Whistleblowerin: Chelsea Manning ist frei

Die Whistelblowerin Chelsea Manning hat heute das Militärgefängnis in Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas verlassen, in dem sie einen Großteil ihrer verbüßten Haftstrafe abgesessen hatte. Das bestätigte ein Sprecher der US-Armee der BBC(öffnet im neuen Fenster) . Mannings Reststrafe wurde im Zuge einer Amnestie von Ex-US-Präsident Barack Obama erlassen , es war eine seiner letzten Amtshandlungen.
Manning soll bei ihren ersten Schritten in Freiheit von einem Unterstützernetzwerk begleitet werden, das in den vergangenen Monaten auch Spenden gesammelt hat. Zumindest vorläufig bleibt Manning offiziell Angehörige der US-Armee, bezieht aber kein Gehalt. Bis zum Abschluss eines derzeit laufenden Berufungsverfahrens muss sie sich weiterhin den Verhaltensregeln des Militärs unterwerfen.
Die Begnadigung durch Barack Obama annulliert die Strafe von Manning nicht, sondern erlässt nur den Rest der eigentlich zu verbüßenden Strafe. Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert, dass das Urteil nicht vollständig aufgehoben wurde. Geschäftsführer Christian Mihr sagte: "Chelsea Manning kommt endlich frei und bleibt in den Augen der US-Justiz trotzdem eine Verbrecherin. Dass sie mit dem Stigma weiterleben muss, ist eine Schande."
Reporter ohne Grenzen kritisiert US-Regierungen
Die Organisation kritisierte auch den generellen Umgang Obamas mit Whistleblowern. In einer Mitteilung heißt es: "Die juristische Verfolgung von Whistleblowern in den USA hatte unter Obama besorgniserregende Ausmaße angenommen. In seiner Amtszeit wurden mindestens acht Whistleblower mit Hilfe eines Spionagegesetzes von 1917 angeklagt, das unter allen Regierungen zuvor in nur drei vergleichbaren Fällen zur Anwendung gekommen war" Eine Besserung der Situation unter Obamas Amtsnachfolger Donald Trump sieht man nicht, im Gegenteil: "Mit dem Regierungswechsel sind Whistleblower in den USA vom Regen in die Traufe geraten" .
Trump hatte Obamas Entscheidung der Begnadigung kritisiert, konnte aber keinen Einfluss nehmen, denn eine Begnadigung kann vom nachfolgenden Präsidenten nicht rückgängig gemacht werden. Manning gilt als Quelle für zahlreiche von Wikileaks veröffentlichte Dokumente, insbesondere die Afghanistan-Papiere und das Collateral Murder-Video. Vor ihrer Haft war Manning als Nachrichtenanalystin für die Armee tätig und auch mit der Analyse von Lageberichten befasst.



