Wikileaks-Gründer: Letzte Hoffnung für Julian Assange

In einer zweitägigen Anhörung in London will Julian Assange seine Auslieferung an die USA verhindern. Es könnte sein letzter Versuch sein.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Proteste gegen die Inhaftierung von Julian Assange vor dem High Court in London
Proteste gegen die Inhaftierung von Julian Assange vor dem High Court in London (Bild: Hannah McKay/Reuters)

In einer Anhörung vor Gericht in London will sich Wikileaks-Gründer Julian Assange in dieser Woche gegen seine Auslieferung an die USA wehren. Sollte seinem Antrag auf Berufung am High Court nicht stattgegeben werden, wäre der Rechtsweg in Großbritannien ausgeschöpft. Das US-Justizministerium will dem Australier in den USA wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen.

Wann genau eine Entscheidung über den Berufungsantrag fallen soll, stand bis zuletzt nicht fest. Assanges Frau Stella befürchtet jedoch, dass der 52-Jährige schon binnen weniger Tage in ein Flugzeug in Richtung USA gesetzt werden könnte. Das sagte sie in der vergangenen Woche vor Journalisten in London. Bei einer Verurteilung in den Vereinigten Staaten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft.

Stella Assange fürchtet um das Leben ihres Mannes

Für Assange bliebe im Fall einer Ablehnung seines Berufungsantrags in London nur noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Dort werde sein Team umgehend einen Antrag auf einstweilige Verfügung stellen, um eine sofortige Auslieferung zu verhindern, kündigte Stella Assange an. Es gebe jedoch die Sorge, dass die britische Regierung eine solche Anordnung ignorieren könnte. Sie fürchtet wegen der erwarteten harschen Haftbedingungen in den USA und der labilen Psyche ihres Mannes um sein Leben.

Washington wirft Assange vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Assanges Anwälte argumentieren, dass niemand dadurch zu Schaden gekommen sei.

Unterstützer sehen in Assange einen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht brachte und an dem nun ein Exempel statuiert werden solle. Die Strafverfolgung gegen ihn halten sie für einen Angriff auf die Pressefreiheit, weil Assange die ihm zugespielten Informationen lediglich veröffentlichte. Sie riefen für beide Tage der Anhörung zu Kundgebungen vor dem Gerichtsgebäude Royal Courts of Justice auf. Für Mittwoch ist auch ein Marsch zum Regierungssitz 10 Downing Street geplant.

Appelle zur Freilassung auch aus Deutschland

Für eine Freilassung des 52-Jährigen setzen sich weltweit Menschenrechtsorganisationen und Journalistenverbände ein. Die Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Tina Groll, forderte kurz vor Beginn der Anhörung in London ein Ende der Strafverfolgung. Die britische Justiz könne mit einer Absage an das Auslieferungsersuchen der USA ein "unmissverständliches Signal für demokratische Grundwerte" setzen, sagte Groll.

"Wikileaks hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Weltöffentlichkeit die schmutzige Seite der US-Kriegseinsätze erfuhr", betonte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Mika Beuster und fügte hinzu: "Dafür verdient Julian Assange Auszeichnungen und nicht Haft."

Assange hofft auch auf politische Lösung

Der Australier sitzt seit seiner Festnahme im April 2019 im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Zuvor hatte er sich mehrere Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in der britischen Hauptstadt dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entzogen. Diese hatten ihn zunächst wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden ins Visier genommen. Diese Vorwürfe wurden später jedoch aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.

Im März 2022 war Assange mit einer Beschwerde gegen seine Auslieferung beim Supreme Court in London gescheitert. Zur Begründung hieß es, es gebe keine ausreichenden Rechtsgründe für den Antrag. Im Juni 2022 entschied die britische Regierung, dass Assange ausgeliefert werden dürfe.

Neben einem Erfolg im juristischen Tauziehen erhofft sich Assange eine politische Lösung. Die australische Regierung setzt sich inzwischen für eine Freilassung ihres Staatsbürgers ein. Erst in der vergangenen Woche verabschiedete das australische Parlament einen Beschluss, in dem die USA und Großbritannien aufgerufen wurden, die Strafverfolgung Assanges zu beenden. Regierungschef Anthony Albanese betonte, die Angelegenheit ziehe sich schon zu lange hin. US-Außenminister Antony Blinken erteilte den Forderungen nach einem Ende der Strafverfolgung bislang jedoch immer wieder Absagen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Smart Home  
Ikeas neue smarte Steckdose kostet 7 Euro

Ikea bringt in Kürze eine Smart-Home-Steckdose mit der Bezeichnung Tretakt auf den Markt. Das Produkt wird auch mit Schalter angeboten.
Von Ingo Pakalski

Smart Home: Ikeas neue smarte Steckdose kostet 7 Euro
Artikel
  1. Nach Brandanschlag: Hoher Schaden durch wochenlangen Produktionsstopp bei Tesla
    Nach Brandanschlag  
    Hoher Schaden durch wochenlangen Produktionsstopp bei Tesla

    Der Schaden nach dem Stromausfall in der Gigafactory Berlin erreicht fast eine Milliarde Euro. Höhere Sicherheitsvorkehrungen für die Stromversorgung werden geprüft.

  2. Netz: Telekom hat viele Mobilfunkstandorte mit 4G und 5G ausgebaut
    Netz
    Telekom hat viele Mobilfunkstandorte mit 4G und 5G ausgebaut

    Laut ihrem monatlichen Bericht hat die Telekom mehr Antennen mit LTE und 5G aufgestellt. Wir haben nachgerechnet, was das den Nutzern bringt.

  3. Jump and Run: Google Genie erstellt Computerspiele aus einzelnem Bild
    Jump and Run
    Google Genie erstellt Computerspiele aus einzelnem Bild

    Ein Foto oder ein Prompt reichen einer KI von Google, um 2D-Plattformspiele zu bauen. Die eigentliche Besonderheit ist die Steuerung.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MSI Gaming-Laptops -31% • Ryzen 9 5950X 349€ • Samsung Curved Gaming-Monitor 4K UHD mit 1.380€ Rabatt • Samsung 980 Pro 2TB m. Heatsink 149,99€ • LG 31,5" QHD 165Hz 389€ • LG OLED TV 55" 120Hz 999€ • KFA2 RTX 4070 Super 599,99€ • Xiaomi Week: Rabatte bis 49% [Werbung]
    •  /