Kronsdorf: Jeden Tag 6 Millionen Liter 30 °C warmes Abwasser
Die Sorgen um den Wasserverbrauch (hier auch eine lesenswerte FAQ von Netzpolitik dazu)(öffnet im neuen Fenster) scheinen berechtigt, auch in Europa mehren sich die Berichte: Im österreichischen Kronsdorf erhielt ein Google-Rechenzentrum die offizielle Genehmigung gemäß Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), 6 Millionen Liter Flusswasser auf 30 °C zu erhitzen und zurück in die Enns zu leiten. Außerdem soll das Rechenzentrum am Ende ein Drittel mehr Strom verbrauchen als alle Haushalte Oberösterreichs zusammen(öffnet im neuen Fenster).
Bürgerinitiative und Politik sind sich hier einig: Das Gesetz muss geändert werden, die bestehende UVP sei nicht mehr zeitgemäß(öffnet im neuen Fenster), die zu erwartenden Schäden nicht akzeptabel.
Regensburg: Rechenzentrum im Wasserschutzgebiet?
Weiter nordwestlich, im Landkreis Regensburg, soll unterdessen ein Rechenzentrum gegen alle Widerstände nahe an und teils in einem Natur- und Wasserschutzgebiet entstehen, nur hunderte Meter neben dem Trinkwasserbrunnen der 12.000-Einwohner-Gemeinde Wenzenbach. Außerdem müsste wohl eine laut Denkmalschutz einzigartige, knapp 900 Jahre Kapelle weichen. "Davon gibt es in Bayern noch maximal fünf", sagt der Denkmalschutz, und weiter: "Derlei Anträge sind aussichtslos."
Einziger Grund für den wohl extrem unwahrscheinlichen Standort des Giga-Rechenzentrums ist ein nicht beklagbares, aber wohl notwendiges, neues und leistungsfähiges Umspannwerk vor Ort. Doch der lokale Bürgermeister stellte klar: Wenn es ans Trinkwasser gehe, komme es nicht. Das sagte er sinngemäß, hält sich aber alle Optionen offen. Bleibt er bei seiner Aussage, wird das Rechenzentrum nicht gebaut (Artikel vom Autor dieses Texts)(öffnet im neuen Fenster).
US-Kongress und Internationale Energie Agentur: Zwei Millionen Liter täglich pro 100 MW
Der zu erwartenden Wasserverbrauch lässt sich nur schätzen oder aus existierenden Rechenzentren ableiten, weil die Hersteller keine oder unpassende Zahlen veröffentlichen. Aktuelle Studien(öffnet im neuen Fenster) gehen von einem täglichen Wasserverbrauch von bis zu zwei Millionen Litern bei einem Rechenzentrum mit 100 Megawatt aus, im US-Durchschnitt, gut ein Drittel davon vor Ort.
"Ein US-Rechenzentrum mit einer Leistung von 100 Megawatt verbraucht im Durchschnitt der verschiedenen Kühlstrategien etwa zwei Millionen Liter pro Tag, wobei 725.000 Liter pro Tag vor Ort verbraucht werden." (International Energy Agency; PDF)(öffnet im neuen Fenster)
Kronsdorf soll im Endausbau knapp 500 Megawatt haben, Wenzenbach ist auf 300 Megawatt geplant. Die Zahlen aus Österreich scheinen zu bestätigen, was sowohl der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses als auch die Internationale Energie Agentur vermutlich genau prüften, bevor sie die Zahlen im Mai 2026 veröffentlichten.
An Wasser- und Verdunstungskühlung geht kein Weg vorbei
Dabei ist den Experten durchaus klar, dass verschiedene Kühlstrategien unterschiedliche Effekte haben. Die Effizienz der Kühlung und damit auch des Rechenzentrums selbst hängt aber massiv vom Wassereinsatz ab.
Prinzipiell gilt: Je mehr Wasser, desto effizienter die KI. Das ergibt sich auch aus Broschüren von Herstellern wie Schneider Electric(öffnet im neuen Fenster). Neue Technologien setzen auf die Ewigkeitschemikalien PFAS, vor denen das Bundesumweltamt warnt(öffnet im neuen Fenster). Wie einst bei Kühlmitteln in Kühlschränken (wir erinnern uns an FCKW und das Ozonloch) versprechen auch PFAS-Kühlmittel große Effizienzgewinne und massiv weniger Wasserverbrauch.
Viele dieser Probleme und Erkenntnisse sind nicht neu, Erfahrungen gibt es aus der Zeit des Bitcoin-Mining-Booms. Einem UN-Bericht zufolge wird der Ressourcenverbrauch (Strom, Wasser, CO2-Ausstoß) von KI-Rechenzentren bis 2030 noch deutlich ansteigen(öffnet im neuen Fenster).
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