jahren rund 2.000 Kilometer Glasfaser verlegt. Das hört sich zunächst nicht nach sehr viel an, aber wir haben es hier mit der zweitgrößten Stadt Nordeuropas zu tun. In der Metropolregion haben wir gemeinsam mit Willy.tel rund 420.000 Haushalte angeschlossen." Das sei kein Vorhaben, dass man von heute auf morgen umsetzen könne. Wilhelm.tel sei zurzeit in der Lage, pro Woche etwa 1.000 Wohnungen mit FTTH zu versorgen. Das sei die absolute Grenze, die logistisch noch umsetzbar ist. "Wenn jemand behauptet, 540.000 Haushalte in zwei Jahren mit Glasfaser versorgen zu können, muss man immer nachfragen, was konkret gemeint ist. Und da werden die Leute recht schnell schmallippig, denn in der Regel sind 'Homes passed' gemeint." Doch in Großstädten könnten im öffentlichen Bereich Straßen nur ganz selten gequert werden. "Anhand der Tatsache, wie lange wir dafür gebraucht haben, unsere Infrastruktur aufzubauen, können Sie erkennen, was solche Ankündigungen wert sind", sagte Weirich.

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