WHO: "Gaming Disorder" wird offiziell als Krankheit eingestuft
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neue Vorabversion ihrer global verwendeten Klassifikation von Krankheiten veröffentlicht. Darin ist erstmals von einer "Gaming Disorder(öffnet im neuen Fenster)" (Spielstörung) zu lesen, und zwar in der Kategorie "Störungen auf Basis suchtartigen Verhaltens", gemeinsam mit der schon länger geführten "Gambling Disorder" (Glücksspielstörung, etwa an Automaten oder im Casino).

Die Spielstörung wird definiert als "Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens" mit einer gleichzeitig "beeinträchtigten Kontrolle von Häufigkeit, Intensität oder Dauer" sowie der "Fortsetzung von Spielen trotz des Auftretens von negativen Folgen". Gleichzeitig müsse das Verhaltensmuster "in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen" führen – und zwar über einen "Zeitraum von mindestens 12 Monaten".
Diese Definition soll so in der elften Fassung der International Classification of Diseases (ICD-11) stehen, die im Sommer 2018 offiziell verabschiedet wird. Diese Einstufungen haben weitreichende Folgen, weil sich Ärzte und Krankenkassen daran orientieren – auch in Deutschland. Ganz praktisch könnte die neue Fassung der Klassifikation dazu führen, dass Krankenkassen etwa die Behandlung von Personen bezahlen müssten, die ein Arzt für "spielgestört" hält.

Allerdings könnte die schon länger absehbare Neueinstufung auch dazu führen, dass Spielehersteller unter gesellschaftlichen und politischen Druck geraten, etwa im Zusammenhang mit den aktuell diskutierten Lootboxen und ähnlichen Glücksspielelementen in Titeln wie Destiny 2 oder Star Wars Battlefront 2. Im Extremfall könnte die neue Einstufung sogar dazu führen, dass Spielehersteller für gesundheitliche Schäden haften müssten. Deswegen hat vor allem der US-Verband Entertainment Software Association(öffnet im neuen Fenster) (ESA) versucht, die Aufnahme der Gaming Disorder in den ICD zu verhindern – erfolglos.
Die ESA äußerte sich unmittelbar nach Veröffentlichung der Vorabversion von IDC-11 am 28. Dezember 2017 in einer Stellungnahme: "Gesunder Menschenverstand und objektive Forschung beweisen, dass Videospiele nicht süchtig machen", schreibt der Verband, ohne dazu neue Studien zu nennen. Die ESA ist der Auffassung, dass durch die neue Einstufung "echte psychische Probleme wie Depression und soziale Angststörung trivialisiert werden".
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