Wifi Alliance: WLAN soll bald in den 6-GHz-Bereich hineinragen

Neben dem Upper- und Lower-5-GHz-Band könnte es für WLAN bald ein 6-GHz-Band geben. Die Wifi Alliance bemüht sich schon länger um mehr Platz für die WLAN-Standards im Funkspektrum. Im Februar 2017 stellte die Allianz eine Studie vor(öffnet im neuen Fenster) , die den Bedarf unterstrich. Offenbar reicht der Wechsel auf den nächsten WLAN-Standard 802.11ad/ay (60 GHz) nicht aus. Die Wifi Alliance braucht mehr Platz rund um das 5-GHz-Band, dessen oberer und unterer Bereich bisher von den IEEE-Standards 802.11a/n/ac/ax belegt wird.
In einem Newsletter(öffnet im neuen Fenster) berichtet die Allianz aktuell über Fortschritte. Sowohl in den USA als auch in der EU sind demnach die ersten Schritte hin zu einem 6-GHz-WLAN gemacht, das im oberen 5-GHz-Band anfängt (um die 5.900 MHz) und bis weit in den 6-GHz-Bereich reichen wird. Mitunter sind sogar 7.125 MHz angedacht. Aufgrund der Nähe zum 5-GHz-Band ist eine ähnliche Charakteristik zu erwarten. Die Durchdringung von Wänden dürfte etwas schlechter werden, aber gute Reichweiten und Abdeckungen dürften mit wenig Aufwand möglich sein.
802.11ad/ay löst das Problem nicht
Beim 60-GHz-Band ist das anders. Hier wird die schlechte Durchdringung zu einem erheblichen Nachteil, und es muss mit einem Access Point pro Raum gerechnet werden. Allerdings hat das gleichzeitig den großen Vorteil, dass sich Nachbar-WLAN-Access-Points fast nicht mehr stören können.
Beim 6-GHz-Band ist das nicht zu erwarten. Allerdings wird es, wie beim 5-GHz-Band, wohl deutliche Unterschiede zwischen den Regionen geben. Mit den vielen Kanälen und Sonderregelungen (DFS) ist das Band ohnehin für den Laien kaum noch durchschaubar. Ähnliches deutet sich für das neue Spektrum an. Die FCC will in den USA das Midrange Spectrum (3,7 bis 24 GHz) flexibler nutzbar machen. Die Wifi Alliance sieht vor allem die dort dediziert genannten Funkbereiche 5.925 bis 6.425 und 6.425 bis 7.125 MHz als vielversprechend an.
Erheblich mehr Platz für Nachbar-WLAN-Systeme zu erwarten
Die US-Telekommunikationsbehörde FCC könnte damit 500 und 700 MHz Bandbreite freigeben. Das heißt, es wäre Platz für drei beziehungsweise vier weitere 160-MHz-Kanäle des 802.11ac/ax-Standards. Bisher werden je nach Region nur ein oder zwei solcher Kanäle ermöglicht, was in Nachbarschaften zu einem Problem wird. Werden nur 80 oder 40 MHz verwendet, sind natürlich sogar deutlich mehr Kanäle möglich. Laut FCC werden die Frequenzen derzeit vor allem für fixe Installationen genutzt, insbesondere auch für den Weg von und in den Weltraum. Vermutlich ist die Störwahrscheinlichkeit dadurch gering. Und wenn Techniken, die bei DFS schon Anwendung finden, eingesetzt werden, könnten Router ausweichen, sollte doch mal eine mobile Nutzung der Frequenz zufällig an WLAN-Betreibern vorbeiziehen.
Beim European Electronic Communications Committee gibt es Planspiele für die Nutzung des Frequenzbereichs 5.925 bis 6.425 MHz, was auch die USA in Betracht ziehen. Möglicherweise wird dies sogar bis 6.725 MHz erweitert, das hängt aber noch von Studienergebnissen zur Mischnutzung von Frequenzen ab. Unabhängig davon hat das Vereinigte Königreich den Bereich 5.725 bis 5.850 MHz für Outdoor-Installationen freigegeben. Für die EU gilt das nicht.
Andere Länder, andere Frequenzen
Kurz erwähnt wird Kanadas Initiative, den Frequenzbereich 5.150 bis 5.250 MHz für Outdoor-Installationen freizugeben. Zu anderen Regionen gibt die Wifi Alliance noch keine Informationen. Der Aufwand einer Vereinheitlichung ist beträchtlich, weil nicht nur Regionen, sondern mitunter auch einzelne Länder eigene Interessen haben. So werden von der Wifi Alliance etwa China und Japan einzeln in der Frequenzstudie betrachtet, um Unterschiede beim 5-GHz-Band zu verdeutlichen. Das gilt auch für zahlreiche andere Länder, die sich nicht einem großen Block wie der EU bei ihrer Frequenzplanung anschließen.
Das macht den internationalen Betrieb kompliziert. Naheliegend ist etwa WLAN in Flugzeugen. Werden diese WLAN-Systeme etwa in Europa zertifiziert, können US-Fluggäste mit ihren WLAN-Geräten nur einen Teil des Spektrums in der Kabine nutzen. Wobei es dort eine Grauzone gibt, und die nationalen Regeln etwa über dem Atlantik oder Pazifik überwiegend nicht gelten. Mancher Betreiber entscheidet sich deswegen, WLAN erst ab einer bestimmten Flughöhe zuzulassen. Beim Anstreben einer Gate-to-Gate-Zertifizierung gilt das nicht.
Bisher gibt es keine konkreten Pläne, wann und wie neues Spektrum erlaubt wird, und welche Auswirkungen das auf die Hardwarehersteller haben wird.



