Wikileaks: Außenminister Steinmeier steht mehrfach auf NSA-Spähliste

Wikileaks veröffentlicht eine weitere NSA-Liste mit ausgespähten Mitgliedern der Bundesregierung. Außenminister Steinmeier ist gleich mit zwei Handynummern vertreten.

Artikel veröffentlicht am ,
Außenminister Steinmeier stand mit zwei Handynummern auf der NSA-Spähliste.
Außenminister Steinmeier stand mit zwei Handynummern auf der NSA-Spähliste. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist offenbar systematisch vom US-Nachrichtendienst NSA abgehört worden. Das geht aus Dokumenten hervor, die die Enthüllungsplattform Wikileaks am Montag veröffentlicht hat. Die Liste mit Telefonnummern aus dem Auswärtigen Amt in Bonn und Berlin enthält sogar zwei Mobilfunknummern Steinmeiers, wobei die NSA eine davon einem SPD-Parteihandy zuordnete. Rechnet man seine beiden Festnetzanschlüsse in Bonn und Berlin hinzu, wurde Steinmeier sogar vierfach überwacht.

Stellenmarkt
  1. Senior Projekt Manager mit Schwerpunkt Projekt Support (m/w/d)
    BWI GmbH, München
  2. (Junior) Backend Developer (m/w/d) C# / DevOps
    ecovium GmbH, Neustadt am Rübenberge
Detailsuche

Auf der Liste stehen 20 Nummern, darunter elf Handynummern. Möglicherweise wurde auch Steinmeiers Amtsvorgänger Joschka Fischer (Grüne) abgehört. In der Liste findet sich ein Eintrag mit dem Namen "Fischer". Ob es sich um eine alte Handynummer Fischers handelte oder ob es um einen Namensvetter im Auswärtigen Amt ging, war nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, die die Dokumente vorab ausgewertet hat, unklar.

Steinmeier nach Antrittsbesuch in den USA abgehört

Wikileaks dokumentiert zudem das Abhörprotokoll eines Gesprächs oder eines Telefonats Steinmeiers vom 29. November 2005. Steinmeier war damals zu seinem Antrittsbesuch als Außenminister in die USA geflogen. Unmittelbar vor der Reise hatten Medien über CIA-Entführungsflüge und -Gefängnisse in Europa berichtet. Dem Protokoll zufolge erhielt der neue Außenminister von den USA "keine entscheidende Antwort" zu den Vorwürfen. Was ihn nicht gestört haben soll. Im Gegenteil: "Er schien erleichtert", heißt es in dem Protokoll.

Zu den Fällen soll auch die Entführung des Ägypters Abu Omar gehört haben. Dieser soll am 17. Februar 2003 in Mailand von der CIA auf offener Straße entführt und mit einem Flugzeug über den US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein in ägyptische Folterhaft verschleppt worden sein.

Assange will Listen ungeschwärzt an Ausschuss übergeben

Golem Akademie
  1. CEH Certified Ethical Hacker v11: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    30.05.-03.06.2022, Virtuell
  2. Kubernetes Dive-in-Workshop (Vier Module: gesamt oder einzeln buchbar)
Weitere IT-Trainings

Wikileaks hat in den vergangenen Wochen insgesamt 145 Spähziele der NSA im Kanzleramt, im Auswärtigen Amt, im Bundesfinanzministerium, im Bundeswirtschaftsministerium sowie im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht. In diesem Zusammenhang hat sich Wikileaks-Gründer Julian Assange dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages inzwischen als Zeuge angeboten.

"Ich würde mich freuen, wenn die Abgeordneten zu mir kämen, um ihre Fragen zu stellen", sagte Assange dem Spiegel. Er könne ihnen über die US-Listen mit überwachten deutschen Politikern inklusive Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Steinmeier Auskünfte erteilen. Ausschussmitgliedern würde er die veröffentlichten Listen auch ungeschwärzt übergeben, sagte Assange, der sich seit drei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London aufhält.

Beim Ausschuss wurde der Vorschlag positiv aufgenommen. "Wir werden kein Material ablehnen, nur weil es von Wikileaks kommt, im Gegenteil. Natürlich immer unter Vorbehalt, ob die Dokumente echt sind", sagte SPD-Ausschussobmann Christian Flisek in einem Interview mit Spiegel Online. Auch die Opposition zeigte sich erfreut. "Das ist ein hervorragendes Angebot", sagte der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele.

Steinmeier ohne Einweg-Handy unterwegs

Wegen der Enthüllungen durch Edward Snowden und Wikileaks sollen deutsche Regierungsmitglieder in jüngster Zeit bei Auslandsreisen vermehrt Einweg-Handys nutzen. So habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schon vor etwa zehn Jahren Bundesminister, Staatssekretäre und andere hochrangige Regierungsbeamte davor gewarnt, ihre eigenen Mobiltelefone mit auf Reisen zu nehmen. Da diese vor vertraulichen Gesprächen oft abgegeben werden müssten, bestehe die Gefahr einer Manipulation, etwa durch das heimliche Aufspielen einer Spionagesoftware. Steinmeier soll aber zuletzt mit seinem eigenen Mobiltelefon nach Kuba geflogen sein. Möglicherweise ändert er nach den neuen Enthüllungen seine Praxis.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Golleser 21. Jul 2015

Das erklärt auch so manches mal wenn gesagt wird er ist ein umfaller.

nicoledos 21. Jul 2015

Wenn die Zielperson mehrere Nummern hat, werden diese nun mal auch alle überwacht. Sonst...

Eop 21. Jul 2015

Der hat doch ermittelt - gegen die NASA !

Nullmodem 21. Jul 2015

Die Sache mit den Einweghandys hatte wohl den Hintergrund, das die Politiker Ihre Geräte...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Raspberry Pi
Besser gießen mit Raspi und Xiaomi-Pflanzensensor

Wer keinen grünen Daumen hat, kann sich von Sensoren helfen lassen. Komfortabel sind sie aber erst, wenn die Daten automatisch ausgelesen werden.
Eine Anleitung von Thomas Hahn

Raspberry Pi: Besser gießen mit Raspi und Xiaomi-Pflanzensensor
Artikel
  1. Framedeck: Bastler verwandelt Framework Laptop in Retro-Terminal-PC
    Framedeck
    Bastler verwandelt Framework Laptop in Retro-Terminal-PC

    Mainboard und der Akku des Framework Laptop bilden die Grundlage des Framedeck, das seinerseits von einem PC der 80er inspiriert wurde.

  2. Bundesländer: Umweltminister einig über Autobahn-Tempolimit
    Bundesländer
    Umweltminister einig über Autobahn-Tempolimit

    Die Landesumweltminister der Bundesländer haben sich einstimmig für ein Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen. Was fehlt, ist dessen Höhe.

  3. Heimkino und Hi-Fi: Onkyo meldet Konkurs an
    Heimkino und Hi-Fi
    Onkyo meldet Konkurs an

    Onkyo hat beim Bezirksgericht Osaka Konkurs angemeldet. Ob das überschuldete Unternehmen gerettet werden kann, ist ungewiss.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 46% Rabatt auf Mäuse & Tastaturen • Grafikkarten günstig wie nie (u. a. RTX 3080Ti 12GB 1.285€) • Samsung SSD 1TB (PS5-komp.) günstig wie nie: 143,99€ • Microsoft Surface günstig wie nie • Jubiläumsangebote bei MediaMarkt • Bosch Prof. bis zu 53% günstiger[Werbung]
    •  /