Wikivoyage: Eine unblutige Revolte und eine Familienzusammenführung

Wie aus dem mutigen Inhalte-Fork ein Wikipedia-Schwesterprojekt wurde.

Artikel von Stefan Mey veröffentlicht am
Wikivoyage bietet kostenlose Reiseinformationen.
Wikivoyage bietet kostenlose Reiseinformationen. (Bild: tookapic auf Pixabay)

Gleich zwei Jubiläen kann das freie Reiseportal Wikivoyage in diesem Jahr feiern. Vor 20 Jahren ging das Vorgängerprojekt Wikitravel online. Vor 10 Jahren wurde Wikivoyage offiziell in den Kreis der Wikimedia-Familie aufgenommen. Über eine unblutige Revolte und eine Familienzusammenführung, in die ein Internetkonzern, ein kleiner Verein in Halle und die große Wikimedia Foundation involviert war.

Inhalt:
  1. Wikivoyage: Eine unblutige Revolte und eine Familienzusammenführung
  2. Eine zivilrechtliche Verschwörung?
  3. Eine Familienzusammenführung
  4. Wikivoyage vs. Wikipedia

Da war diese große Sache, die Evan Prodromou zuerst im kleinen Kreis ankündigen wollte, erinnert sich der Hallenser Roland Unger, zu der Zeit Administrator in der deutschsprachigen Wikitravel-Community. In einer eilig einberufenen Onlinekonferenz im April 2006 habe der Wikitravel-Gründer Prodromou "mit stolz geschwellter Brust" mitgeteilt, dass er das freie Reiseportal an das US-Digitalunternehmen Internet Brands verkaufen werde.

Im Juli 2003 hatte Prodromou Wikitravel zusammen mit seiner Ehefrau Michele Ann Jenkins gestartet, ein an Wikipedia orientiertes Mitmachportal unter freier Lizenz.

In der deutschsprachigen Community traf der Verkauf auf wenig Gegenliebe. Man befürchtete eine zunehmende Kommerzialisierung, erzählt Unger. Würde der neue Eigentümer die Seite mit Werbung vollpflastern und sich vielleicht herausnehmen, auch in die Artikel einzugreifen? Und passt es überhaupt zusammen, dass Inhalte ehrenamtlich entstehen, während ein großes Unternehmen damit Profite macht? Schnell war klar: Die kleine Gruppe wollte sich abspalten.

Umsetzung eines Inhalte-Forks

Am Anfang sei man dabei "hoch konspirativ" vorgegangen, sagt Unger: "Wir arbeiteten weiterhin auf Wikitravel mit, als sei nichts geschehen. Einer von uns setzte ein temporäres Wiki als Kommunikationsplattform auf. Wir bereiteten den Fork vor und achteten darauf, dass von unseren Plänen nichts nach außen drang."

Dumps zum Download einer kompletten Sprachversion standen nicht zur Verfügung. Deshalb musste die Gruppe alle zu der Zeit 3.000 deutschsprachigen Artikel sowie sämtliche Artikelversionen einzeln herunterladen. Die üblicherweise für Such-Bots gedachte Robots.txt-Datei erlaubte automatische Zugriffe höchstens alle 10 Sekunden. Daran habe man sich gehalten, um nicht unnötig aufzufallen.

Als Rechtsperson entschied man sich für einen Verein. Am 10. November 2006 wurde der Wikivoyage e. V. eingetragen. Der formale Sitz war Halle, wo Unger lebte, der die Buchhaltung übernahm. Im Dezember 2006 ging das neue Projekt unter dem Namen Wikivoyage mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. 2007 schloss sich auch die italienische Wikitravel-Community mit einem Fork an.

Hatten sie damals eigentlich Angst?

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Eine zivilrechtliche Verschwörung? 
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