Whatsapp: Überfällige Datenschutzabstimmung mit den Füßen

Es gibt zwar keinen wirklichen Anlass, um plötzlich von Whatsapp zu Signal oder Threema zu wechseln. Doch der Denkzettel für Facebook ist wichtig.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Whatsapp-Alternativen finden sich auf immer mehr Handys.
Whatsapp-Alternativen finden sich auf immer mehr Handys. (Bild: Léo Pierre/Hans Lucas/Reuters)

Der Boom ist nicht ganz nachvollziehbar. Nur weil Nutzer von Whatsapp bis Anfang Februar neue Geschäftsbedingungen akzeptieren müssen, verzeichnen andere Messengerdienste wie Signal, Telegram oder Threema plötzlich Millionen neuer Downloads. Dabei ändert sich vor allem in der EU wenig am Umgang Facebooks mit den Nutzerdaten. Dennoch ist die neue Diversität bei Messengerdiensten zu begrüßen, selbst wenn sie aus den falschen Gründen erfolgt.

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Es war von Anfang an klar, dass Facebook sein Versprechen nicht halten würde, nach der Übernahme von Whatsapp die Daten nicht mit seinen anderen Diensten zu verschmelzen. Warum sollte Mark Zuckerberg fast 22 Milliarden US-Dollar für den Kauf eines Unternehmens ausgeben, wenn er dessen Nutzerdaten nicht kommerzialisieren kann?

Daher tauscht Whatsapp schon seit August 2016 die Daten mit anderen Facebook-Diensten aus. Selbst das Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 hat daran nichts geändert. Zwar sprach Facebook immer wieder davon, dass Nutzer der Datenweitergabe widersprechen könnten. Doch das hat offenbar trotz DSGVO keinerlei Effekt. Ein klares Verbot der Datenweitergabe durch die irische Datenschutzbehörde steht leider noch aus.

Rätselhafter Fluchtreflex

Es ist daher nicht ganz nachvollziehbar, warum die neue Zustimmung plötzlich bei den Nutzern einen solchen Fluchtreflex auslöst. Wer bisher in der EU die Datenschutzbestimmungen von Whatsapp akzeptiert hat, kann es im Grunde auch weiterhin tun. Beziehungsweise sollte es eben nicht tun, wenn er nicht zulassen will, dass ein einzelnes Unternehmen wie Facebook einen zu großen Überblick über die eigene Kommunikation oder andere Internetaktivitäten bekommt.

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Wobei es zwar umständlich, aber dennoch möglich ist, Whatsapp zu nutzen, ohne der App den Zugriff auf die eigenen Kontakte zu erlauben. Hilfreich ist auch, kein eigenes Facebook- oder Instagram-Konto zu haben oder diese zumindest nicht mit seiner Telefonnummer zu verknüpfen. Aber leider ist völlig undurchsichtig, auf welch vielfältige Weise Facebook an die Daten von Nutzern kommt und diese miteinander verknüpft. Daher ist ein zunehmender Wechsel zu anderen Diensten wie Signal oder Threema auf jeden Fall besser, als eine Monopolstellung von Whatsapp zu zementieren.

Ausgerecht Facebook beklagt Falschinformation

Ein Treppenwitz der Geschichte ist zudem, wenn Facebook nun "die Ausbreitung falscher Informationen" beklagt und deswegen die Einführung der neuen Datenschutzregeln um gut drei Monate verschiebt. Das Unternehmen hat leider oft genug bewiesen, dass seine Beteuerungen zum Datenschutz nicht die Tastatur wert sind, auf der sie getippt wurden.

Solange Facebook nicht zerschlagen ist, reagiert das Unternehmen offenbar nur auf eine spürbare Abwanderung von Nutzern zur Konkurrenz. Ein selbst geschaffenes Dilemma, denn mit der stärkeren Integration der Dienste will Zuckerberg offenbar eine drohende Zerschlagung verhindern. Diese Integration scheint aber vielen Nutzern nun langsam bedenklich zu werden.

Wer ohnehin datenschutzaffine Freunde hat, wird in den vergangenen Tagen kaum neue Kontakte in Whatsapp-Alternativen registriert haben. Doch selbst eine kleine Umfrage innerhalb von Golem.de zeigt, dass nun vermehrt "normale" Nutzer Signal oder Threema entdecken.

Wenn die Behörden trotz erdrückender Argumente nicht in der Lage sind, Facebook zu zerschlagen, sollten es die Nutzer mit ihren Füßen tun.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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Luzifer Mephisto 20. Jan 2021

Im allgemeinen tut es niemandem weh, einem "Konzern" wie FB den Rücken zu kehren oder...

User_x 20. Jan 2021

Es ist eben diese Unsicherheit die zum Handeln anregt. Ob was fehlt oder wie du schreibst...

DASPRiD 19. Jan 2021

Nein, 99,9% meiner Kontakte nutzen sowieso Telegram seit über 5 Jahren (Telegram ist bei...

d0p3fish 19. Jan 2021

He he der musste ja kommen. Beweisführung abgeschlossen, Stempel drauf? Wir sind denn...



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