Whatsapp, Signal, Threema: Messengerdienste warnen vor Interoperabilität

Soll man künftig direkt zwischen Whatsapp und Signal kommunizieren können? Die Anbieter befürchten dadurch weniger Datenschutz und Innovationen.

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Die Interoperabilität zwischen Messengerdiensten ist stark umstritten.
Die Interoperabilität zwischen Messengerdiensten ist stark umstritten. (Bild: Jérôme Leblois/Reuters)

Die Anbieter von Kommunikationsdiensten stehen einer zu starken Interoperabilität zwischen verschiedenen Messengern und Videokonferenzen skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Befragung von 44 Messenger- und Videodiensten durch das Bundeskartellamt hervor. Demnach befürchten die Anbieter von einer Verpflichtung zur Interoperabilität "nachteilige Auswirkungen insbesondere auf Innovation, Datensicherheit und Datenschutz".

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Das Bundeskartellamt hat im Dezember 2020 eine sogenannte verbraucherrechtliche Sektoruntersuchung zu Messengerdiensten eingeleitet. Dabei sollte unter anderem geklärt werden, ob eine bessere Interoperabilität zwischen den Diensten dazu führen könnte, dass Verbraucher sich für datenschutzfreundliche Anbieter entscheiden.

Forderungen aus Europaparlament

Entsprechende Forderungen nach mehr Interoperabilität gibt es unter anderem aus dem Europaparlament und von der SPD. Die EU-Kommission steht diesen Plänen aber noch skeptisch gegenüber. So warnte Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager im März 2021: "Wenn wir jetzt vorschreiben, dass alle Messenger kompatibel sein müssen, könnte das dazu führen, dass wir eine Art SMS zurückkriegen."

Ähnlich äußerten sich die befragten Anbieter, zu denen unter anderem Whatsapp, Threema, Jabber und Facebook Messenger gehören. "Interoperabilität laufe auch wider Verbraucherinteressen, indem das Nutzererlebnis beeinträchtigt und Multi Homing, also die Unterhaltung von Nutzerkonten bei mehreren Messenger-Diensten, verhindert werde. Ein verpflichtendes Interoperabilitätsvorhaben führe dazu, dass es in allen genannten Bereichen nur noch zum kleinsten gemeinsamen Nenner komme", zitiert der am Donnerstag veröffentlichte Zwischenbericht (PDF) aus den Antworten.

"Unüberwindbare Probleme" befürchtet

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Einige Anbieter hielten demnach die Probleme, die mit Interoperabilität einhergingen, "grundsätzlich für nicht unüberwindbar". Ein internationaler Videodienst weise darauf hin, dass Messenger- und Videoplattformen nicht im Hinblick auf Interoperabilität entwickelt worden seien. "Eine technische Umgestaltung der Dienste würde nun enormen Aufwand und eine erhebliche Investitionsbereitschaft erfordern", zitiert der Bericht weiter.

Wie kaum anders zu erwarten, stößt eine gesetzliche Verpflichtung zur Interoperabilität nur auf wenig Zustimmung bei den Anbietern. Nur drei Betreiber freier Messenger-Clients befürworten demnach eine solche Verpflichtung. Knapp die Hälfte der Befragten könne sich ein auf Freiwilligkeit fußendes Interoperabilitätsvorhaben vorstellen, aber daran würde sich nur weniger als die Hälfte der Befürworter beteiligen.

Als Ablehnungsgründe werden unter anderem nicht refinanzierbare Entwicklungskosten und ein "enormer" Aufwand für Bürokratie und Technik genannt. Kleinere Anbieter fokussierten sich auf Nischenangebote, wie E-Learning oder geschäftliche Kundengruppen, "die keine Interoperabilität wünschen und größten Wert auf Vertraulichkeit und höchste Sicherheit ihrer Daten legen".

BSI veröffentlicht Grundlagenpapier

Das Bundeskartellamt hat sich zudem mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu technischen und sicherheitsrelevanten Fragen bei Messenger- und Videodiensten ausgetauscht. Parallel veröffentlichte das BSI am Donnerstag ein Papier zu den technischen Grundlagen sicherer Messenger-Dienste. Das beschreibt demnach "die grundlegende Funktionsweise von Messengern und die verschiedenen Verschlüsselungsarten. Im Fokus stehen dabei die verwendeten Kommunikationsprotokolle, deren Sicherheitseigenschaften sowie anfallende Metadaten".

Von besonderem Interesse sei eine mögliche zukünftige Interoperabilität verschiedener Messenger, ohne dabei das Sicherheitsniveau einzuschränken. Dazu enthält das 19-seitige Papier (PDF) einen kurzen Ausblick auf das MLS-Protokoll, welches nach Ansicht des BSI nach Abschluss des Standardisierungsverfahrens künftig eine sichere Kommunikation zwischen unterschiedlichen Messengern ermöglichen könnte.

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