Wikipedia: Software soll Sockenpuppen suchen

Sockenpuppen, also Mehrfachnutzerkonten, sind ein großes Problem für die Mitmachenzyklopädie Wikipedia: Nutzer melden sich mehrfach unter verschiedenen Identitäten an und manipulieren Einträge. Sie ausfindig zu machen, ist jedoch schwierig: Zwar könnten die Betreffenden anhand ihrer IP-Adressen identifiziert werden. Die können aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes die wenigen Administratoren einsehen. Die Wikipedianer müssen die Sockenpuppen deshalb anhand ihrer Texte identifizieren. Eine neue Software könnte ihnen dabei in Zukunft helfen.
Entwickelt wurde sie von einer Gruppe Wissenschaftler der Universität des US-Bundesstaates Alabama in Birmingham. Sie analysiere den Schreibstil von Artikeln und identifiziere daran den Autor, erklären die Forscher um Ragib Hasan in einem Aufsatz, der auf dem Dokumentenserver Arxiv veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) ist.
Als Datenbasis dienten den US-Forschern frühere Ermittlungen(öffnet im neuen Fenster) gegen Nutzer, die sich unter mehreren Namen angemeldet hatten. Darauf setzten sie den Algorithmus an. Der untersucht die Texte auf über 200 Merkmale wie etwa Wortwahl oder grammatikalische Eigenheiten.
Kurze Texte
Die Schwierigkeit sei dabei, dass die Texte in der Wikipedia oft sehr kurz seien, sagte Thamar Solorio, einer der Autoren der Studie, dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist(öffnet im neuen Fenster) . Die Software habe dadurch nur wenig Material zur Verfügung, mit dem sie arbeiten könne. Dennoch soll sie mit einer Genauigkeit von 75 Prozent erkennen, ob es sich bei einem Nutzer um eine sogenannte Sockenpuppe(öffnet im neuen Fenster) handelt.
250 Nutzerkonten gesperrt
Im Oktober waren über 250 solcher falschen Konten gesperrt worden. Hinter ihnen steckte offensichtlich eine Werbeagentur, die eine Sockenpuppen-Armee angelegt hatte, um in der Wikipedia Werbung für Organisationen und Produkte zu machen.
Bezahltes Schreiben in der Wikipedia sei "extrem problematisch" , schrieb Sue Gardner(öffnet im neuen Fenster) , Chefin der Wikimedia Foundation, seinerzeit. Es verletze die Grundregeln der Wikipedia und werde als "Black-Hat-Methode" eingestuft.



