Wikileaks-Prämie: Whistleblowing geht anders

Wikileaks will Informanten künftig bezahlen, um an geheime Informationen zu kommen. Doch die Organisation dient damit nicht der Aufklärung von Missständen, sondern beschädigt die Idee des Whistleblowings.

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Wikileaks will 50.000 US-Dollar für Informationen über den US-Angriff auf das Krankenhaus in Kunduz sammeln und bezahlen.
Wikileaks will 50.000 US-Dollar für Informationen über den US-Angriff auf das Krankenhaus in Kunduz sammeln und bezahlen. (Bild: Screenshot Golem.de)

Für die Videoaufzeichnung des Angriffs auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz möchte die Whistleblowing-Plattform eine Prämie von 50.000 US-Dollar auszahlen. Gesucht sind die Aufnahmen der Bordkamera und der interne Funkverkehr der Maschine. Bereits vor einigen Monaten startete die Plattform ein Crowdfunding, um Leaks zu den umstrittenen Handelsabkommen TPP und TTIP einzuwerben - hier sollten Hinweisgeber sogar bis zu 150.000 US-Dollar erhalten. Doch mit dieser geplanten Bezahlung fügt Wikileaks der Idee des Whistleblowings schweren Schaden zu.

Inhalt:
  1. Wikileaks-Prämie: Whistleblowing geht anders
  2. Der Angriff muss aufgeklärt werden

Denn wer Geheimnisse gegen Geld verrät, ist kein Whistleblower, sondern einfach nur Geheimnisverräter und möglicherweise kriminell. Das Whistleblower-Netzwerk, das sich in Deutschland für einen besseren rechtlichen Schutz für Whistleblower einsetzt, definiert den Begriff wie folgt:

Was ist eigentlich ein Whistleblower?

"Whistleblower sind Menschen, die illegales Handeln, Missstände oder Gefahren für Mensch und Umwelt nicht länger schweigend hinnehmen, sondern aufdecken. Sie tun dies intern innerhalb ihres Betriebes, ihrer Dienststelle oder Organisation oder auch extern gegenüber den zuständigen Behörden, Dritten oder auch der Presse."

"Die Whistleblowerin oder der Whistleblower hat die Zivilcourage, Missstände aufzuzeigen und handelt vor allem aus Pflichtbewusstsein aus selbstlosen, ethischen, religiösen oder Gewissensgründen."

Wer Geld für Informationen erhält, kann sich nicht auf den Whistleblower-Schutz berufen

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Das von Wikileaks ausgelobte Projekt "Preis, um gute Regierungsführung zu verstehen" will aber nun mit kommerziellen Anreizen Dokumente einwerben. Damit gefährdet die Plattform die potenziellen Whistleblower - denn selbst wenn ein Land Whistleblower-Schutzgesetze hat, dürften diese nicht greifen, wenn die Quellen für die Informationen entlohnt werden. Und sollte sich das Modell etablieren, dürften legitime Whistleblower künftig immer unter dem Verdacht stehen, aus wirtschaftlichen und nicht aus ethischen Motiven zu handeln.

Wikileaks handelt mit dem Bounty-Programm im Übrigen auch gegen die eigene Selbstdarstellung: Dort heißt es: "Wie andere investigative Medienorganisationen auch akzeptieren wir Informationen anonymer Quellen, fordern diese aber nicht an" - "we accept (but do not solicit) anonymous sources of information". Genau hier verläuft auch in Deutschland die Grenze für Journalisten: Nach dem Cicero-Urteil des Bundesverfassungsgerichts dürfen Journalisten nicht für den Besitz oder die Veröffentlichung geheimer Dokumente bestraft werden - solange sie Quellen nicht dazu überreden, ihnen geheime Informationen zu überlassen.

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Der Angriff muss aufgeklärt werden 
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Atalanttore 24. Okt 2015

Wobei gerade das Beispiel Edward Snowden gezeigt hat, dass viele großflächig...

Atalanttore 24. Okt 2015

Und der Angriff auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kunduz war nicht nur eine...

elf 20. Okt 2015

Das hat doch damit nichts zu tun, dass der Staatsanwalt weisungsgebunden ist. Selbst...

Dwalinn 20. Okt 2015

Wenn man böse ist könnte man hier aufhören zu lesen und denken du nimmst den...



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